Abschied aus Kloster Wechselburg

Weite und Gastfreundschaft

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Porträt Pater Maurus Kraß
Nachweis

Foto: Mario Hösel

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Pater Maurus Kraß verlässt nach 13 Jahren das Benediktinerkloster Wechselburg und kehrt nach Ettal zurück.

Benediktinerpater Maurus Kraß wirkte 13 Jahre lang als Prior im sächsischen Kloster Wechselburg. Nun verabschiedet er sich und ist voller Dankbarkeit. Denn die vielen Begegnungen mit Menschen im Osten Deutschlands haben ihn verändert.

Er winkt beim Vorbeigehen, spricht Besucher in den Kirchenbänken der Wechselburger Basilika an, lädt ein: zum Zuhören, Schweigen oder gemeinsamen Essen. So kennen ihn viele aus dem Bistum Dresden-Meißen und darüber hinaus. Seit 2012 ist Pater Maurus, wie man ihn hier anspricht, Prior der Benediktiner-Filiale im Kloster Wechselburg, entsandt wurde er aus dem Mutterkloster in Ettal. „Das war mein Wunsch“, versichert er. Denn schon vorher habe er eine tiefe Verbindung zu diesem Ort an der Zwickauer Mulde gehabt. „Ich war 15 Jahre Schulleiter in Ettal und bin viele Jahre mit den Oberstufenklassen hierher gekommen, um dann Ausflüge an kulturell und geschichtlich wichtige Orte zu machen.“ Auch die Tage nach Weihnachten verbrachte er mit den Mitbrüdern in Wechselburg.

Als gebürtiger Karlsruher ist Pater Maurus Kraß 1979 in die bayerische Benediktinerabtei Ettal eingetreten, 1983 feierte er seine Ewige Profess, ein Jahr später wurde er zum Priester geweiht. Seit 1991 unterrichtete er in Ettal am Klostergymnasium. Als er vor 13 Jahren in eine Gegend kam, wo die meisten Menschen kaum Bezug zur Kirche haben, war das für ihn eine neue Lebenswelt. „Das ist für mich eine sehr große Erfahrung und macht mich vor allem dankbar“, sagt er rückblickend. „Hier erlebe ich Menschen, die nicht aus der Kirche ausgetreten sind und deshalb eine Anti-Haltung haben, sondern im Gegenteil oft ein gespanntes Interesse und eine Offenheit.“ So habe er bereits Menschen beerdigt, die keiner Kirche angehörten. Vor drei Jahren hat er außerdem die „Oasentage für Suchende“ eingeführt – ein Angebot für Menschen, die der Kirche sehr fern stehen, aber Fragen haben. Oft kommen sie, um innere Orientierung zu finden in herausfordernden Lebensphasen, wie Krankheit oder den Eintritt in den Ruhestand.

Günstig für Pater Maurus seien dabei die kurzen Wege in diesem kleinen Priorat, wo er unweigerlich auf Besucher des Klosters oder Wanderer trifft, wenn er zum Stundengebet in die Basilika geht. „Ich komme dann schnell ins Gespräch und spüre auch, wenn jemand Fragen hat“, erzählt er.

„Ein Ort, wo Menschen sich Gott nahe fühlen können – mich eingeschlossen“

Dabei habe er seine Art zu reden in den letzten 13 Jahren verändert, das bestätigten ihm auch langjährige Freunde. „Wenn jemand in der Kirchenbank sitzt, wenn wir das Stundengebet beginnen, dann bringe ich ihm ein Buch und lade den Menschen ein, ‚mitzulesen‘. Ganz bewusst sage ich nicht ‚mitbeten‘ oder ‚mitsingen‘, denn ich weiß ja nicht, wo dieser Mensch steht. Aber ich lasse ihm die Freiheit für mehr“, erläutert er.

Ebenso günstig empfindet Pater Maurus die Strukturen des kleinen Konvents in Wechselburg. „Hier ist ein Ort, wo Berufungen gedeihen können, wo Menschen sich Gott nahe fühlen können – da schließe ich mich selbst mit ein.“ So hätten vier Mitbrüder ihre Berufungserfahrung in Wechselburg gehabt – und somit habe es Nachwuchs fürs Mutterkloster aus der Filiale gegeben. Das sei untypisch, so Pater Maurus. In der Bekanntgabe zur baldigen Schließung des Klosters betont Bischof Heinrich Timmerevers: „Pater Maurus hat sich bleibende Verdienste um Wechselburg erworben. Zuletzt setzte er mit seinem Einsatz zum Erwerb des Edith-Stein-Altargemäldes von Michael Triegel im Mai dieses Jahres einen weiteren Glanzpunkt in der Basilika.“ Auch dabei hatte Pater Maurus die Menschen im Blick, die mit ihm – und nach ihm – das Altarbild betrachten werden.

Pater Maurus’ Gabe, auf Menschen zuzugehen, zeigt sich auch in der Leidenschaft des Kochens und des Einladens. Dabei ist es dem Hobbykoch wichtig, vorher Ernährungsbedürfnisse zu erfragen, damit sich alle willkommen fühlen, wie sie sind. „Und dann koche ich eben ein Gericht, das alle mitessen können, so dass wir auch beim Essen wirklich Gemeinschaft haben.“

Ob es die Mitbrüder sind, eine Handvoll Besucher oder bei großen Wallfahrten und Jugendveranstaltungen ein buntes Gewusel – Pater Maurus ist die Gemeinschaft besonders wichtig. Denn sie ist ein wichtiger Wesenszug benediktinischen Lebens. Und da nun zeigen sich im Kloster Wechselburg die Schattenseiten des kleinen Konvents: „Als ich hier anfing, waren es sieben Mitbrüder, jetzt sind wir nur noch zu zweit. Und wenn Frater Victor wegen seiner Arbeit nicht hier sein kann, gehe ich allein zu den Gebetszeiten in die Kirche.“ Deshalb freue er sich auch auf die 23 Mitbrüder in Ettal, die er ab Oktober um sich haben wird.

Dass seine Zeit als Prior in Wechselburg zu Ende gehen muss, habe der 66-Jährige im letzten Sommer bereits gesundheitsbedingt festgestellt. Das Konventkapitel in Ettal hat sich nun dafür entschieden, das Engagement in Sachsen bis Ende 2026 zu beenden, denn auch im Mutterkloster werden es weniger Mönche und benediktinisches Leben braucht eine „gewisse Anzahl“ an Mitbrüdern, so Pater Maurus. Zum Patronatsfest am 14. September wird er verabschiedet. „Dabei will ich mich vor allem bedanken für die Zeit, die ich hier verbringen konnte und für die Weite, die ich hier bekommen habe.“

Ruth Weinhold-Heße

Benediktiner geben Wechselburg auf

Die bayerische Benediktinerabtei Ettal beendet nach 32 Jahren ihr Engagement im Kloster Wechselburg zum 31. Dezember 2026. Abt Barnabas Bögle erläutert: „Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn wir wissen, welche Bedeutung Wechselburg für viele suchende Menschen nicht nur in der Region hat. Wir haben in unserer Gemeinschaft mehrfach darüber diskutiert und gebetet. Die Entscheidung noch länger hinauszuschieben, wäre jedoch verantwortungslos gewesen.“
Ende September kehrt der bisherige Prior Pater Maurus Kraß ins Mutterkloster zurück. Frater Victor Lossau wird vorerst als Ansprechpartner in Wechselburg bleiben. Neue Patres werden nicht entsandt. Ab Oktober sieht sich der Ettaler Konvent daher auch nicht mehr in der Lage, die Gottesdienste in der Basilika zu übernehmen.
„Für das Bistum Dresden-Meißen bedeutet diese Entscheidung einen herben Verlust“, erklärt Bischof Heinrich Timmerevers. „Wechselburg ist ein wichtiges geistliches Zentrum und ein etablierter Wallfahrtsort. Und dennoch schauen wir dankbar auf das segensreiche Wirken und den wichtigen pastoralen Dienst der Benediktiner in unserem Bistum zurück, vor allem in der geistlichen Begleitung vieler Menschen.“ Dem Engagement der Mönche sei es zu verdanken, dass die Klosterkirche 2018 zur Basilika minor erhoben wurde. Derzeit prüft das Bistum, wie die sonntäglichen Eucharistiefeiern abgesichert werden können. Auch langfristige Lösungen für den Wallfahrtsort werden gesucht