Veronika Lausch sorgt für ein stilles Zusammenspiel aus Farben, Formen und Bedeutung
Mit Blumenschmuck durchs Kirchenjahr
Foto: Astrid Fleute
Ob in der österlichen Zeit (im Bild), zu Pfingsten oder zur Profanierung der Kirche – Veronika Lausch möchte mit ihren Blumen die liturgischen Texte abbilden und ergänzen.
Drei weiße Kurkumablüten thronen über dem Blumengesteck in der Osnabrücker Heilig-Geist-Kirche. Zwischen zartem Schleierkraut, kleinen gelben Chrysanthemen, geschwungenen Blättern und Blüten ragen sie in die Höhe. Die österliche Zeit im Kirchenjahr – hier blüht sie: „Weiß ist die Farbe der Auferstehung. Und die drei Blüten stehen für die Dreifaltigkeit“, erklärt Veronika Lausch.
Seit sieben Jahren ist die agile Osnabrückerin zuständig für den Blumenschmuck in ihrer Pfarrei. Damit ist sie so etwas wie eine stille Erzählerin in den Kirchen. Denn mit ihren Blumenarrangements möchte die 77-Jährige nicht nur erfreuen und den Kirchraum beleben. Sie führt die Besucher mit ihren Gestecken durch das Kirchenjahr. Dabei denkt sie in Symbolen, orientiert sich an den Schrifttexten, wenn sie wöchentlich Gestecke und Sträuße entwirft. „Manchmal ist es Millimeterarbeit“, sagt sie augenzwinkernd und zupft mit geübten Händen ein Blatt zurecht. Ein stilles Zusammenspiel aus Farben, Formen und Bedeutungen.
Nicht jede Zeit im Kirchenjahr eignet sich für ausdrucksstarken Blumenschmuck
Dass Veronika Lausch ein Faible für Blumen hat, war nicht immer so. „Als unser Pfarrer mich ansprach, ob ich mir vorstellen könnte, mich um den Blumenschmuck zu kümmern, war ich ganz erstaunt“, erzählt sie schmunzelnd. Grüner Daumen? Nie gehabt. Gärtnern? Floristik? Das alles war nicht ihr Ding. Beruflich war sie im medizinischen Bereich tätig. Aber eine Faszination für Liturgie hat Veronika Lausch. Der Glaube ist ihr wichtig. In einer gut gestalteten Liturgie kann sie auftanken. Und Blumen, so betont sie, seien auch ein Teil der Liturgie: „Es ist ein Gesamtkunstwerk.“ Im atheistischen Osten Berlins aufgewachsen, war der aktiven Katholikin der Glaube schon früh in ihrem Leben Halt und Stütze, in der Gemeinde fand sie Gleichgesinnte. „Ich bin immer gern in die Kirche gegangen“, sagt sie.
Auch im Urlaub sucht Familie Lausch stets Kirchen auf. Die Bauwerke faszinieren sie. Heute geht der Blick bei Veronika Lausch dabei zusätzlich in Richtung Blumenschmuck. Wie machen es die anderen Gemeinden? Kann ich Ideen sammeln, etwas lernen? Sie betont: „Die Blumen sollten sich gut an die architektonischen Gegebenheiten anpassen, dem Kirchenraum gerecht werden, damit sie auch gut zur Geltung kommen.“ Mit Büchern, Literatur, viel Ausprobieren und Fachgesprächen mit Blumenhändlern hat sie sich ihr Wissen angeeignet – und vielleicht auch ein wenig verstecktes Talent von ihrer Mutter geerbt, die gerne Floristin geworden wäre.
Mittlerweile entwirft Veronika Lausch kleine Kunstwerke – wenn das Kirchenjahr und die Jahreszeit es zulassen. Nicht jede Zeit im Kirchenjahr eignet sich für einen ausdrucksstarken Blumenschmuck. Sie sagt: „Für die Gestaltung sind die Feste natürlich am klarsten.“ So entspringen Weihnachten in den Kirchen im Osnabrücker Norden oft rote Rosen aus einer Baumwurzel in Anlehnung an das Kirchenlied „Es ist ein Ros entsprungen“. In der österlichen Zeit steht ein alter, vertrockneter Weinstock in der Kirche, verziert mit Blumen als Zeichen des neuen Lebens. Ein kleiner Stein symbolisiert das Grab, aus dem Christus erstanden ist.
Die Liturgie ist ein Gesamtkunstwerk
Veronika Lausch erklärt: „Kleine und große Blüten müssen ausgewogen sein. Zu viele große Blüten machen das Gesteck zu schwer.“ Zur Erstkommunion kreiert sie stets ein fröhliches, buntes Blumengesteck mit einer weißen Blüte in der Mitte als Zeichen für ein Fest der Freude mit Christus. Pfingsten symbolisierte im vergangenen Jahr ein Blumengesteck mit einer großen weißen Proteablüte und sieben kleineren roten Rosen – den sieben Gaben des Heiligen Geistes. Darunter arrangierte Veronika Lausch bunte Blüten als Zeichen für die Gemeinde. Und selbst zur Profanierung der St.-Franziskus-Kirche in Osnabrück vor ein paar Wochen hatte sie eine Idee: Ein großer trockener Zweig Bärenklau stand für den Abschied von der Kirche. Aber Christus als weiße Blüte und viele bunte Rosen als Gemeinde blühten darum herum: Das Leben geht weiter in St. Franziskus, nur anders. Die Kirche wird zu einem Kolumbarium umgestaltet. Auch die Blumen erzählen das.
Dass Veronika Lausch ihre Aufgabe Spaß macht, sieht man ihr deutlich an: „Ich merke, dass es einfach schön ist, mit Blumen etwas auszudrücken. Und natürlich freue ich mich selbst sehr, wenn alles gut gelungen ist.“ Dabei plant sie die Arrangements nicht bis ins letzte Detail. Im Gegenteil. Vieles entsteht spontan – je nachdem, was die Jahreszeit und der Blumenhändler hergeben. Im Sommer nimmt Veronika Lausch beispielsweise oft einfach Orchideen – sie sind langlebig und pflegeleicht. Urlaub von ihrem Dienst hat sie in der Fastenzeit und im Advent: „In diesen liturgischen Zeiten gibt es keine Blumen in den Kirchen.“
Welche Blume ihr am liebsten ist? Die Rose, sagt Veronika Lausch sofort. Sie sei eine der ausdrucksstärksten Blumen – schön und elegant, aber auch zurückhaltend und demütig. „Ein wenig wie Maria“, meint sie und schmunzelt. Und einen weiteren praktischen Aspekt fügt sie hinzu: „Frische Rosen halten sich gut“, erklärt die Blumenfee, die natürlich regelmäßig die Gestecke in den Kirchen kontrolliert und verwelkte Blüten und Blätter austauscht.
In ihrer Gestaltung hat die Osnabrückerin alle Freiheiten. „Das ist auch gut, denn ich weiß nicht immer, was ich bekomme“, sagt sie. So blühen in diesem Jahr im Ostergesteck drei weiße Kurkumablüten statt wie im vergangenen Jahr weiße Rosen. Veronika Lausch ist begeistert: „Ich wusste gar nicht, dass Kurkuma so schön blüht.“ Sie dreht die Blüten leicht ins Licht, wickelt schwungvoll ein Blatt zusammen. Zufrieden schaut sie auf das Gesteck: Alles ergibt Sinn.