Vermögens- und Immobilienreform
Schachzug, um finanziellen Spielraum zu schaffen
Foto: Matthias Schatz
Heilig Kreuz steht im Ortszentum Volksdorfs.
Es gibt Dinge, die sind ganz anders als sie auf den ersten Blick scheinen. So etwa der jüngste Beschluss des Kirchenvorstandes der Pfarrei Seliger Johannes Prassek. Fünf Kirchen zählen zu der Pfarrei im wohlhabenden Hamburger Nordosten. Sie wurden im Vermögens- und Immobilienkonzept der Pfarrei sämtlich als Primärstandorte ausgewiesen, deren „Bauunterhalt“ – der von den Heizkosten bis zur Wegreinigung reicht – demnach aus Kirchensteuermitteln mitfinanziert werden soll. Nun aber beschloss der Kirchenvorstand, drei von ihnen vom 1. Januar an als Sekundärstandorte auszuweisen: St. Wilhelm in Bramfeld, Mariä Himmelfahrt in Rahlstedt und Heilig Kreuz in Volksdorf. Für deren „Bauunterhalt“ dürfen demnach keine Kirchensteuermittel mehr verwendet werden. Der Beschluss des Kirchenvorstands lag dem Erzbistum bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Dort werden die Entscheidungen kirchenaufsichtlich genehmigt. Heilig Geist in Farmsen, wo es auch eine katholische Grundschule sowie ein Malteserstift gibt, wird definitiv als Primärimmobilie ausgewiesen. Für St. Bernard in Poppenbüttel gilt dies vorerst bis 2030 für die Kirche und das Gemeindehaus.
Könnte dieser Beschluss das kurzfristige Ende der Sekundärimmobilien bedeuten? Die Frage stellten sich viele Mitglieder der betroffenen Gemeinden. Kurzfristig wurde deshalb in Heilig Kreuz ein Informationsabend veranstaltet. Dort erläuterte der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Uwe Marheinecke, die Entscheidung und stellte sich den Fragen. Der Andrang war groß, in den Versammlungsraum mussten fortwährend weitere Stühle getragen werden, damit alle einen Sitzplatz hatten.
Wichtigstes Ergebnis: Der Beschluss ist gewissermaßen ein Schachzug, der der Pfarrei deutlich mehr finanziellen Spielraum geben soll. Den will sie dann laut Marheinecke dazu einsetzen, alle fünf Kirchenstandorte zu erhalten. Die Entscheidung ist eine – unerwartet schnelle – Antwort auf die Entscheidung des Erzbischofs vom November 2024, das Immobilienkonzept der Pfarrei nur unter Auflagen zu genehmigen. Darin verpflichtete Stefan Heße die Pfarrei, die Einteilung in Primär- und Sekundärimmobilien bis 2030 anzupassen. Besonderheit: Bis dahin sollen jährlich 42 Prozent der Kirchensteuermittel für die Primärimmobilien als Rücklage auf ein Sperrkonto fließen, um dann für bauliche Maßnahmen verwendet werden zu können. Eine Summe von rund 250 000 Euro, wie Marheinecke darlegte. Wenn nun nur noch zwei Kirchen als Primärimmobilien ausgewiesen würden, reduziere sich dieser Betrag auf rund 80 000 Euro. Es bleibe also deutlich mehr verfügbares Geld in der Pfarreikasse. Insgesamt belaufe sich der Etat der Pfarrei auf rund eine Million Euro, 600 000 davon kommen aus Steuermitteln.
Rücklage von 150 000 Euro für jeden Sekundärstandort
Jede Gemeinde solle mit einer Rücklage von 150 000 Euro ausgestattet werden, so Marheinecke weiter. Über das Geld könnten die Gemeinden nicht direkt über ein eigenes Konto verfügen, vielmehr richte die Pfarrei für jede Gemeinde eine eigene Kostenstelle zur Verrechnung ein. „So eröffnen wir die Chance, alle fünf Standorte zu erhalten“, sagte Marheinecke. Er betonte aber, zugleich müssten die Gemeinden in den nächsten vier Jahren dafür sorgen, weitere Mittel für ihren Erhalt zu generieren. „Es ist ein gangbarer, aber nicht gesicherter Weg.“ Notwendig seien zusätzliche Finanzierungsquellen durch einen Förderverein oder eine Stiftung. Marheinecke wies in diesem Zusammenhang auf den Gemeindeverein von St. Wilhelm hin, durch den seit 23 Jahren die Hälfte aller Aufwendungen der Gemeinde getragen würden.
Die Ausgangslagen sind in allen Gemeinden verschieden. Mariä Himmelfahrt hat zwar keinen Gemeindeverein wie Bramfeld, verfüge aber über eine Wohnanlage, die nennenswerte Mieteinnahmen generiere, wie Marheinecke weiter der Neuen Kirchenzeitung sagte. Auch Heilig Kreuz erzielt signifikante Einnahmen, insbesondere durch die Kita, die anteilig Heizkosten und ähnliche Ausgaben mitträgt, sowie Spenden und und Mieteinnahmen. In der Planung für 2026 geht der Vorsitzende des Finanzausschusses, Jochen Lambers, davon aus, dass der Standort sogar einen Überschuss von rund 32 000 Euro ausweisen wird.
Das würde aber wahrscheinlich nicht reichen, um die besonderen Probleme von Heilig Kreuz zu bewältigen. Insbesondere die Kirche muss dringend saniert werden: Der Beton bröckelt und das Dach, das erst vor einigen Jahren erneuert wurde, ist immer noch undicht. Es ist ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, um die Sanierungskosten zu ermitteln. „Anfang kommenden Jahres wissen wir dann, woran wir sind“, so Marheinecke. Da der von Walter Bunsmann entworfene Bau unter Denkmalschutz steht, könnten auch Mittel vom Denkmalschutzamt und der Stiftung Denkmalschutz fließen. Dies bedeutet aber möglicherweise auch Auflagen für die Sanierung.
Für den baulichen Erhalt macht sich seit kurzem ein Förderverein unter Vorsitz von Bernd Steinmetz stark. Über diese und andere sachgebundene Spenden für den Standort kann die Gemeinde auch direkt verfügen – ein Punkt, den Marheinecke und Lambers auf drängende Nachfragen hin klarstellten. Vor ähnlichen, aber bei weitem nicht so gravierenden baulichen Problemen stehen auch die Standorte in Bramfeld, Rahlstedt und Poppenbüttel. Dort sind es vor allem die Dächer der Gemeindehäuser, die ausgebessert oder gedämmt werden müssen. Dies spart auf der anderen Seite Heizkosten.
„Überhaupt müssen die Gemeinden auch sehen, wo sie solche und andere Betriebskosten senken können. Eine Kirche muss nicht stets auf 20 Grad Celsius geheizt werden“, so Marheinecke weiter gegenüber der Kirchenzeitung. „Das nächste Jahr wird zeigen, ob das Modell funktioniert, die Gemeinden neue Ideen haben und ihr Ausgabeverhalten anpassen.“