Mit Dank und Wehmut
Nordhorner Kirche feiert Jubiläum - trotzdem!
Foto: Petra Diek-Münchow
Drei von vielen Engagierten in Nordhorn: Peter Schaffrin (l.). Helga Hering und Martin Schaffrin vor St. Josef.
Martin Schaffrin steuert eine Nische in der Nordhorner St.-Josef-Kirche an. „Da steht unser Namenspatron“, sagt er und zeigt auf eine Holzstatue. „Er steht auch für unser Profil.“ Sein Bruder Peter und Helga Hering nicken bei diesen Worten – und erklären, was sie damit meinen. Der heilige Josef gilt als Schutzpatron der Arbeiter, der Handwerker, der Familien – und in diesem Sinne setzt sich die Gemeinde für soziale Gerechtigkeit und Menschen in besonderen Lebenssituationen ein. Wie Geflüchtete, Trauernde, Alleinstehende. Schon seit der Kirchweihe vor 75 Jahren gilt dieses Bemühen, sich um andere zu kümmern. Aber wenn die Schaffrins und Helga Hering davon berichten, schleicht sich auch Wehmut in ihre Stimmen: Denn den Standort St. Josef wird es voraussichtlich bis 2030/31 nicht mehr geben, die Kirche wird geschlossen.
"Wir müssen den Realitäten ins Auge sehen"
Martin und Peter Schaffrin sowie Helga Hering, die sich alle seit Jahren auf verschiedenen Feldern in der Gemeinde engagieren, sind natürlich traurig darüber – können die Enttäuschung und den Schmerz vieler Gemeindemitglieder gut verstehen. Aber sie stehen hinter dem Beschluss von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand. „Wir müssen den Realitäten ins Auge sehen, die Zahlen lügen nicht“, sagt Martin Schaffrin. Er zeigt auf Infotafeln in der Kirche. Darauf steht, was auf St. Josef als Teil der Stadtpfarrei St. Augustinus in den nächsten Jahren zukommt: weniger Geld, weniger Hauptamtliche, weniger Gottesdienstbesucher. „Wir können uns auf Dauer nicht mehr alle fünf Kirchen in Nordhorn leisten – noch brauchen wir sie wahrscheinlich“, sagt Hering. Der Beschluss betrifft mit St. Marien auch noch eine weitere Kirche. Wichtig ist dabei allen, diese Entwicklung stets transparent zu machen.
„Wir feiern unsere Dankbarkeit“
Und nun steht das Weihejubiläum des Gotteshauses an. Martin und Peter Schaffrin verhehlen nicht, dass manche sich durchaus gefragt haben, „ob wir das überhaupt noch feiern sollen“. Aber da gab es rasch die Auffassung: Natürlich! „Wir wollten das nicht einfach unter den Teppich kehren“, sagt Martin Schaffrin. „Es ist uns wichtig zu zeigen: Wir feiern hier unsere Dankbarkeit.“ Für die Nordhorner im Stadtteil Bookholt, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg für eine eigene Kirche stark gemacht haben: vor allem Geflüchtete und Vertriebene, viele Arbeiter in der damals noch großen Textilindustrie. „Da haben viele mitgeholfen und mit angepackt, auch dafür gesammelt“, weiß Helga Hering. Am 18. November 1951 freute sich die Gemeinde über die Weihe ihres neuen Gotteshauses durch Bischof Wilhelm Berning.
Die drei verstehen die Feierlichkeiten zugleich als Zeugnis für 75 Jahre gelebten Glauben in Gemeinschaft. Das soll sich in den Jubiläumstagen widerspiegeln: durch Gottesdienste und Begegnungen, durch Ausstellungen und Musik, durch einen Vortrag von Pfarrer Peter Kossen, der immer wieder unwürdige Bedingungen in der Arbeitswelt anprangert. Das Thema des Abends heißt „Warum Kirche politisch sein muss“ – und passt damit genau in das Profil von St. Josef.
Und was passiert damit, wenn St. Josef geschlossen wird? Noch ist völlig offen, was mit der Kirche und dem Gemeindehaus geschieht. Eine Arbeitsgruppe sondiert, wie die Gebäude in Zukunft genutzt werden könnten. Helga Hering ist wichtig, dass die soziale Stärke der Gemeinde nicht wegbricht, sondern in der Stadtpfarrei präsent bleibt. „Unser Potenzial wollen wir erhalten“, sagt sie. Vielleicht durch Kooperationen mit anderen Konfessionen, vielleicht im Zusammenspiel mit anderen Trägern und Partnern. „Da suchen wir Möglichkeiten.“
Die St.‑Josef-Gemeinde in Nordhorn startet mit den Festtagen zum 75. Weihejubiläum am 14. November. Bis zum 10. Dezember gibt es unter anderem Gottesdienste, Ehemaligentreffen, Aktionen, Orgelkonzerte und einen Festvortrag.
Alle Informationen: https://www.katholisch-in-nordhorn.de/aktuelles