Hirten im Fokus der Krippenausstellung

Weniger Krippe ist manchmal mehr

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Eine Krippe mit drei Menschen
Nachweis

Foto: Stephan Kube

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Die Krippe „Das geheimnis der Heiligen Nacht“ von der Künstlerin Annette Hiemenz.

Wenn Gerhard Lohmeier von seinen Krippen erzählt, ist er kaum zu stoppen. Er erklärt Hintergründe, kennt die Geschichte der Figuren, weiß, welche Krippenkunst woher kommt und welche landestypischen Elemente in den Werken zu finden sind. In diesem Jahr liegt der Ausstellungsschwerpunkt auf den Hirten.

Während Gerhard Lohmeier spricht, wird deutlich, wie sehr ihn Krippen begeistern – und wie viel Arbeit noch vor ihm liegt. Noch sind die Vitrinen und Regale im Osnabrücker Diözesanmuseum leer, Plastikboxen zieren die Ausstellungsräume, doch das möchten Gerhard Lohmeier und Künstler Dominikus Witte ändern. Lohmeier interessiert sich seit fast 50 Jahren für die Krippenkunst. Aufgewachsen ist er in einem Dorf in Bayern, wo Krippen eine lange Tradition haben und jede Familie eine Krippe besitzt.

Drei Hirten schauen in den Stall
Wir betrachten aus Sicht des Jesuskindes die Gesichter der Hirten. Foto: Stephan Kube

Noch heute freut er sich darüber, aber besonders begeistert ist er, „wenn andere sich an den Krippen erfreuen“. Den Schwerpunkt der diesjährigen Ausstellung entwickelte Lohmeier, als er das Schreiben „Admirabile signum“ („wunderbares Zeichen“) von Papst Franziskus aus dem Jahr 2019 las. Darin erzählt der Papst die Tradition der Weihnachtskrippe und hebt die Bedeutung der Hirten hervor. Diese „werden zu den ersten Zeugen des Wesentlichen, nämlich dem Geschenk der Erlösung“, während viele Menschen „tausend andere Dinge vorhaben“. Der Krippenexperte möchte die Botschaft von Papst Franziskus lebendig werden lassen und setzt dabei bewusst auf eine „kleine, aber feine Ausstellung“ nach dem Motto: weniger ist mehr. Ein besonders spannendes Exponat ist die Krippe der Künstlerin Annette Hiemenz aus Hilden, die nur vier Menschen zeigt. Darunter nicht die heilige Familie, sondern ein fröhliches Kind und drei Hirten, die gebannt in den Innenraum des Stalls blicken. Dort bestaunen sie … nichts! Auf der Rückseite der Krippe findet sich ein runder Ausschnitt, durch den die Betrachter direkt in die Gesichter der Hirten blicken können – aus der Perspektive des Jesuskindes.

Bunte Krippe mit modernen und altertümlichen Menschen
Die Krippe der HHO zeigt ein klassisches Krippenbild und eine moderne Interpretation. Foto: Angela von Brill

Jessica Löscher, Pädagogin am Diözesanmuseum, bietet für Schulklassen Workshops zur Ausstellung an. Ungefähr 1000 Schülerinnen und Schüler haben jährlich so die Gelegenheit, Krippenkunst aus aller Welt bestaunen zu können. Löschers Ziel ist es, dass sich die Schüler „verzaubern und die Krippenkunst auf sich wirken lassen“. Neben den Workshops hat Löscher ein weiteres Projekt begleitet: Gemeinsam mit der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) hat das Diözesanmuseum die Weihnachtskrippe „Was suchst du?“ realisiert. Die Krippe wurde vollständig von Beschäftigten der HHO gefertigt; der Holzkorpus in der Schreinerei, die Figuren im Atelier, und auch das Begleitmaterial kommt aus den Werkstätten. Ein Teilnehmer freut sich, dass alle Gespräche „auf Augenhöhe“ geführt wurden und jede Stimme Gehör fand. Deshalb bezeichnet die HHO die Krippe als inklusiv; das Projekt stand allen offen und jeder konnte sich auf seine Weise einbringen. So sind besondere Figuren hinzugekommen – und andere weggelassen worden, wie das Jesuskind oder die Engel. Die Krippe spielt mit den Darstellungen des Heiligen Abends: auf der einen Seite das historische Bild mit Holzhütte, auf der anderen Seite Menschen des 21. Jahrhunderts, mit und ohne Beeinträchtigungen.

Betrachtet wird die Krippe durch sternförmige Aussparungen in den Wänden, die in verschiedenen Höhen angebracht sind. So können sowohl Kinder als auch Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, die Krippe ansehen. Sowohl im Diözesanmuseum als auch bei der HHO stößt das Projekt auf große Zustimmung. Anspielend auf das Logo der HHO, das aus mehreren farbigen Punkten besteht, sagt ein Teilnehmer: „Wir sind nicht nur Autos mit bunten Punkten drauf, wir sind auch das hier“, und zeigt auf die inklusive Krippe.

Anton Kensbock

Die Ausstellung „Kommet ihr Hirten“ wird am 25. November eröffnet und geht bis zum 01. Februar 2026 im Diözesanmuseum, Domhof 12, 49074 Osnabrück. Der Eintritt ist frei.

Öffentliche Führung mit Prof. Dr. Gerhard Lohmeier am Mittwoch, 17. Dezember um 17 Uhr und am Mittwoch, 28. Januar um 17 Uhr. 

Kunst in Kürze mit Museumspädagogin Jessica Löscher und Mitarbeitern der HHO am Donnerstag, 8. Januar um 18 Uhr. 

Weitere Informationen im Internet: www.bistum-osnabrueck.de/dioezesanmuseum/