Görlitzer Bistumswallfahrt 2025 nach Neuzelle
„Das Gebet füreinander ist eine Brücke zu Gott“
Fotos: Markus Bien
„Wir brauchen die große Hoffnung auf Gott“: Bischof Wolfgang Ipolt besprengt beim Taufgedächtnis die Pilger der Bistumswallfahrt im Heiligen Jahr 2025 in Neuzelle.
Noch ziehen spätsommerliche Nebelschwaden über Neuzelle, als am Vormittag die ersten Pilger am Stiftsplatz ankommen. Hoffentlich – ein Wort, das an diesem Wallfahrtssonntag noch oft fallen wird – verzieht er sich, denken wohl die meisten, und das tut er auch bis zum Beginn des Hochamts.
Eine Besonderheit fällt auf, eine zweite Bühne. Die Cottbusser Jugendband gestaltet dort den Festgottesdienst mit. Sie singen zum Beispiel „Meine Hoffnung und meine Freude“. Da ist es wieder – das Wort Hoffnung. Ohne sie, so sagt Bischof Wolfgang Ipolt in seiner Predigt, gäbe es nur Verzweiflung, Resignation und Angst. Er begrüßt einen besonderen Gast: Clemens Pickel, Bischof von Saratow in Russland. Später dann, zur Abschlussandacht in der Stiftskirche, greift auch Bischof Pickel das Leitwort auf und nutzt ein eher ungewöhnliches Bild als Vergleich: „Hoffnung ist wie ein Lottoschein, den wir zur Taufe erhalten haben. Seitdem sind wir auf dem Weg, den Gewinn abzuholen am Ende unseres Lebens.“
Die Septembersonne scheint nun kräftig auf die Pilger herab. Hoffentlich trinken alle genug. Im Kircheninneren ist es dank dicker Mauern kühler. Dem Stundengebet der Zisterziensermönche beizuwohnen, erzeugt einen Moment innerer Einkehr und Ruhe. Zeit, über einen Satz aus der Predigt von Bischof Ipolt nachzudenken: „Das Gebet füreinander ist eine Brücke zu Gott.“ Draußen stehen Johannes Ehme und Roland Pisarek im Schatten eines großen Baumes. Die Neupriester spenden den Primizsegen, eine lange Menschenschlange vor sich. Hoffentlich kommen alle noch dran. Orgelklänge dringen an die Ohren der Wartenden. Das Konzert von Kirchenmusikdirektor Teófanes Gonzáles entfaltet akustische Wucht. Sie verbindet sich eindrucksvoll mit der barocken Atmosphäre des Gotteshauses.
Zum siebten Mal verleiht der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Görlitz das „Salzkorn der Erde“. Den Preis erhält Norbert Polossek aus Niesky. Ein Mann, so beschreibt ihn Diözesanratsvorsitzender Markus Sawicki, der seit Jahrzehnten christliches und gesellschaftliches Engagement in hohem Maß vorlebt: ständiger Diakon, Schöffe, Friedensrichter und mehr. Nur: „Hoffentlich kommt er auf die Bühne“, so Sawicki, denn gern im Mittelpunkt stünde er nicht. Norbert Polossek kommt, dankt und meint: „Wir Christen können und sollten noch viel mehr tun.“
Ob auf dem Stiftsplatz, im Konventgarten oder am Kolping-stand – überall sind Menschen miteinander im Gespräch, erleben Begegnungen. „Hoffentlich sehen wir uns wieder“, meint Bischof Ipolt am Ende und entlässt die Pilger nach Hause.