Kircheneintritte
„Trendumkehr beim Blick auf die Kirche“
Foto: Jan-Erik Teschke/EBHH
Pater Christian Modemann bei der Erwachsenentaufe im Kleinen Michel in Hamburg.
„Das hätte ich mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können“, staunt Christian Modemann. Der Jesuitenpater und Leiter der Katholischen Glaubensinformation (KGI) in Hamburg bezieht sich damit auf Videos auf der Plattform Tiktok, in denen junge Menschen von ihm Übertritt zur katholischen Kirche berichten. Überhaupt stellt Modemann eine „Trendwende“ fest: „In den sozialen Medien und den Peer-Groups junger Menschen gibt es eine positive Resonanz im Blick auf das Christentum allgemein und mit Blick auf den Katholizismus im Besonderen.“ So seien es denn auch auffallend viele junge Menschen, die in den vergangenen Jahren in die katholische Kirche eingetreten seien.
Das hat mit für eine Wende bei den Erwachsenentaufen und Konversionen gesorgt. Die Taufen sind in Hamburg 2025 gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte gestiegen, nämlich auf 82, die Konversionen um 40 Prozent auf 63. Allein die KGI verzeichnet von Januar bis Mai 2026 bereits so viele Taufen wie im gesamten Jahr 2025, und zwar zwölf. Das zeigt auch: Der Anstieg erfolgt von einem sehr niedrigen Niveau aus und viele Menschen werden in den Pfarreien getauft, die ebenfalls die dafür notwendigen Glaubenskurse anbieten – so beispielsweise die Pfarrei Seliger Johannes Prassek. Insbesondere junge Menschen werden durch Projekte wie Jugend 2000 in der Barmbeker Gemeinde St. Sophien angesprochen. Überdies bietet auch die englischsprachige Gemeinde Glaubenskurse an. Etwa die Hälfte der Kursteilnehmer sind Katechumenen, die sich taufen und firmen lassen wollen, die andere Hälfte seien Konvertiten, die schon getauft seien.
Bedürfnis nach Zugehörigkeit
„Die Generation Z hat ein anderes Bedürfnis nach Zugehörigkeit“, stellt Pater Modemann fest. Die katholische Kirche adressiere es auch stärker als etwa noch in den 1970er Jahren. „Es geht den Menschen darum, etwas innerlich mittragen zu können, um Gruppen, in denen sie ihren Glauben teilen können. Es geht mehr um das gemeinsame Einstehen für Werte als um soziale Kontakte." Dieses Bedürfnis teilten auch ältere Kursteilnehmer. Alle eine auch der Wunsch nach Orientierung angesichts der Entwicklungen in dieser Welt – Krieg, Klima, Konflikte, Polarisierungen.
Der Übertritt soll wohl überlegt sein. „Es ist eine Lebensentscheidung, Taufe und Firmung kann man nicht rückgängig machen“, so Modemann. So umfassten die Glaubenskurse mindestens zehn Treffen und dauerten bis zu einem Jahr. „Manche empfinden das als hohe Hürde. Aber viele, die den Kurs absolvieren, sagen: ‘Das war eigentlich zu kurz.’“
Auf die Kurse weist Modemann bereits in einem ersten vorbereitenden Gespräch hin, das auch der Klärung der Motivation und der Perspektiven dient. „Ich rate, auch einen Gottesdienst zu besuchen, sich nach Gruppen und Veranstaltungen in den Gemeinden umzuschauen, damit man schon ein bisschen heimisch werden kann.“ Dabei weise er gern auf die englischsprachige Messe hin, die in der Harvestehuder Gemeinde St. Elisabeth gefeiert werde. „Da kommen Menschen aus der ganzen Welt, die der Glaube verbindet.“
„Die Kursteilnehmer kommen alle, weil sie etwas besonderes erlebt haben“, berichtet Modemann weiter. Dies könne ein Erlebnis im Gebet, eine Begegnung mit einem anderen Christen sein. „Zum größten Teil sind es aber Menschen, die der Liebe wegen kommen, also deren Partner oder Partnerin katholisch ist.“ Aber es gebe auch negative Erfahrungen wie Arbeitslosigkeit, der Tod eines nahestehenden Menschen, eine Krankheit. „Es sind Lebenserfahrungen, bei denen sie die Deutung, Gott sei an ihrer Seite gewesen, nicht mehr einfach zur Seite schieben können.“