Ausstellung im Osnabrücker Seniorenzentrum St. Franziskus
Erinnerungen, die bleiben
Foto: Astrid Fleute
Stolz zeigen zwei Bewohner des Altenheims ihre eingerahmte Geschichte und die für sie wertvollen Gegenstände.
„Pumpe“ hat einen Stammplatz. Zuverlässig thront der alte Teddy auf seinem Stuhl mit rotem Samtbezug. Für seine Besitzerin, die Seniorin Heide von Gersdorff, ist er Freund, Begleiter, Tröster, Gesprächspartner – und das seit fast 90 Jahren. Seit ihrer Geburt begleitet sie der Bär. Er hat diverse Umzüge mitgemacht – auch den letzten ins Seniorenheim vor ein paar Jahren.
Wenn Heide von Gersdorff auf ihren Teddy blickt, dann schaut sie auf ihr Leben: auf ihre Kindheit im zerbombten Frankfurt, Jugendzeit, Studium, Familiengründung, den Alltag mit Beruf, Kindern und Enkeln. Pumpe war immer dabei. Er ist Lebensbegleiter, Sicherheit, Beständigkeit, Treue.
Der Bär ist Bestandteil einer Ausstellung im Seniorenzentrum St. Franziskus zum Thema „Was ist mir heilig?“; die Ausstellung ist gerade in die benachbarte Kirche umgezogen. Die Frage haben Ehrenamtliche der Caritas den Heimbewohnern gestellt. Und sie sind mit ihnen ins Gespräch gekommen – über Lebensgeschichten, Erfahrungen, Werte und Überzeugungen, die die Senioren in ihrem langen Leben geprägt haben.
Roswitha Falke ist gerührt, wenn sie an die Begegnungen denkt. „Wir haben richtig in Erinnerungen geschwelgt“, erzählt die Ehrenamtliche der Caritas. Für sie ist das Projekt ein Zeichen der Wertschätzung für die Senioren: „Wie schnell werden gerade alte Menschen in eine Ecke gedrängt, weil sie nichts Produktives mehr für dieses Leben beitragen können, weil sie auf Hilfe angewiesen sind, weil sie manchmal das Gefühl haben, als wenn so ein altes Leben gar nichts mehr wert ist.“ Und sie berichtet von „strahlenden Augen“ und großer Dankbarkeit der Senioren.
Diese Spuren können zu erzählten Bildern und Geschichten werden.
Zwölf Bilderrahmen sind entstanden. Die Ehrenamtlichen haben die Geschichten aufgeschrieben. Sie erzählen sie anhand eines Gegenstandes, der den Bewohnern heilig ist, der sie begleitet, ihnen Kraft gibt – zum Beispiel der Teddybär, das Gedicht des Enkels, das Foto von früher, die selbstgenähte Kinderschürze, das Reiseandenken. Fotografin Marion Lahrmann hat die Dinge in Szene gesetzt.
Entstanden ist die Idee durch eine Fortbildung mit der professionellen Märchenerzählerin Sabine Meyer aus Osnabrück. „Ein Leben hinterlässt Spuren“, sagt Meyer. „Diese Spuren können zu erzählten Bildern und Geschichten werden.“ Sterben Bewohner, wie auch während der Projektphase geschehen, bleiben ihre Geschichten eingerahmt an der Wand hängen – für jeden sichtbar. Initiatorin Annette Frische betont: „Die Menschen gehen, aber diese Erinnerungen bleiben. Auch über den Tod hinaus.“