Könige in Hagen a.T.W.
Sternsingeraktion eröffnet
Foto: Matthias Petersen
Mittendrin: Mädchen und Jungen aus mehreren Gemeinden des Bistums Osnabrück waren bei der Aussendungsfeier in Hagen vertreten.
Ein Esslöffel Duschgel, zwei Esslöffel Speisestärke, ein paar Tropfen Öl – mehr braucht es nicht, um beim Seifen-Workshop seine eigene Seifenkugel anzurühren. Mit ein bisschen Farbe wird die Knetseife dann auch leuchtend bunt. „Die Konsistenz muss sich wie Keksteig anfühlen“, sagt eine Ehrenamtliche und hilft beim Verrühren. Momente wie diese erlebten mehr als 110 Königinnen und Könige in Hagen am Teutoburger Wald. Bei der diözesanweiten Sternsingerfeier konnten die Kinder und Jugendlichen in Workshops kreativ sein und sich austoben, nicht zuletzt beim Dekorieren von Kerzengläsern, dem Arbeiten mit Schrumpffolie – oder beim Parkour. Die Workshops haben einen ernsten Hintergrund: Während die Kinder in Hagen a.T.W. Spaß haben und spielen, haben es nicht alle Kinder so gut. Die Sternsinger sammeln in diesem Jahr unter dem Motto „Schule statt Fabrik“ Geld für Organisationen, die Kinderarbeit bekämpfen wollen. Bangladesch ist das Beispielland, wo Millionen Kinder arbeiten müssen, statt zur Schule gehen zu können.
Die Workshops machen spielerisch erlebbar, was Kinderarbeit bedeutet. Beim Parkour in der Sporthalle absolvieren die Kinder zwei Runden: erst mit einem schweren Medizinball unter den Armen, dann ohne. So spüren sie am eigenen Körper, wie belastend schweres Tragen ist. Beim Seife-Workshop geht es um gefährliche Chemikalien, mit denen Kinder in Fabriken arbeiten müssen. Das Herstellen von Seife oder das Schleppen schwerer Lasten – das sind n
ur zwei Beispiele dafür, was mehr als 160 Millionen Kinder weltweit erleiden müssen.
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Diözesanverband Osnabrück (BDKJ) richtet die Veranstaltung aus, in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden St. Martinus und Mariä Himmelfahrt in Hagen. Greta Niehoff, Bildungsreferentin des BDKJ, lobt die Kooperation mit St. Martinus in diesem Jahr als „super toll“ und sagt, dass die Gemeinde sehr eigenständig gearbeitet hat. Über 50 Ehrenamtliche planten und organisierten den Tag, gaben Workshops, sorgten als Ordner für die Sicherheit und standen bei Fragen bereit.
Als Ordner sorgen die Zwillingsschwestern Mathilde und Paulina Bruns bei der Eröffnungsfeier für Sicherheit – vor allem beim Überqueren von Straßen. Das ehrenamtliche Engagement ist für die beiden Messdienerinnen nichts Neues: Seit sieben Jahren ziehen sie als Sternsingerinnen selbst durch die Straßen.
Obwohl alle Gemeinden im Bistum Osnabrück eingeladen wurden, kamen die meisten Teilnehmer aus der Region: fast alle aus Hagen und Gellenbeck, die weiteste Strecke legte eine Eltern-Fahrgemeinschaft aus Ostfriesland zurück. Felix Weghorst vom BDKJ überrascht das nicht: „Zwischen den Jahren ist es schwierig, die Menschen zu mobilisieren“. Die kleinere Gruppe hat aber auch ihre Vorteile: „Es ist angenehmer, nicht so wuselig“
Ina Vermue aus Weener im Dekanat Ostfriesland ist mit dem vollen Kirchenbulli angereist. Sie und acht weitere Eltern mit ihren Kindern haben den weiten Weg angetreten, weil die Eröffnungsfeier „ein toller Anlass ist, dabei zu sein“. Sie ist das lange Fahren gewohnt. Zur Sitzung des Pfarrgemeinderats braucht sie auch schon eine Stunde. Bei der jährlichen Eröffnungsfeier sind ihre Kinder immer dabei. Sie hat sich in diesem Jahr Urlaub für die Veranstaltung genommen, um auch dabei zu sein. Vor 20 Jahren hat sie selbst einen Workshop gegeben: Bananenbrot backen. Die Erinnerung ist noch lebendig: Bischof Bode hatte der damals 18-Jährigen noch ein gutes Abitur gewünscht.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Wortgottesfeier, in der Weihbischof Johannes Wübbe die Sternsinger segnete und sie auf ihren Einsatz vorbereitete. Ab dem 4. Januar ziehen die Kinder und Jugendlichen dann durch die Gemeinden im Bistum und bringen den Segen in die Häuser. Ausgestattet sind sie mit Spendendose, Stern und dem Auftrag, anderen Kindern weltweit eine bessere Zukunft zu ermöglichen.