Moritzkirche in Halle (Saale)
Ökumenisches Zentrum auf dem Weg
Foto: Marie Galasso
Antje Löhr-Dittrich (links) stellt das neue Ökumenische Zentrum Halle in der Moritzkirche vor.
„Ich könnte stundenlang in das Gewölbe gucken“, schwärmt Antje Löhr-Dittrich von der Moritzkirche in Halle (Saale). Bis Dezember war sie dort Angestellte der katholischen Akademie Magdeburg, dann zog die Akademie weg. Die Referentin hatte die Kirche in der Zeit sehr liebgewonnen. Jetzt ist sie froh, ihre Arbeit dort fortführen zu können. „Die Moritzkirche ist ein unheimlich lebendiger Ort“, erzählt sie. „Die Veranstaltungen, das Glück in den Gesichtern danach. Wenn Leute fragen, was mich umtreibt, sage ich: Es macht mich glücklich, die Arbeit hier.“ Löhr-Dittrich arbeitet nun für das neue „Ökumenische Zentrum Halle“ (ÖZH) und stellt es Interessierten vor.
„Auf dem Weg sein“ ist der Titel des Abends. Für die Moritzkirche passt das gut: In den nächsten zehn Jahren stehen Vorbereitungen für die katholische Pfarrei St. Mauritius und St. Elisabeth auf dem Plan. Sie werden die Moritzkirche an die Gemeinde der evangelischen Marktkirche zurückgeben, der sie eigentlich gehört. Eine große Veränderung, die sich aber nicht wie Veränderung anfühlen soll. Das ÖZH wird Teil des Umgestaltungsprozesses sein.
Kunstausstellungen, Konzerte, ein Bibelwanderweg und vieles mehr – die Moritzkirche ist eine Kulturkirche und soll es auch über die Rückgabe hinaus bleiben. Viele gemeinsame Projekte mit der Marktkirche finden bereits statt. Eine Wanderausstellung im März lud etwa zum Gespräch und Nachdenken ein: Was ist dieser Ort und was bedeutet er für mich? Was würde ich mir in Zukunft für die Moritzkirche wünschen? Der evangelische Pfarrer der Marktkirche, Felix Eiffler, sagt, dass er es schön fände, eine Willkommenskultur in der Kirche zu schaffen – zum Beispiel mit Kaffee und Keksen für die Ankommenden.
Die Ausstellung machte auch auf die ökumenische Geschichte der Kirche aufmerksam. Seit Beginn der Reformation ist der spätgotische Bau in den Händen der evangelischen Kirche. In den 1960ern fehlte ein Gebäude für die katholische Pfarrei, im sozialistischen Halle-Neustadt durfte keine Kirche gebaut werden. So pachtete das Bistum die Moritzkirche von der evangelischen Kirche. Für 99 Jahre war der Vertrag angelegt, jetzt wird er voraussichtlich schon nach 66 Jahren enden. „Das Problem ist, keiner will den Ort haben, er wird nicht gebraucht“, bedauert Antje Löhr-Dittrich.
Auf die Frage, welche Vision sie für die Moritzkirche habe, sagt sie, dass sie gerne eine Kunstkirche daraus machen würde. Pfarrer Felix Eiffler strebt eine diakonische Kirche an, die eine Brücke zur säkularen Welt bilden kann; einen Raum für Menschen, in dem sie einander und Gott begegnen können. Ein Café vielleicht, eine offene Kirche, die im Sommer Kühle spendet und in der Gemeinsames gestärkt werden soll. Das Stadtleben soll bereichert werden, indem geistliche Orte eine spürbare Bedeutung haben. Dabei ist jede Konfession willkommen. „Wir Gläubigen müssen zusammenhalten“, ist Teil des Credos in der Diaspora vor Ort.