Interview: Wie im Europa-Park Rust der Glaube lebt

„Vergesst mir den Herrgott nicht!“

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Ein Mann steht neben einem Pferd aus Plastik, im Hintergrund Lichterketten
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Foto: Europa Park

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Für Jürgen Mack gehört Gott mitten ins Leben. Und deshalb auch in seinem Freizeitpark.

Für Gäste des Europa-Parks mag es merkwürdig sein, dass es dort so viel Kirchliches gibt. Für die Besitzer, die Familie Mack, war es von Anfang an selbstverständlich, sagt Jürgen Mack.

Das älteste Gebäude des Europa-Parks ist eine Kirche. Wie kam es dazu?

Das hat damit zu tun, dass ein Teil des Geländes dem Adelsgeschlecht Böcklin von Böcklinsau gehörte. Im Schlosspark errichtete die Familie eine Kapelle, die auch Grabstätte ist und erhalten bleiben sollte. Sie ist heute im Besitz des Erzbistums Freiburg.

War das nicht merkwürdig, den Park um eine Kapelle herum zu bauen?

Auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen, und am Anfang war die Kapelle auch eingezäunt, sodass Besucher sie nicht betreten konnten. Aber irgendwann dachten wir: Das ist ja schade. Vielleicht würden unsere Gäste gerne hineingehen, ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden. Wir haben dann mit dem Erzbistum gesprochen und jetzt ist die Böcklinskapelle schon lange offen und wurde in der Vergangenheit für viele Gottesdienste genutzt. Auch unsere Kinder sind dort getauft worden.

Als Sie im Park den Bereich Skandinavien gebaut haben, haben Sie auch die Stabkirche hineingesetzt. Warum?

Der Europa-Park ist nach Ländern gegliedert und wenn wir neue Bereiche planen, achten wir darauf, was für die Länder typisch ist: in der Kultur, in der Architektur. Kirchen sind ein wichtiger Teil davon. Deshalb haben wir auch kirchliche Elemente im Bereich Kroatien oder Italien. Oder in den Hotels, die zum Park gehören. Oder die norwegische Stabkirche. Für uns gehört das ganz selbstverständlich dazu.

Warum ist das so?

Unsere Familie ist christlich geprägt, wir stehen für christliche Werte. Das war immer schon so, ganz besonders bei meiner Mutter. Ich erinnere mich, was sie oft sagte, wenn wir uns über geschäftliche Dinge unterhalten haben: „Vergesst mir bei alldem den Herrgott nicht!“

Woran erkennt man das, dass Sie den Herrgott nicht vergessen?

Zum Beispiel daran, dass zum Mitarbeiter-Kickoff für die neue Saison auch ein geistlicher Impuls gehört. Oder daran, dass wir jetzt gerade unser Jubiläum „50 Jahre Europa-Park“ mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger und Landesbischöfin Heike Springhart gefeiert haben. Auch daran, dass wir neue Attraktionen immer segnen lassen. Wir betreiben ja nicht nur Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte, wir stellen sie mit unserem Stammhaus MACK Rides auch für den weltweiten Markt her. Uns ist wichtig, um Gottes Segen zu bitten.

Finden die Gäste des Parks diese Kirchlichkeit nicht seltsam?

Ganz im Gegenteil bekamen wir immer mehr Anfragen von Menschen, die bei uns heiraten oder ihre Kinder taufen wollten. Zu Beginn wurden von uns nur die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, aber vor gut 20 Jahren haben wir gemeinsam mit dem Erzbistum Freiburg und der evangelischen Landeskirche in Baden eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die es uns ermöglicht, im ökumenischen Miteinander zwei Seelsorger zu beschäftigen. So konnte sichergestellt werden, dass die Kasualien korrekt ablaufen und wir immer die gleichen Ansprechpartner haben. Gleichzeitig erhielt die Kirche im Europa-Park zwei sympathische Gesichter nach außen.

Wie wichtig ist das Projekt heute?

Das Projekt ist etabliert, aber entwickelt sich auch weiter, ein großes Experimentierfeld. Kürzlich gab es zum ersten Mal ein Tauffest in unserer Wasserwelt Rulantica und für nächstes Jahr ist ein Motorradgottesdienst in Planung. Uns als Familie ist wichtig, mitzuhelfen, neue Wege zu finden, die christliche Botschaft und die damit verbundenen Werte zu den Menschen zu bringen. Zu unseren Gästen, aber natürlich auch zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Machen andere das nach?

Die Kirchen sind auf der Suche, wie sie zu den Menschen kommen können, wenn die Menschen nicht mehr in die Kirchen kommen. Deshalb: Ja, wir bekommen regelmäßig Besuch von Leuten, die sich für das Konzept interessieren und etwas Ähnliches ausprobieren wollen.

In einem Ihrer Hotels hängen Fotos von Begegnungen Ihrer Eltern mit Päpsten. Ist Ihnen das auch wichtig?

Eine persönliche Begegnung mit einem Papst hatten meine Frau und ich noch nicht. Aber wir waren schon mehrmals in Rom. Zum Beispiel zum Konzert des Symphonieorchesters Stuttgart zum 80. Geburtstag von Papst Benedikt in der Audienzhalle des Vatikans. Und der frühere Schweizer Zirkuspfarrer, Ernst Heller, mit dem wir guten Kontakt haben, hat uns einmal mitgenommen zur Vereidigung der Schweizergarde. Das war sehr eindrücklich für uns. Und was eine Privataudienz betrifft: Was nicht ist, kann ja noch werden

Susanne Haverkamp

Was Wildwasserfahrt, Kettenkarussell und Pommesbunde mit dem Glauben zu tun haben? Eine Menge, finden der katholische Diakon Thomas Schneeberger und die evangelische Diakonin Andrea Ziegler, die als Seelsorger im Europa-Park Rust arbeiten. Ein Besuch: www.aussicht.online/artikel/mit-gott-der-achterbahn