Frisches Brot aus dem Backhaus im Garten
"Das ist das pure Glück für mich"
Fotos: Petra Diek-Münchow
Teig kneten, formen, im eigenen Garten backen: Die Katechetin Marlene Specker hat sich mit ihrem Holzbackofen in Ostfriesland einen großen Traum erfüllt.
Die ganze Küche von Marlene Specker riecht nach frischem Hefeteig. Kein Wunder, den hat sie schon am Vorabend angesetzt und in Ruhe gehen lassen. Nicht bloß eine Schüssel, sondern gleich mehrere Kilos. Heute will sie drei verschiedene Sorten backen: ostfriesisches Schwarzbrot, schwäbisches Bauernbrot und ein Kürbiskernbrot. Die Masse dafür schimmert fast ein wenig grünlich im Licht. „Das kommt von den Kernen und dem Öl“, erklärt die 55-Jährige geduldig, knetet den Teig noch mal sachte durch und formt ihn dann mit flinken Fingern zu Laiben. Die einen rund, die nächsten oval und die letzten rechteckig für eine kleine Form. Zum Schluss presst Specker einen Holzstempel mit den Buchstaben „JHS“ und einem Kreuz in die Oberfläche. „Das heißt Jesus-Heiland-Seligmacher“, erklärt sie und hofft, dass man die Lettern nach dem Backen noch lesen kann.
Ein bisschen Zeit gibt Marlene Specker den Broten nun noch auf der Diele, bevor sie die Laibe dann draußen in ihren großen Holzbackofen schiebt. Fast 600 Kilo schwer, aus Gußeisen, mit Schamottsteinen ausgelegt und einem hohen Dach darüber steht der auf der Hofeinfahrt. In „Marlene’s Backhaus“, wie ein selbstgemaltes Schild erklärt und ein weiteres daneben „Freshly Baked Bread“ verspricht. Tatsächlich backt sie dort alle drei bis vier Wochen einen ganzen Tag lang von morgens bis abends 30 verschiedene Brote für Freunde und Familie. „Da habe ich dann schon stramm zu tun“, sagt sie – mit einem großen Lächeln im Gesicht. Denn mit dem Ofen hat sie sich vor einigen Jahren einen Traum erfüllt.
"Brot, Kräuter und Käse – das schmeckte so wunderbar"
Und der hängt mit ihrer Biografie zusammen. Marlene Specker, aufgewachsen im emsländischen Heede, ist gelernte Köchin und Hotelfachfrau – hat dabei unter anderem in Bad Rothenfelde und Greetsiel gearbeitet. Während der Ausbildung darf sie als Austauschlehrling für einige Wochen in die Schweiz und wird dort eingeladen auf eine Almhütte in den Bergen. Dort lernt sie eine ältere Frau kennen, die ihr Brot in einem Holzofen backt: Die noch warmen Scheiben belegt sie ganz einfach mit Kräutern von der Wiese nebenan und mit Käse von den eigenen Ziegen. „Das schmeckte so wunderbar und hat mich seitdem nicht wieder losgelassen.“
Bis sie diesen Traum umsetzen kann, braucht es aber noch Zeit und andere Wege. Auch den, der sie nach Norden in Ostfriesland führt. Dort arbeitet sie nun seit 13 Jahren für die Kirchengemeinde St. Ludgerus als nebenamtliche Katechetin, macht Angebote dort vor allem für Familien und Kinder: wie Brot backen in der Fastenzeit, in den Ferien oder jetzt zu Mariä Himmelfahrt gewürzt mit Kräutern. „Aber das mache ich dann im Pfarrheim, das wäre hier zu wuselig.“
"Das Backen erfüllt mich mit großer Dankbarkeit"
Was wohl stimmt, denn so ein Backtag am heißen Ofen ist streng durchgetaktet. Der beginnt frühmorgens, wenn sie zwölf Kilo Buchenholz anfeuert und einige Stunden richtig durchglühen lässt. Schon das lodernde Feuer zu Beginn, dann das leise Rauschen, Zischen und Knistern im Innern „ist das Schönste für mich“. Und es erfüllt sie mit „großer Dankbarkeit, dass ich das hier so tun kann“. Der ganze Prozess des Backens, selbst das Auskehren der heißen Asche in die Schublade darunter, ist „das pure Glück für mich“. Wenn sie den Teig nach oft ausprobierten Rezepten ansetzt und formt, wenn sie die Laibe in den Ofen schiebt, wenn der Duft des fertig gebackenen Brotes durch Haus und Garten zieht und sie die knusprige Kruste in Händen spürt – dann ist Marlene Specker ganz bei sich, ganz mit sich im Reinen und glücklich.
Und alles verbindet sich für sie mit ihrem tief empfundenen Glauben. Sofort fallen ihr mehrere Bibelstellen ein, die von Brot erzählen: sei es die Erzählung von den fünf Fischen oder die vom letzten Abendmahl. „Da wird das Brot miteinander gebrochen und geteilt“, sagt sie und gerade letzteres ist ihr überaus wichtig: das Ergebnis eines langen Backtages eben nicht nur für sich und die eigene Truhe zu behalten, sondern es mit der Familie, Freunden, Nachbarn zu teilen. „Das ist so eine Freude zu sehen, wie sie sich darüber freuen.“ Sie kommen dafür zu ihr nach Hause und holen die Brote mit einem Schwätzchen im Garten ab. Manche extra mit einer Isoliertasche, damit sie den Duft noch ein bisschen länger konservieren können, erzählt sie mit einem Schmunzeln.

Das spricht für viel Wertschätzung – die Specker auch weitergeben möchte. Für Lebensmittel und die Arbeit, die dahinter steckt: angefangen bei der Aussaat auf dem Feld bis zur Getreidemühle, in der sie das frisch gemahlene Mehl selbst abholt. Und für Gottes Schöpfung. „Wenn ich an Roggen und Weizen auf den Äckern vorbeifahre, sehe ich das nun mit ganz andere Augen. Seitdem ich selber backe, weiß ich das alles viel mehr zu würdigen“, sagt sie. „Das müssen wir uns viel mehr bewusst machen.“
Sie schaut auf die Uhr und springt wieder auf. Das Brot muss raus aus dem Ofen, die Pizza für das Mittagessen und der Kuchen für den Nachmittagskaffee müssen rein. „Wunderbar“, sagt sie, als die Laibe herausholt und daran schnuppert. Wie sie das am liebsten isst? Am besten gemeinsam mit ihrem Mann Ebe auf der Terrasse und dem dort wunderbaren Blick auf Rosenbüsche, Nordseedeich und Leuchtturm. Ein Stück gute Butter auf die erste Brotscheibe, eine geschnittene Tomate und auf ein paar Kräuter aus dem Garten obendrauf. Mehr braucht es gar nicht. Lecker!
Rezept für Bauernbrot
Am Vortag: Mehlbrühstück: 25 g Roggenmehl 1150 mit 100ml Wasser (60 Grad), verrühren und über Nacht abgedeckt stehen lassen. Am Backtag: 125 g Mehlbrühstück, 300 g Weizenmehl Typ 1050, 100 g Dinkelmehl 630 oder Weizenmehl 550, 75 g Roggenmehl 1150, ca.150 ml Wasser, 100 ml Buttermilch, 10 g Salz, 15 g Hefe, 1 Esslöffel Apfelessig, 10 g Honig, Brotgewürz nach Geschmack gut miteinander in einer Küchenmaschine ca. 10 Minuten verkneten. Der Teig ist etwas klebrig und zäh. Eine Schüssel mit Mehl bestäuben und den Teig hineinlegen.
Etwa zwei Stunden abgedeckt gehen lassen. Den Teig mit Mehl auf einer bemehlten Fläche kurz zu einem Laib rund formen. Für eine rustikale Kruste das Brot mit der Unterseite nach oben legen. Noch 5 bis 10 Minuten ruhen lassen und backen.
Im Haushaltsbackofen mittlere Schiene: 250 Grad zu Beginn und nach 20 Minuten auf 180 Grad zurückschalten. Danach noch ca. 30 Minuten lang fertig backen. Klopftest machen und herausholen.