Seit fast 20 Jahren Tradition in guter Ökumene

Lange Nacht der Kirchen in Lingen

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eine Gruppe mit Banner
Nachweis

Foto: privat

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Herzlich willkommen – sagt das Vorbereitungsteam der langen Kirchennacht in Lingen. Am 29. August geht es um 19 Uhr los.

Chorgesang, Rockmusik, plattdeutsche Bibelgeschichten, Ausstellungen, Lichtspiele: Ein ganz buntes Programm wartet am 29. August auf die Gäste der langen Kirchennacht im emsländischen Lingen. Schon seit fast 20 Jahren gibt es dieses Format – in guter ökumenischer Zusammenarbeit.

„Es ist wirklich ein schönes Angebot“, sagt Dekanatsreferent Holger Berentzen, der das Programm mit einem zehnköpfigen Arbeitskreis organisiert hat. Schon zum neunten Mal laden die Lingener Kirchen zu ihrer langen Nacht ein, die alle zwei Jahre an fünf Standorten rund um den Marktplatz stattfindet. „Wir möchten den Menschen in der Stadt und Region etwas anbieten, das die Lebendigkeit von Kirche präsentiert – und das in ökumenischer Verbundenheit.“ Dass die Kirche für die Menschen da ist und die Konfessionen genau dafür gemeinsam eintreten, soll laut Berentzen an so einem Abend sichtbar werden. „Jede und jeder kann kommen, wir freuen uns.“

Ein wertschätzendes Miteinander

16 Kirchengemeinden aller in Lingen vertretenen Konfessionen machen bei dem Programm mit: katholisch, lutherisch, reformiert und zum ersten Mal die Baptisten. Auch die Stadtpastoral, das katholische Dekanatsjugendbüro, das evangelische Jugendbüro, das Emslandmuseum, das Forum Juden Christen sowie die Stadt Lingen mit dem Fachbereich Kultur beteiligen sich an dem Abend. Die Kooperation schildert Berentzen als ganz unkompliziert und über die Jahre als „selbstverständlich geworden, mit einem sehr wertschätzenden Miteinander“. 

ein Chor
Aufmerksame Zuhörer haben die Akteure bei der langen Nacht der Kirchen in Lingen, hier ein Foto aus dem Jahr 2024 mit dem Calvinchor in der Kreuzkirche. Foto: privat

Wo das Programm stattfindet? In der katholischen St.-Bonifatius-Kirche und im Emslandmuseum in der Burgstraße, in der lutherischen Kreuzkirche am Universitätsplatz, in der reformierten Kirche in der Kirchstraße sowie der Jüdischen Schule an der Synagogenstraße – und auf dem Marktplatz. Es gibt mehrere Chor- und Mitsingkonzerte, Orgel- und Harfenmusik, Meditationen und Bibellesungen, Ausstellungen und Kunstinstallationen. Jeder kann sich aus dem Programm aussuchen, was sie oder er mag oder vielleicht gerade braucht.

Musik für Herz und Seele

Für Berentzen gibt es mehrere Highlights. Gespannt ist der Dekanatsreferent zum Beispiel auf die Präsentation im Emslandmuseum. Die will die Vielfalt kirchlichen Bauens zeigen – und wie sich Glaube, Gesellschaft und Architektur im Emsland verändert haben. Auf dem Marktplatz möchte er sich die aus der Region stammende Rock- und Bluesband „Yaha“ anhören, die seit drei Jahrzehnten bekannt ist für ihre Spielfreude und am 29. August ihre nagelneue Single vorstellen wird. Musik anderer Art können die Gäste in der nahen Kreuzkirche lauschen: geistliche Lieder, irische Harfenklänge, für Herz und Seele.

Nachdenklich stimmen wird das Programm im Gedenkort Jüdische Schule: mit zwei Lesungen der niederländisch-deutschen Sängerin Ruth Frenk. Sie stammt aus Rotterdam, ihre Eltern haben das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt. In ihren Memoiren hat sich die 80-Jährige viel von der Seele geschrieben, was sie durch ihre Familiengeschichte geprägt hat – und hofft, damit „anderen den Mut zu geben, auch mit einem schwierigen Start ihre Mitte zu finden und von dort ihr Leben zu bewältigen“. 

Wasserimpulse zum Thema "Verändert bleiben"

Zum Nachdenken, glaubt Berentzen, wird gleichfalls die Licht- und Klanginstallation des emsländischen Künstlers und Musikers Ansgar Silies in der reformierten Kirche anregen – über ein ganz anderes Thema, den Zukunftsprozess im Bistum Osnabrück unter dem Leitmotiv „Verändert bleiben“. Silies wählt dafür das Element Wasser aus – das fließend, dampfend, tröpfelnd, tosend stets auch für Veränderung steht. Ansgar Silies will mit den akustischen und visuellen Phänomenen des Wassers spielen. Dafür wird der Innenraum der reformierten Kirche in farbiges Licht getaucht: mit meditativen Klängen und passenden Texten. 

Klänge, Töne und Texte wird es auch in der St.-Bonifatius-Kirche geben – ganz unterschiedlicher Art. Bei modernen geistlichen Liedern vom Projektchor „Pepper“ unter der Leitung von Julia Uhlenwinkel, Popkantorin im lutherischen Kirchenkreis Emsland-Bentheim, dürfen die Gäste gerne mitsingen. Der "Boni-Chor“ bringt danach ein Potpourri von „chilligem Chilcott, rockigem Rutter, melancholischem Mendelssohn, entzückendem Zuckowski und weiteren Schätzen der vokalen Kirchenmusik“ auf die Kirchenbühne. Wie tief Musik die Seele berühren kann, will kurz vor Ende des Abends der Theologe Günter Oberthür erklären: mit Beispielen aus Jazz und Filmen, von Chören und Singer-Songwritern. „Wenn die Welt anhebt zu singen, in der Natur, in menschlichen Begegnungen, in Aktivität und Ruhe – dann ist Glück!“, zitiert Berentzen aus dem Programm. Und will da ganz sicher mit in der Bank sitzen. 

Petra Diek-Münchow

Die lange Nacht der Kirche in Lingen beginnt am 29. August um 19 Uhr mit der Begrüßung und Musik auf dem Marktplatz. Bis zum Abschlusssegen um 23.30 Uhr ebenfalls auf dem Marktplatz gibt es in den drei Innenstadtkirchen St. Bonifatius, der reformierten Kirche und der Kreuzkirche sowie der jüdischen Schule und im Emslandmuseum ein vielfältiges Angebot mit Musik, Kunst und spirituellen Impulsen. 

Vor Beginn der Langen Nacht können Interessierte  an einer Drei-Kirchen-Führung mit Orgelklang teilnehmen (17 Uhr St. Bonifatius,  17. 30 Uhr Kreuzkirche und 18 Uhr reformierte Kirche). 

Alle Veranstaltungen sind  kostenlos. Ab Mitte August liegen Programmflyer in den Lingener Kirchen aus, das ganze Programm gibt es auch beim Dekanat Emsland-Süd unter Veranstaltungen:  https://www.dekanat-el-sued.de/