Tipps und Fakten

Stress, lass nach!

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Mann auf einem Berggipfel
Nachweis

Foto: Ian Stauffer/Unsplash.com

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Frieden finden in der Stille. Regelmäßige Auszeiten im Alltag senken den Stresspegel.

Zu viel Arbeit, Konflikte, Sorgen, Mehrfachbelastungen – selbst der Urlaub, der manchmal mit einem „Glückszwang“ verbunden ist. All das kann uns ähnlich stressen wie der Säbelzahntiger einst unsere Vorfahren. Ein paar (Stress-)Fakten – und Tipps, wie Sie entschleunigen können.

Stress ist eigentlich nichts Negatives. Er schützt unseren Körper, wenn wir bedroht werden oder stark belastet sind. Dann gibt Stress uns kurzfristig einen wichtigen Energiekick und versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Ausgeschüttete Hormone versorgen Gehirn und Muskeln besser mit Sauerstoff, die Muskeln spannen sich an, die Atmung beschleunigt, das Herz schlägt schneller. Durch die damit freigesetzte Energie werden wir sofort leistungs- und handlungsfähiger und könnten zum Beispiel schneller vor einer Gefahr fliehen. Heute ist Stress für viele längst zum Alltag geworden. 

 

Stressfaktoren

Wer überfordert ist, unter der Last der Verantwortung leidet, unklare Aufgaben hat oder um den Job bangt, bei dem steigt der Stresspegel. Weitere Faktoren: Zeit- und Leistungsdruck, Konflikte, fehlende Anerkennung oder mangelnder Handlungsspielraum. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (2021) hat die größten Stressfaktoren in Deutschland ermittelt. Rund 55 Prozent der befragten Frauen gab an, dass ihre hohen Ansprüche an sich selbst hauptsächlich dazu führen, dass sie sich gestresst fühlen. Bei den Männern waren es 36 Prozent. Stressfaktoren sind auch eine schwere Krankheit eines Angehörigen (35 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer) sowie Konflikte mit nahestehenden Menschen (33 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer).

Auszeit im Büro

Wer an mehreren Aufgaben gleichzeitig arbeitet oder ständig erreichbar ist, kann nicht mehr gut abschalten. Unterbrechungen sind zeitraubend und nervtötend. Arbeitsmediziner empfehlen beispielsweise, sich eine Stunde am Tag eine Auszeit von Mails, Telefon- und Bürogesprächen zu nehmen. Wer das tut, arbeitet produktiver und mit besseren Ergebnissen. Außerdem gilt: Feierabend machen. Arbeit und Freizeit verschwimmen, wenn man in der Freizeit mit dem Diensthandy telefoniert und auch zu Hause berufliche Mails checkt. Wer das ständig tut, erholt sich immer schlechter und kann den Energiespeicher für die Arbeit kaum noch auffüllen. 

Stress verhindert Mitgefühl

Stress setzt im Gehirn eine Reaktionskette in Gang. Im Körper werden Hormone wie Cortisol freigesetzt. Das schränkt die Erinnerungsfähigkeit ein, was wir aus Prüfungssituationen kennen. Außerdem sind wir dadurch nicht mehr in der Lage, Mitgefühl für andere Menschen zu empfinden. 

Meditation entspannt 

Meditation gibt es in vielen Religionen, vom Buddhismus bis zum Christentum. Immer geht es darum, durch bestimmte Methoden vertieft nachzudenken und über eine tiefere Wahrheit nachzusinnen. Im Mittelalter kamen auch im Christentum geistliche Übungen zur Sammlung des Geistes in der Stille auf, neben der Meditation vor allem die Lesung und das Gebet. Meditationstechniken tragen neben der spirituellen Bedeutung auch zur Entspannung bei. Sie lenken die Gedanken weg vom Alltag und machen frei von festgefahrenen Denkmustern.

Urlaub vorbereiten 

Wer seine berufliche Abwesenheit durch eine erhöhte Schlagzahl vorbereitet und nach seiner Rückkehr Liegengebliebenes aufarbeiten muss, hat aufgrund des Urlaubs zusätzlichen Stress. Tipp: Zeitfenster vorher blockieren, um Dinge abzuarbeiten. Und: das E-Mail-Postfach geschickt durch Abwesenheitsnotizen managen. Wer eine Vertretung angibt oder Absender bittet, ihre Anliegen nach der Rückkehr erneut zuzusenden, sofern sie sich nicht erledigt haben, muss sich nach dem Urlaub nicht durch einen Wust von Mails quälen. Die Erreichbarkeit sollte im Urlaub auf jeden Fall gekappt sein, sonst ist beim ersten beruflichen Anruf die Erholung schnell dahin. 

Stress im Urlaub 

Die schönsten Tage im Jahr sind nicht immer stressfrei. Freizeitforscher sprechen von einem „Glückszwang“, den Urlaub auslöse und der oft zu Konflikten in Familie oder Partnerschaft führe. Die Erwartungen sind hoch, die Wirklichkeit bleibt oft dahinter zurück. Umfragen zufolge bereuen es zehn Prozent, mit ihrem Partner in Urlaub gefahren zu sein. 40 bis 50 Prozent der Urlauber zeigten sich auf dem Rückflug enttäuscht, ein paar Wochen später sind es nur noch 15 Prozent. Fazit: Mit etwas Abstand war der Urlaub doch ganz schön, weil ja alle von den „schönsten Tagen im Jahr“ sprechen. Da will niemand zurückstehen.

Positiver Stress 

Hirnforscher behaupten, der Mensch würde sich ohne Stress gar nicht weiterentwickeln. Belastungen würden stärken und das Immunsystem trainieren. Nur wer Krisen meistere, entwickle Vertrauen in seine Fähigkeiten. Kurz: Wer keinen Stress erlebt, hält nichts aus. In Maßen erhält Stress gesund, weil der Körper seine Schutzfunktionen trainiert.

Stress-Essen 

Mancher, der Stress hat, futtert ihn buchstäblich in sich hinein. In positiven Situationen verringern Stressesser umgekehrt ihre Kalorienzufuhr. Es gibt auch Menschen, die bei Stress kaum essen, aber in positiven Situationen beim Essen zuschlagen. Stress-Essen macht nicht unbedingt dick, ist aber nicht gesund. 

Um Ruhe beten

Im „Gebet von Baltimore“ (1927) heißt es: „Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hektik. Denke daran: Frieden findest du in der Stille. Pflege gute Beziehungen zu deinen Mitmenschen, versuche mit ihnen auszukommen, soweit es dir möglich ist, ohne dich selbst aufzugeben.“ 

Stressempfinden 

Zettel auf Computertastatur
Eine kleine Auszeit von Mails, Telefon- und Bürogesprächen tut gut. Foto: Anja Sabel

Wo die eine gelassen bleibt, hat der andere Schweißperlen auf der Stirn. Denn was ein Mensch als Stress empfindet, hängt von seinen persönlichen Erfahrungen ab, sagen Hirnforscher. Wer erlebt hat, dass er eine Situation in den Griff bekommt und Probleme überwinden kann, empfindet seltener Stress. Unbekannte Situationen können hingegen Stress auslösen: Etwas macht keinen Sinn, ich fühle mich überfordert, ich habe Stress. 

Luxusgut Ferienreise 

Jedem vierten Haushalt in Deutschland fehlt das Geld für einen Urlaub, der wenigstens eine Woche im Jahr dauert. Bei Alleinerziehenden können sich über 43 Prozent keine Erholungsreise leisten, bei Familien mit drei und mehr Kindern sind es rund 31 Prozent. Andererseits gaben die Deutschen 2024 insgesamt 83,4 Milliarden Euro für Urlaub aus. 

Kostbarer Urlaub 

Die schönste Zeit im Jahr ist kostbar. 20 gesetzliche Urlaubstage stehen Arbeitnehmern in Deutschland bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens zu, faktisch sind meist zwischen 26 und 30 Tage vereinbart. Malta liegt mit 28 Tagen gesetzlichem Anspruch an der Spitze. Schlecht sieht es in Asien aus: Japaner haben gerade zehn Urlaubstage, Chinesen nur fünf. In den USA gibt es gar keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch. 

Anti-Stress-Tipp aus dem Kloster 

„Pass auf dich auf! Entziehe dich von Zeit zu Zeit den Aufgaben des Tages. Mach Pause; unterbrich die Arbeit für einen Augenblick, eine Stunde, einen Tag oder auch einige Wochen.“ Bernhard von Clairvaux (1091-1153), bedeutender Abt des Zisterzienserordens

Stressmanagement in der Bibel 

Stress gibt es, seitdem es Menschen gibt. Auch für Adam und Eva war die Vertreibung aus dem Paradies sicherlich Stress. Aber der Begriff Stress taucht in der Bibel nicht auf, er ist erst im 20. Jahrhundert definiert worden. Dennoch beinhaltet die Bibel mehr oder weniger alle Stressmanagement-Tipps des 21. Jahrhunderts. Beispiel: Ein Tipp im Stressmanagement ist, die eigenen Stressoren zu identifizieren. So steht es nicht explizit in der Bibel, aber in Matthäus 7,3 heißt es etwa: „Warum sieht du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkt du nicht?“

Stress-Tipps für den Alltag

Tempo reduzieren
Oft wird Stress schon weniger, wenn wir unseren Alltag etwas anders organisieren. Wochen- und Tagespläne helfen beim Strukturieren. Sie müssen auch nicht alles allein schaffen. Versuchen Sie auch, häufiger mal Nein zu sagen und es nicht immer allen recht machen zu wollen.
Prioritäten setzen
Ob im Job oder privat: Erledigen Sie die wichtigsten Dinge zuerst und bearbeiten Sie nur eine Aufgabe zur gleichen Zeit. Multitasking stresst viele Menschen!
Regelmäßig Sport treiben
Sport gilt als Stresskiller, baut Stresshormone ab, fördert die Produktion von Glückshormonen und hilft Ihnen beim Abschalten.
Ausreichend schlafen
Schlaf ist wichtig für die Regeneration. Sieben bis acht Stunden pro Nacht sind ideal. Schalten Sie spätestens 30 Minuten vor dem Schlafengehen alle technischen Geräte ab, das erleichtert das Einschlafen. 
Früher aufstehen
Stellen Sie sich den Wecker 30 Minuten früher als Sie eigentlich müssten. So starten Sie entspannt in den Tag und können die gewonnene Zeit für einen Kaffee, eine Runde Yoga oder etwas anderes nutzen, das Ihnen guttut.
Kontakte pflegen
Ein gutes Gespräch bringt Sie auf andere Gedanken, und Sorgen mit anderen zu teilen entlastet enorm. Nehmen Sie sich auch in stressigen Phasen Zeit für Freunde und Familie.

(asa/mit Material aus der "Bremer Kirchenzeitung")