Anstoß 02/2026
Postkasten geschlossen!
Dominikanerkloster Leipzig
Wann das auch bei uns eintritt, kann ich nicht sagen, aber ich habe zu Weihnachten noch Briefe geschrieben und erhalten. Auch ich nutze die digitale Welt, doch ist und bleibt mir das Schreiben eines persönlichen Briefes etwas sehr Wertvolles. Das aufzugeben, wäre für mich eine Verarmung. Einen Brief zu schreiben, kostet Zeit, mehr Zeit als eine SMS, aber die nehme ich mir, um meinen Adressaten mit meinen Gedanken anzusprechen. So erreicht mein Herz sein Herz, denn man sieht nicht nur mit den Herzen gut, sondern man schreibt nur mit den Herzen gut. So wurden Liebesbriefes verfasst von Herz zu Herz und Freundschaften beschrieben und so tröste ich mit meinen Kondolenzschreiben. Das geschriebene Wort kann zur Lebenshilfe werden, stiftet und erhält Freundschaften.
Briefe gehören zur Weltliteratur. So hat Dietrich Bonhoeffer seinen Weihnachtsbrief aus dem KZ an seine Verlobte und an seine Familie geschrieben mit den uns vertrauten Versen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Es sollte sein letzter Brief sein, wenige Wochen später wurde er hingerichtet. Aber seine Worte sind bis heute für viele Menschen Trost und Lebenshilfe.
Briefe können überdauern und sie sind ein Geschenk. Es kostet etwas Zeit, ein weißes Blatt Papier und eine Briefmarke. Schreiben Sie weiterhin, damit die Postkästen nicht auch bei uns geschlossen werden.