Pastoralreferent Michael Kosubek schraubt im Bremer Bike-Repair-Café
Ein goldenes Händchen für Fahrräder
Foto: Anja Sabel
Platte Reifen, kaputte Tretlager: Michael Kosubek repariert Fahrräder seit fast 40 Jahren. Im Keller des Pfarrheims St. Hildegard ist er in seinem Element.
Michael Kosubek ist Pastoralreferent in der Pfarrei St. Franziskus in Bremen – und Autodidakt in Sachen Fahrradreparatur. Von Werkstattprofis hat er sich sogar zeigen lassen, wie man am Rahmen fräst und Gewinde nachschneidet. Die komplizierten Fälle kommen für ein paar Tage in den Keller. Dort bewahrt Kosubek Werkzeuge und Ersatzteile auf – inklusive Spezialwerkzeug für E-Bikes. Beim stundenlangen Tüfteln merkt er manchmal gar nicht, wie die Zeit vergeht.
Fahrräder sind seit rund 40 Jahren das große Hobby des Theologen. Er schraubt nicht nur leidenschaftlich gern am eigenen Rennrad, sondern hilft auch anderen, die technisch weniger begabt sind. Ein Bike-Repair-Café hat er sich schon lange gewünscht. Weil es Menschen auf praktische Weise in Kontakt bringt: Man kann kostenlos das Rad reparieren lassen und bei einem Kaffee über Gott und die Welt reden.
Sich die Finger schmutzig zu machen, bleibt nicht aus
Das Projekt am Kirchort St. Hildegard gibt es seit drei Jahren; es ist sehr beliebt und hat auch mehrere ehrenamtliche Helfer hinzugewonnen. Senioren schauen vorbei, Kinder und Jugendliche, „die ihre Räder nicht immer pfleglich behandeln“, und auch muslimische Familien. Willkommen sind alle – mit oder ohne Fahrrad. Es braucht keinen „Glaubenspass“, aber wer ein pastorales Anliegen hat, findet natürlich Gehör. „Vielleicht nicht gerade, wenn ich am Rad schraube, aber wenn wir gemeinsam schrauben, funktioniert das schon“, sagt Kosubek und lacht.
Die erste Fahrradwerkstatt baute Michael Kosubek in einer Obdachlosensiedlung bei Frankfurt am Main auf – als Theologiestudent. Und später, während eines Brasilienaufenthalts, gründete er gemeinsam mit Jugendlichen eine solche Werkstatt, dazu ein Radsportteam. Als der Pastoralreferent 2015 nach Bremen kam, unterstützte er die Initiative „Fahrräder für Flüchtlinge“.
Vor sechs Jahren öffnete in der Bremer Neustadt ein Zentrum rund ums Fahrrad: das „Neusi’s“-Repair-Café an der Hochschule Bremen, professionell betrieben von Fahrradmechanikern und Aushilfen, mit Werkstatt und Gastronomiebetrieb. Dort mischt Kosubek nebenberuflich acht Stunden in der Woche mit. Das goldene Händchen, sagt er, sei dort immer gefragt. Als Ältester bringt er die meisten Erfahrungen mit. Einige Kunden haben dadurch auch schon den Weg ins kostenlose Bike-Repair-Café in St. Hildegard gefunden.
Er repariert auch Spielzeug aus dem Kindergarten
Der Pastoralreferent gibt sein Wissen gern weiter, zeigt zum Beispiel in Eltern-Kind-Workshops, wie man kleine Mängel behebt, Schaltungen und Bremsen einstellt, einen Schlauch wechselt oder flickt. „Das bringt den jungen Leuten heute keiner mehr bei“, sagt er, „und sie fordern es auch nicht ein.“ Er vermutet, dass der häufige Handy- und Mediengebrauch viele Kinder und Jugendliche davon abhalte, sich mit der Wirklichkeit zu beschäftigen – und sich die Finger schmutzig zu machen. Denn „das bleibt bei der Fahrradreparatur nicht aus“.
Renovieren, basteln, mit Holz arbeiten, Modellbau – „damit bin ich groß geworden“, sagt Michael Kosubek. Sein handwerkliches Geschick ist in der Kirchengemeinde grundsätzlich gefragt. Manchmal hilft er dem Hausmeister, und auch Spielzeug aus der Kindertagesstätte landet für Reparaturen in seiner Kellerwerkstatt.
Einmal im Monat ist auch ein sogenannter Sperrguttag im Stadtquartier. Das heißt: Leute können defekte Geräte bringen und reparierte Geräte günstig kaufen. Michael Kosubek ist dort mit einem Fahrradservice vertreten. Weil das genau nach seinem Geschmack ist: Dinge wieder funktionstüchtig zu machen, die sonst im Müll landen. Zugleich sei es gut für die pastorale Arbeit, auch mal aus dem „Dunstkreis Kirche“ herauszukommen. Seine Kollegen im „Neusi’s“-Repair-Café an der Hochschule Bremen beispielsweise wissen, dass er Theologe ist – „und das wird geschätzt, ich habe noch nie einen dummen Spruch gehört“.
Zur Sache
Das Bike-Repair-Café der Pfarrei St. Franziskus am Standort Pfarrheim St. Hildegard, Alfred-Faust-Str. 45, ist dienstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet, außer in den Ferien und an den Feiertagen. Zurzeit macht das Projekt aber eine längere Pause bis zum Jahresende. Bei Reparatur-Notfällen wird vor Ort entschieden.