Linda-Maria Gall

Erste Priesterreferentin im Bistum Limburg

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Linda-Maria Gall in ihrem Garten
Nachweis

Foto: Christa Kaddar

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In ihrer Freizeit ist Linda-Maria Gall gern in der Natur oder arbeitet im Garten. 

Anfang März 2025 hat Linda-Maria Gall die neu geschaffene Stelle der Priesterreferentin im Bistum Limburg übernommen. Sie ist für 28 Priester zuständig.

Einen typischen Arbeitsalltag? So etwas kennt Linda-Maria Gall nicht. „Als Priesterreferentin kann ich in keine Fußstapfen treten. Da die Stelle im Bistum Limburg neu geschaffen ist, darf ich sie selbst gestalten und meine Erfahrungen machen“, sagt sie. An drei bis vier Tagen in der Woche arbeitet sie in ihrem Büro im Limburger Priesterseminar, ansonsten ist sie im Bistum zu Terminen unterwegs oder arbeitet im Homeoffice in Eltville-Rauenthal.

Im Auftrag von Bischof Georg Bätzing nimmt die 40-Jährige die Dienst- und Fachaufsicht für die kanonischen Pfarrer und Pfarrverwalter im Bistum Limburg wahr. Diese neu geschaffene Aufgabe teilt sie sich gleichberechtigt mit Domkapitular Georg Franz, der als Bereichsleiter im Personalmanagement des Bistums auch ihr Dienstvorgesetzter ist. Die Zuständigkeit für die Priester hat sie sich mit ihm weitgehend territorial aufgeteilt.

Im Personalmanagement leitet Gall bereits seit Anfang 2023 den Bereich „Berufe der Kirche“. Das bedeutet, dass sie Menschen zu Themen wie Berufung und Entscheidungsfindung berät und für den Arbeitgeber Bistum Limburg wirbt. Zu dieser halben Stelle kam nun ihre neue Aufgabe als Priesterreferentin dazu. „Für mich ist es interessant, beide Funktionen auszufüllen“, sagt Gall. „An der einen Stelle werbe ich qualifiziertes Personal für die Kirche an, an der neuen Stelle ist meine Aufgabe, Sorge zu tragen für die Priester.“ Eine zusätzliche Qualifikation zu ihrem theologischen und pastoralen Hintergrund hat sie vergangenes Jahr durch eine berufsbegleitende Weiterbildung zur systemischen Coachin an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz erworben. Systemische Coaches begleiten Menschen beratend und beziehen dabei ihr berufliches und soziales Umfeld mit ein, anstatt nur isoliert auf die jeweilige Person zu schauen.

"Ich kann in keine Fußstapfen treten."

Galls Angebot wird bisher gut angenommen. „Manche Priester sagen: ‚Endlich kommt mal jemand vom Bistum zu mir!‘“, berichtet sie und fügt hinzu: „Aber auch diejenigen, die am Anfang skeptisch waren, öffnen sich. Ich bin positiv überrascht und freue mich.“ Die Gespräche mit den Priestern werden jährlich als Mitarbeitergespräche geführt. „Begleitend dazu hole ich Feedback zum Pfarrer von je einer Person aus dem Pfarrgemeinderat, dem Verwaltungsrat, der Verwaltungsleitung und dem Pastoralteam ein“, erläutert sie.

Ziel der Mitarbeitergespräche ist es, regelmäßigen Kontakt mit dem Pfarrer zu haben und ihn dabei zu unterstützen, zusammen mit dem Pastoralteam zum Wohl der Gemeinde zu arbeiten. So wird beispielsweise gefragt, ob eine Atmosphäre der Offenheit gewährleistet ist, was Stärken und pastorale Schwerpunkte des Pfarrers sind. Sie steht den Priestern auch als Ansprechpartnerin für Kriseninterventionen, die Begleitung von Stellenwechseln und auf dem Weg in den Ruhestand zur Verfügung.

"Ich sah, wie ich mein Hobby zum Beruf machen konnte."

Linda-Maria Gall ist in Stephanshausen im Rheingau, einem Stadtteil von Geisenheim, aufgewachsen. Schon früh hat sie sich mit Begeisterung ehrenamtlich in der Kirche eingebracht. Sie war Ministrantin, Katechetin in Kommunion- und Firmvorbereitung, organisierte Messdienerfahrten und war Mitglied im Pfarrgemeinderat. „Wir haben im Pfarrhaus neben der Kirche gewohnt – die Kirche war mein Zuhause“, erzählt sie. Außerdem spielte sie im Laientheater „Stella Maris“ im Kloster Marienthal mit. Nach ihrer Schulzeit engagierte sie sich als Teamerin bei Besinnungstagen für Schüler. „Als ich dann eine Pastoralreferentin kennenlernte und sie neugierig nach ihrem Beruf und Werdegang befragte, eröffnete sich mir eine Perspektive, wie ich mein Hobby zum Beruf machen könnte. Allerdings war Theologie schon damals nicht ‚in‘ in meinem Freundeskreis.“ Nach dem Abitur im Jahr 2004 entschied sie sich dennoch für ein Theologiestudium. Sie studierte in Mainz und Frankfurt, nach dem Diplom absolvierte sie die Ausbildung zur Pastoralreferentin. In der Zwischenzeit hatte sie ihren Mann kennengelernt und war bereit, mit ihm eine Familie zu gründen. Bei ihrer Aussendung als Pastoralreferentin im Jahr 2012 war sie bereits hochschwanger. Auf die heute 13-jährige Tochter folgten noch drei Kinder, die elf, neun und fünf Jahre alt sind. Vor neun Jahren ist sie mit ihrer Familie von Limburg nach Rauenthal gezogen. Wieder wohnen sie in einem Pfarrhaus in der Nähe der Kirche.

Während ihrer Elternzeit bis 2023 hat sie Religionsunterricht an zwei Grundschulen erteilt. Nachdem sie seit dem vergangenen Jahr durch ihre beiden Stellen Vollzeit arbeitet, hat ihr Mann, der als Pastoralreferent in Wiesbaden tätig ist, seine Stelle auf 50 Prozent reduziert, um sich um die Familie zu kümmern und seiner Frau den Rücken freizuhalten. „Wir fühlen uns sehr wohl in Rauenthal“, sagt Linda-Maria Gall. Ehrenamtlich in der Gemeinde betreut sie das Krippenspiel und ist bei der Sternsinger-Aktion aktiv. In ihrer Freizeit ist sie gerne mit ihrer Familie in der Natur unterwegs. „Ich gehe auch gerne spazieren, denn dabei kann ich meine Gedanken ordnen. Außerdem liebe ich Gartenarbeit und entspanne beim Kuchenbacken.“

Christa Kaddar