Weihnachtsserie Teil 3: Wie Musik zum Fest die Herzen berührt

Musik im Altersheim: So klingt Erinnerung

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Gemeinsamer Gesang: Bewohnerinnen des Elisabeth-Stifts in Berlin.
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Foto: Privat

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Gemeinsamer Gesang: Bewohnerinnen des Elisabeth-Stifts in Berlin.

Weihnachtslieder machen glücklich. Singen, spielen, hören – das berührt uns. Weil wir es seit unserer Kindheit mit schönen Gefühlen verbinden. Hier lesen Sie Geschichten von Menschen, für die Musik an Weihnachten besonders wichtig ist: im Pflegeheim oder in der Kirche, im Gefängnis, zu Hause oder auf See.

Weihnachten klingt festlich und vertraut für die Menschen im Elisabethstift in Berlin auf dem Prenzlauer Berg. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheims gibt es jedes Jahr am 26. Dezember ein Weihnachtsfest, das von der Gemeinschaft Sant’Egidio organisiert wird.

Dann sitzen sie an weiß gedeckten Kaffeetischen in einem mit Sternen und Lichtern geschmückten Saal. „Wir möchten Freude dort hineinbringen. Das Fest, an dem Jesus geboren ist, soll für niemanden ein Tag der Traurigkeit sein, sondern der Freude“, sagt Alexander Linke von Sant’Egidio. Dafür sei die Weihnachtsmusik wichtig. Es seien „die alten Volkslieder und vor allem die weihnachtlichen Volkslieder, die für die Leute dazugehören“, erzählt er. 

„Sie ist schon ziemlich dement. Aber sie fragt mich immer, auch im Sommer: Also, es ist doch jetzt bald wieder Weihnachten, oder?“

Liedhefter mit großer Schrift werden nach dem Kaffee auf den Tischen verteilt. Zur Gitarre singen die etwa 30 alten Menschen „O du fröhliche“ oder „O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter“. Manche brauchen keinen Text. Sie können auswendig, was sie schon als Kinder gesungen haben: „Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?“ 

Alexander Linke. Foto: Walter Plümpe
Alexander Linke. (Foto: Walter Plümpe)

„Das Entscheidende“, sagt Linke, „sind das familiäre Klima und der Wunsch, wie in einer Familie Weihnachten zu feiern.“ Damit die Vertrautheit entsteht, kommen er und die anderen Ehrenamtlichen von Sant’Egidio nicht nur zum Christfest. Einige der Jugendlichen sind alle zwei Wochen im Altenheim, um mit den Menschen zu spielen. Linke bleibt einmal im Monat nach dem Friedensgebet noch eine Weile zum Plaudern da.

Dabei erlebt er, wie wichtig einigen dieses Weihnachtsfest ist. Er erzählt von einer Frau, die Gisela heißt: „Sie ist schon ziemlich dement. Aber sie fragt mich immer, auch im Sommer: Also, es ist doch jetzt bald wieder Weihnachten, oder?“ 

Manche Leute, sagt Linke, freuten sich ganz lange darauf. Bei einigen sieht er die Einladungskarte vom vergangenen Jahr auch Monate später im Zimmer stehen. Als Erinnerung an das vergangene und Vorfreude auf das kommende Fest.

Barbara Dreiling