Kinofilm über die erste US-Heilige Francesca Cabrini
Eine beeindruckende Frau
Foto: Angel Studios
Francesca Cabrini (Cristiana Dell'Anna) trifft Papst Leo, dargestellt von Giancarlo Giannini.
Verzweifelt fleht der kleine Paolo um Hilfe für seine entkräftete Mutter. Doch im Krankenhaus wird er abgewiesen. Am Ende stirbt seine Mutter auf der Straße - umringt von zahlreichen wohlhabenden, aber teilnahmslosen New Yorkern. Paolo ist einer von rund zwei Millionen Italienern, die zwischen 1889 bis 1910 in die USA eingewandert sind. Die meisten von ihnen bettelarm. Von den Einheimischen werden die Zuwanderer mit Verachtung und offenem Rassismus empfangen. Viele von ihnen hungern. Nur eine Frau hilft den Immigranten. Es ist Francesca Cabrini. Bereits in ihrer alten Heimat, der Lombardei, hatte sich die Ordensfrau aufopferungsvoll um Waisenkinder gekümmert.
Dabei ist Cabrini selbst chronisch krank. Als Kind wäre sie fast gestorben und plagt sich seither mit „schwachen Lungen und posttuberkulösen Symptomen“, wie sie sagt. Ein Arzt gibt ihr zwei, maximal noch fünf Jahr zu leben, als sie 1889 in New York ankommt. Doch Cabrini lässt nicht beirren. Unermüdlich und gegen zahlreiche Widerstände kämpfend baut sie im Elendsviertel „Five Points“ im Süden Manhattans ihr erstes Waisenhaus auf. Gegenüber Papst Leo XIII. sagt sie bei einer Tasse Tee einmal, „wir alle können selbst entscheiden, ob wir uns von der Schwäche beherrschen lassen, oder lieber unsere Pflicht erfüllen“. Der Film „Die Gesandte des Papstes“ nimmt sich viel Zeit für Dialoge. Immer wieder muss sich Cabrini gegen die männliche Obrigkeit aus Politik und Kirche durchsetzen.
Die Widerstände werden im Film übertrieben
Dieser Feminismus, diese „Girl Power“, wie die Amerikaner gerne sagen, mag zwar bei einem Teil des Publikums gut ankommen. Doch sehr realistisch ist das nicht. Während der Film Cabrinis Ankunft in Amerika mit ihren sechs Mitschwestern sowie ihren Einsatz für die sozial benachteiligten Neu-New Yorker recht authentisch nachzeichnet, nimmt sich das Drehbuch ansonsten große künstlerische Freiheiten. So soll es beispielsweise die im Film oft sehr konfrontativen erzählten Auseinandersetzungen Cabrinis mit dem damaligen New Yorker Erzbischof Michael Corrigan nie gegeben haben. Im Gegenteil. Zahlreiche Briefe Cabrinis und andere historische Dokumente belegen, wie tatkräftig viele Bischöfe und auch der Papst die Ordensfrau bei ihrer karitativen Arbeit unterstützt haben. Die Kirche stellte ihr Liegenschaften und Finanzmittel für ihre Gründungen zur Verfügung.
Auch Cabrinis innere Triebfeder, ihr tiefer Glauben, fehlt in dem 144 Minuten langen christlichem Film-Epos fast vollständig. Anna Farrow von der kanadischen „Catholic News“ etwa kritisierte, dass Cabrini eine „humorvolle Spiritualität“ hatte. In der Inszenierung von Regisseur Alejandro Monteverde jedoch kommt die Ordensfrau stets ernst rüber. Umstritten ist auch die Produktionsfirma. Die US-amerikanischen Angel Studios gelten als streng evangelikal und neigen dazu, ihre Themen allzu fromm und plakativ umzusetzen.
Und doch lohnt der Film. Die Kameraarbeit von Gorka Gómez Andreu ist sensationell, viele Einstellungen sind ein fotografisches Meisterwerk. Auch die Ausstattung, die historischen Kostüme und Kulissen beeindrucken. Ebenso die Darsteller. Allen voran Ordensgründerin Cabrini, gespielt von der Neapolitanerin Cristiana Dell‘Anna, die bereits für ihre Rolle in der hochgelobten TV-Serie Gomorrha gute Kritiken bekam.
Vor allem aber zeichnet „Die Gesandte des Papstes“ das Leben einer außergewöhnlichen Frau nach, der man zumindest hierzulande noch zu wenig Beachtung geschenkt hat. Trotz ihrer schwächlichen Konstitution hat die 1909 in die USA eingebürgerte Cabrini im Laufe ihres Lebens, quasi aus dem Nichts heraus und mit viel unternehmerischem Geschick, 67 Waisenhäuser, Schulen, Krankenhäuser und Klöster in den USA sowie später in Lateinamerika gegründet. Mehr als 20 Mal reiste sie per Schiff von Italien nach Amerika hin und zurück – zu einer Zeit, als jede Reise über den Atlantik noch ein Wagnis darstellte. Sie überquerte sogar die Anden, um in Lateinamerika neue Ordensniederlassungen zu gründen. Papst Leo XII. bezeichnete sie einmal als beeindruckendste Frau, die er je kennen gelernt habe. 1946 wurde Cabrini als erste US-Bürgerin heiliggesprochen.
Zur Sache
"Die Gesandte des Papstes". Regie: Alejandro Monteverde. 144 Min. Kinostart: 11. September