Die Feste Allerheiligen und Allerseelen
Jeder Mensch ist berufen, heilig zu leben
Foto: Julia Kadel/Unsplash.com
Es ist ein alter und guter Brauch, rund um das Fest Allerseelen die Gräber der Verstorbenen aufzusuchen.
Was feiern wir an Allerheiligen?
Seit dem neunten Jahrhundert feiern katholische Christen jedes Jahr am 1. November Allerheiligen. Sie gedenken an diesem Tag grundsätzlich aller Heiligen, zum Beispiel Franz von Assisis, des heiligen Martin oder der heiligen Edith Stein. Die sichtbare Vergänglichkeit in der herbstlichen Natur macht uns sensibel für die Vergänglichkeit der irdischen Welt. Dadurch öffnet sich der Blick auf das Leben nach dem Tod und die Heiligen als Vorbilder dorthin.
Doch an Allerheiligen werden nicht nur bekannte Heilige geehrt, sondern auch unbekannte, deren Heiligkeit nur Gott sieht. Denn heilig ist und wird nicht nur, wer jederzeit vorbildlich lebt und einen aufsehenerregenden Märtyrertod stirbt. Grundsätzlich ist jeder Mensch dazu berufen, heilig zu leben. Ein wenig Heiligkeit steckt in jedem, der sich für mehr Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Nächstenliebe einsetzt.
Allerseelen am 2. November
Aus dem weiten Verständnis von Heiligkeit, angelehnt an die biblischen Paulusbriefe, passt die Einführung des Festes Allerseelen. Von Abt Odilo von Cluny zunächst im Jahr 998 in den ihm unterstellten Klöstern eingeführt, dient der Allerseelentag heute in der gesamten katholischen Kirche der Fürbitte nach Vollendung der Verstorbenen bei Gott. Über viele Jahrhunderte haben sich die Gläubigen damit befasst, wie sie den Verstorbenen bei der endgültigen Erlösung helfen können. Vor allem durch „gute Werke“ an den armen Menschen im Diesseits wollte man den Seelen im Jenseits helfen.
Gräbersegnung
Es ist ein alter und guter Brauch, anlässlich von Allerseelen die Gräber der Verstorbenen aufzusuchen. Denn Christen wissen sich mit den Verstorbenen verbunden, von denen und für die sie hoffen, dass sie durch Christus erlöst sind und ihr Leben bei Gott führen. Diese Auferstehungshoffnung findet unter anderem in der Gräbersegnung ihren Ausdruck.
An Allerheiligen und Allerseelen für Verstorbene beten
Das Doppelfest Allerheiligen und Allerseelen soll die Christen an die Lehre vom Fegefeuer erinnern. Das Bild des Fegefeuers geht unter anderem auf das Konzil von Trient zurück. Dahinter steht der Gedanke, dass alle Menschen Fehler gemacht und Sünden begangen haben. Da von Gott beim Endgericht ein gerechtes Urteil über das Leben erwartet wird, dient das Fegefeuer als Zeit und Ort der Buße, bevor die Seele in den Himmel kommt. Das Fegefeuer ist also keineswegs mit der Hölle zu verwechseln. Christen gedenken der Toten, weil sie leben – nicht damit sie leben. Der Kirche als Erinnerungsgemeinschaft geht es darum, den einzelnen Menschen nicht einfach nur technisch zu „entsorgen“, sondern ihn würdig zu bestatten und im Gedächtnis zu behalten.
Kommerzialisiertes Brauchtum: „All-Hallows-Evening“ und Halloween
Für die irischen Einwanderer in den USA heißt der Vorabend von Allerheiligen „all-hallows-evening“– der „Vorabend des den Heiligen geweihten Tages“. Heute ist er besser bekannt als „Halloween“. Hintergründe für Halloween sind alte heidnische Bräuche zum Winterbeginn. Vielfältige Jahresendbräuche und Zeichen der Verbindung von Lebenden und Toten begleiteten früher den Vorabend von Allerheiligen. Aus den USA verbreitete sich ein neues Verständnis von „Halloween“ in den letzten Jahren auch verstärkt in Deutschland. In gruseligen Kostümen gehen vor allem Kinder von Haus zu Haus, sagen immer wieder „Süßes, sonst gibt’s Saures!“ und kommen mit Süßigkeiten nach Hause.