Von Werpeloh nach Sögel
Pilgern gegen Einsamkeit
Foto: Pilgerweg/Markus Freese, Emslandpixel
Rund 260 Menschen pilgerten am Karfreitag auf dem Hümmlinger Pilgerweg.
Vereinvorsitzende Cathrin Terhorst begrüßte die Pilgerinnen und Pilger und erklärte die inhaltliche Ausrichtung. „Karfreitag ist ein stiller Tag. Ein Tag, der nichts beschönigt. Ein Tag, der aushält, was schwer ist“, sagte sie. Gerade deshalb sei dieser Tag geeignet, auf Erfahrungen von Einsamkeit zu schauen, denen im Alltag oft ausgewichen werde.
An mehreren Stationen wurden die Teilnehmer eingeladen, innezuhalten und nach innen zu hören. Dabei ging es nicht um schnelle Antworten, sondern um Raum für Stille, persönliche Gedanken und das, was jede und jeder mitgebracht hatte. Ein Teil des Weges wurde bewusst schweigend gegangen.
Die Impulse entlang der Strecke griffen Einsamkeit nicht nur als persönliches Gefühl auf, sondern auch als Erfahrung von Verlust, Verantwortung, Erinnerung und gesellschaftlichem Ausgeschlossensein. Am Ende stand an der Markuskirche und später am Marstall das Bild vom Licht, das im Dunkel sichtbar wird und in Gemeinschaft Kraft entfaltet.
Knicklichter als leuchtendes Kreuz
Zum Abschluss erhielten die Teilnehmer Knicklichter, die sie auf dem letzten Wegabschnitt in der Hand trugen. Am Marstall wurden diese Knicklichter an ein großes Holzkreuz gehängt, das so in vielen Farben zu leuchten begann – als Zeichen dafür, dass Einsamkeit nicht das letzte Wort haben muss.
Cathrin Terhorst machte deutlich, was dieses Bild für den Verein bedeutet: Viele kleine Lichter könnten das Dunkel nicht einfach vertreiben, aber den Raum sichtbar verändern. „Ein Weg entsteht nicht nur durch Planung, sondern durch die Menschen, die ihn gehen“, sagte sie mit Blick auf alle, die an diesem Abend dabei waren.
Beim Ausklang am Marstall Clemenswerth wurde die Botschaft des Abends noch einmal deutlich: Auch wenn der Weg manchmal dunkel ist, muss ihn niemand allein gehen. Zum Abschied gab Cathrin Terhorst allen diesen Wunsch mit: „Kommt gut nach Hause und behaltet etwas von diesem Licht.“
Frank Rickermann