Kirche St. Josef der Arbeiter in Schwarza
Mit eigenen Händen geschaffen, mit Leben erfüllt
Fotos: Winfried Matiss
Die Menschen aus der Gemeinde packten in den 1960er Jahren mit an. So entstand aus einer alten Scheune die katholische Kirche in Schwarza.
Man kann es sich heute nur schwer vorstellen, dass die Zahl der katholischen Christen im Rudolstädter Ortsteil Schwarza einst stetig anstieg. Flüchtlinge aus Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetenland fanden hier ein neues Zuhause, gleichzeitig entstand Wohnraum für die Beschäftigten des Chemiefaserwerks. So wuchs der Wunsch nach einem eigenen Gottesdienstraum.
1962 konnte das Grundstück in der Edelhofstraße 7 mit einer geeigneten Scheune erworben werden. Der Kirchenbau war jedoch mit großen Schwierigkeiten verbunden, da staatliche Stellen das Vorhaben zu verhindern suchten. Der Hartnäckigkeit des Rudolstädter Pfarrers Joachim Passek war es zu verdanken, dass am 7. Dezember 1963 dennoch die Baugenehmigung erteilt wurde.
Da weder ausreichend Material noch eine Baufirma zur Verfügung standen, erfolgte der Umbau der Scheune weitestgehend in Eigenleistung. 54 Gemeindemitglieder arbeiteten bis August 1966 an der Kirche mit – überwiegend nach Feierabend und an arbeitsfreien Sonnabenden. Als Besonderheit entstand damals der Altar, den ein Steinmetz aus Bad Blankenburg aus zwei Blöcken bayerischen Granits fertigte. Die Blöcke waren ursprünglich für ein „Siegesdenkmal“ nach dem Zweiten Weltkrieg vorgesehen.
Am 29. Juni 1966 feierte die Gemeinde den ersten Gottesdienst in ihrer Kirche St. Josef der Arbeiter, die am 28. August von Weihbischof Hugo Aufderbeck geweiht wurde. In den folgenden Jahren wurde ein altes Stallgebäude zum Gemeindesaal und zur Kaplanswohnung umgebaut. 1997 wurde der zunächst nicht genehmigte Kirchturm mit eigener Glocke errichtet.
Die für Königsee, Remda und Zeigerheim zuständige Gemeinde entwickelte sich zu einem weltoffenen und lebendigen Ort des Glaubens und der Begegnung. Ehekreise, Glaubensseminare, Gottesdienste in polnischer Sprache und Feiern im byzantinisch-russischen Ritus gehörten ebenso dazu wie Besuche eines Jugendchores aus Bordeaux und afrikanischer Referenten. Auch die Sternsingeraktion ist fester Bestandteil des Gemeindelebens.
Ab 1997 brachte Jugendreferent Markus Koenen frischen Wind in die Jugendarbeit. Mit dem „CentrO“ entstand ein bis heute beliebter Treffpunkt; Freizeiten führten Jugendliche nach Österreich, Irland und Malta. Über die Jahre ließen sich vier Männer der Gemeinde zu Priestern weihen: Franz Rudolf, Manfred Bienert, Markus Koenen und Philipp Förter.
Bis heute bereichern Busfahrten, Seniorennachmittage, Frühschoppen, Kirchenchor und Gemeindefasching das Miteinander. Die Gemeinde wird vom ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen getragen: Sie kümmern sich um Blumenschmuck, gestalten Gottesdienste, reinigen die Kirche, küstern und dienen als Lektoren, Kommunion- und Diakonatshelfer. So ist die Kirche „St.Josef der Arbeiter“ weit mehr als ein Gebäude: Sie ist ein Ort des Glaubens, der Begegnung und der Gemeinschaft – geschaffen mit eigenen Händen und bis heute mit Leben erfüllt.
// Winfried Matiss