Dienstältester Priester im Bistum Osnabrück

Johannes Brinkmann wird 100

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Porträtfoto eines Priesters
Nachweis

Foto: Anna Heidtmann

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Johannes Brinkmann ist Ruhestandsgeisticher in Heede. Jetzt wird er 100 Jahre alt.

Wer Pfarrer Johannes Brinkmann begegnet, spürt vor allem eines: Dankbarkeit und Zufriedenheit. Am 12. Februar begeht der Priester seinen 100. Geburtstag. Er blickt zurück auf ein Jahrhundert, geprägt von Krieg, politischen wie gesellschaftlichen Umbrüchen und einem tiefgreifenden Wandel der Kirche.

Dankbar ist der Geistliche für ein langes, erfülltes Leben – und auch dafür, auch nach mehr als sieben Jahrzehnten priesterlichen Dienstes noch seelsorgerisch wirken zu können. „Gott hat mich mit unendlicher Liebe durch mein Leben geführt“ schreibt der Jubilar in seinen Aufzeichnungen anlässlich seines 100. Geburtstags.

Sein Alltag ist klar strukturiert. Jeden Vormittag feiert er in seiner Wohnung in Heede die Messe. Bibellektüre, insbesondere im Neuen Testament, das Stundengebet und das Rosenkranzgebet gehören ebenso dazu wie tägliche Spaziergänge. „Ich muss in Bewegung bleiben“, sagt Brinkmann. Begleitet wird er dabei von seiner Haushälterin Gaby Schmitz, die sich seit 2002 um ihn kümmert. An vier Nachmittagen in der Woche übt er seinen priesterlichen Dienst als Beichtvater in der Marienkirche aus.

Historisches Bild mit drei Kindern
Zusammen mit seinen Schwestern spielte Johannes Brinkmann als Kind heilige Messe. Repro: Anna Heidtmann

Geboren wurde Johannes Brinkmann am 12. Februar 1926 in Lingen. Dass sein Weg ihn einmal zum Priestertum führen würde, wusste der Sohn eines Lehrerehepaares offenbar schon früh. Mit dem Frisierumhang der Mutter als Messgewand, plattgedrücktem Weißbrot als Hostien und Tee als Messwein spielte er im Elternhaus „Messe“ – auf Deutsch. Seine beiden Schwestern folgten ihm als Messdienerinnen. Im Nachhinein zwei bemerkenswerte Details, denn heilige Messen wurden zu der Zeit auf Latein abgehalten, und Mädchen waren am Altar nicht zugelassen. „Damals war ich der Zeit wohl ein Stück voraus“, sagt Brinkmann heute schmunzelnd. 

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Brinkmann kurzzeitig zum Militärdienst einberufen. „Zum Glück musste ich von der Waffe keinen Gebrauch machen“, blickt er dankbar zurück. Hunger habe er selbst nie leiden müssen, doch die Erfahrung von Knappheit habe ihn gelehrt, die Gaben Gottes zu achten. 

Die Kriegserfahrungen schärften Brinkmanns Sinn für seine Berufung. Er begann ein Studium in Münster. Am 30. November 1950 wurde er mit acht weiteren Diakonen in der Kirche St. Johann in Osnabrück zum Priester geweiht. „Der Dom war damals noch zerstört“, erinnert er sich. In den folgenden Jahrzehnten wirkte der Priester unter anderem 20 Jahre als Diözesan-Frauenseelsorger und von 1981 bis 2000 als leitender Pfarrer der Kirchengemeinde St. Petrus in Ketten in Heede. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand setzte er seine seelsorgerische Arbeit in Heede fort. Für sein Wirken und seine Verdienste um die Gebetsstätte wurde der Geistliche 2006 zum ersten Ehrenbürger der Emsgemeinde ernannt. „Ich habe die Heeder einfach gern“, sagt der Hundertjährige.

Acht Päpste hat Johannes Brinkmann erlebt. Bei seiner Weihe befand sich die Kirche noch in der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Heute, fast 75 Jahre später, hat sich die Kirche grundlegend gewandelt. Die Veränderungen in Kirche und Gesellschaft betrachtet er mit Sorge, aber nicht ohne Hoffnung. „Die Zeiten sind schwierig, besonders für junge Menschen“, sagt er. „Aber ich glaube, dass Gott auch heute Wege öffnet.“ Sein Rat an die jüngeren Generationen ist schlicht: „Nicht zu hohe Erwartungen haben, das annehmen, was kommt, und darin Zufriedenheit finden.“

Mit sich selbst und seinem Leben ist der Hundertjährige im Reinen. „Ich habe Freude am Leben und will auch gerne noch hierbleiben. Trotzdem stelle ich mich langsam auf die Ewigkeit ein“, sagt der Jubilar. „Mein Leben liegt in Gottes Hand – ich lasse mich überraschen von dem, was er wünscht.“

Anna Heidtmann