Junge Pflege im Paulusheim Osnabrück
Eine gute Zeit für die Seele
Ein Angebot für die Seele, das ist die „Ideenbaustelle“ der Jungen Pflege des Paulusheimes. Hier können die Bewohner ihre Kreativität ausleben, Wünsche verwirklichen – auch wenn sie dafür aufgrund ihrer Erkrankungen Hilfe benötigen.

Im Osnabrücker Paulusheim kennt sie jeder: die „Ideenbaustelle“ der Jungen Pflege. Zweimal wöchentlich steht das Kreativangebot für die Bewohner der Fachpflegeeinrichtung auf dem Programm. Zweimal wöchentlich fiebern alle Teilnehmer dem beliebten Termin entgegen. Er ist für sie eine Auszeit vom beschwerlichen Alltag, von Therapien, Schmerzen, Pflege und Arztterminen. Einfach eine gute Zeit für die Seele.
Und nicht nur in den Herzen der Bewohner hinterlässt die Gruppe Spuren: Farbenfrohe Bilder, kreative Grußkarten, Schutzengel aus Tennisbällen, Oster-Hühner aus Pappmaché, Weihnachtsmänner aus Holz oder weiße Schneemänner sind auf allen Ebenen der Pflegeeinrichtung zu finden, bringen Farbe und Freude ins Haus.
Dabei können die wenigsten der Teilnehmer noch selbst einen Stift oder einen Pinsel halten. Erkrankungen verschiedenster Art haben deutliche Spuren hinterlassen. Einfühlsam entwickeln die drei Betreuungskräfte Katja Schlake, Doris Sundermann und Nicole Rietmann Praktiken, wie sie die Menschen dennoch in die Gestaltung der Bastelarbeiten mit einbeziehen können. Denn eines ist klar: Es sollen die Ideen der Bewohner umgesetzt werden, ihre Wünsche stehen an erster Stelle.
"Den einen muss man bremsen, den anderen locken"
So schafft es Jutta in der „Ideenbaustelle“, wunderbare Bilder zu malen, obwohl sie ihre Hände nicht mehr steuern kann. Liebevoll führt Katja Schlake dabei ihren Finger über die Leinwand. Langsam und vorsichtig verteilen sie den Pastell-Kreidestaub, der nach und nach zur leuchtendblauen Landschaft wird. Ines, ebenfalls bewegungsunfähig, ist stolz auf den „schnellen Gruß“– eine von ihr entwickelte Karte mit einer Schnecke darauf, die rund um ihren Fingerabdruck gezeichnet wird und als Postkarte im Kiosk der Einrichtung seit Jahren verkauft wird. „Es macht Freude, wenn man hier ist“, sagt sie. Denn selbst wer nicht Hand anlegen kann, findet sich in den Projekten wieder. „Den einen muss man bremsen, den anderen locken“, sagt Katja Schlake und schmunzelt.
Das neueste Projekt der Gruppe sind Gipsfiguren: Männer und Frauen, groß und klein, festlich oder frech, freundlich, fröhlich oder gewitzt, im Rollstuhl sitzend oder als Pfleger oder Hausmeister unterwegs. Die Ideen und die Ausgestaltung der Figuren entwickelte sich im Laufe der Bastelphase, die Ergebnisse wurden bereits auf dem Sommerfest und im ganzen Haus bestaunt: „Plötzlich fanden sich Pfleger, Hausmeister, Mitarbeiter oder Bewohner in den Figuren wieder, entdeckten Gemeinsamkeiten. Das gab viel Gesprächsstoff“, erzählt Katja Schlake und freut sich auch für die Gruppe, die ihre Figuren stolz präsentiert. In ihrer Vielfalt spiegeln die Figuren auch das Miteinander im Haus in all seinen Facetten wider – bunt, fröhlich, realistisch und ideenreich.
Besonders beliebt ist der "schnelle Gruß"

Paulusheim ausgestellt. Foto: Astrid Fleute
Mit ihrem Angebot setzen sich die Betreuungskräfte ganz bewusst ab von Therapien oder mobilisierenden Angeboten. „Wir sind hier zum reinen Vergnügen. Es geht um eine bunte Abwechslung vom Alltag, an erster Stelle steht der Spaß. Und wir lachen viel“, betont Doris Sundermann. Wenn den Bewohnern einmal nicht der Sinn nach Basteln steht, backen sie Kekse mit ihnen, spielen Spiele, lesen Geschichten oder Artikel aus der Zeitung vor, machen Entspannungsübungen, stellen Quizfragen oder gehen spazieren. Teilhabe steht dabei an erster Stelle. Kartenspiele wie UNO spielen sie daher fast ausschließlich in Teams. Und für Bewohner, die aufgrund ihrer Erkrankung Probleme mit der Kopfhaltung haben, wurde eine spezielle Kartenhalterung gebaut. Doris Sundermann erklärt: „So kann wirklich jeder, der es möchte, dabei sein und mitmachen.“
Diese Selbstwirksamkeit ist im Pflegealltag eher schlecht zu verwirklichen. Umso wichtiger sind Angebote wie diese. Das betont auch Antonius Otten, Geschäftsführer der St.-Elisabeth-Pflege, zu der die Junge Pflege im Paulusheim gehört. Durch Umstrukturierungen beim Begleitenden Dienst hat er in seinen Häusern mehr „Man-Power“ freigesetzt, um Betreuungsangebote zu stärken. „Es geht im Pflegeheim nicht nur um satt, sauber, ruhig. Zum Leben gehört mehr“, betont er und blickt auf die „vielen wichtigen gemeinschaftsfördernden Projekte, Termine und Aufgaben, die zum seelischen Wohlbefinden der Bewohner beitragen“.
Dabei können die Betreuungskräfte frei entscheiden, was gerade möglich ist und was nicht. Denn eines wollen auch die Teilnehmer der „Ideenwerkstatt“ zum Beispiel nicht: sich vereinnahmen lassen und mit ihren Produkten in Serienproduktion gehen. „Wir basteln, wie wir können“, sagt Doris Sundermann. „Die Karten im Kiosk sind immer so schnell weg, dass wir gar nicht hinterherkommen.“ Besonders beliebt ist das Motiv „der schnelle Gruß“ von Ines. Nicht nur sie macht das unsagbar stolz.
Astrid Fleute