Generalvikar Beckwermert erklärt Gründe für Personalwechsel

Das bringt Zeit für neue Aufgaben

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Vier Menschen vor dem Osnabrücker Dom
Nachweis

Foto: Angela von Brill

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Kirchliche Führungsriege: Der scheidende Generalvikar Ulrich Beckwermert (r.) sowie Weihbischof Johannes Wübbe (l.) und Bischof Dominicus Meier 2025 im Gespräch mit Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens.

Osnabrücks Generalvikar Ulrich Beckwermert räumt seinen Posten, bleibt aber Mitglied der Bistumsleitung. Das wirft bei vielen Menschen Fragen auf. Antworten gibt der Geistliche.

Seit 2021 war Domkapitular Ulrich Beckwermert Generalvikar des Bistums Osnabrück. In den nächsten Tagen endet diese Zeit. Dann übernimmt Weihbischof Johannes Wübbe den Posten, Beckwermert unterstützt in Zukunft den Bischof bei den Visitationen der Kirchengemeinden, die kirchenrechtlich vorgeschrieben sind. „Ich bin dankbar, dass mir der Bischof diese Aufgabe übertragen hat“, so Beckwermert gegenüber dem Kirchenboten. Zeitaufwendige Visitationen könne er aber nur machen, „wenn ich mich aus der Verwaltung zurückziehe“.

Dankbar trotz aller Schwierigkeiten

Dankbar blickt er zurück. Von 2017 bis 2021 war er Personalreferent und für den Einsatz von Frauen und Männern in der Seelsorge zuständig. Dann kam er an die Spitze der Verwaltung, war zugleich Stellvertreter des Bischofs. Er erlebte die Finanzkrise, Corona, die Missbrauchsstudie, den Rücktritt von Bischof Bode, die Vakanzzeit, den Start des neuen Bischofs. Es sei eine bewegte und anspruchsvolle Zeit gewesen. „Trotz aller Krisen und Schwierigkeiten bin ich dankbar, das in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden hier im Generalvikariat gestaltet zu haben“, sagt er.

Wenn ein neuer Bischof komme, biete der bisherige Generalvikar seine Mitarbeit an, bis der Neue einen eigenen Verwaltungschef bestimmen könne. „Das habe ich getan, und das hat jetzt auch der Bischof getan.“ Also ein „normaler Personalwechsel“. Und Beckwermert unterstreicht, dass er es begrüßt, dass der Wechsel nicht erst nach „Jahrzehnten“ stattfinde. Da will einer nicht an seinem Stuhl kleben. Sondern raus ins Bistum, in die Gemeinden, hören, was dort geplant, gedacht, gesprochen wird, dem Bischof davon erzählen, damit der dann seine Entscheidungen im Wissen um die Gedanken der Gläubigen fällen kann. Erzählt er davon, kommt Beckwermert in aller Kürze zum Wesentlichen.

Länger redet er da, wenn es um eine weitere Aufgabe geht, die er jetzt übernimmt und die neu ist im Bistum Osnabrück: Bischofsvikar für gesellschaftliche und kulturelle Fragen. Beckwermert hat schon in seiner Zeit als Dompfarrer vor 2017 gute Kontakte zum Theater unterhalten, das auf dem Gebiet der Dompfarrei liegt. Es gab mal eine Theateraufführung im Dom und einen Gottesdienst im Theater. Verbindungen, die ihm wichtig sind. Die aber klare Abgrenzungen zeigen müssten: Er spricht von einem „ungetrennten und unvermischten Miteinander von Kirche und Gesellschaft“, von einer „gemeinsamen Suche nach dem, was uns trägt und hält und in die Zukunft führt“.

Kirche und Welt, das seien keine Gegensätze. „Die Kirche hat sich sehr lange dadurch definiert, dass sie sich von der Welt trennen, abheben wollte“, sagt Beckwermert. Das Zweite Vatikanische Konzil habe dann gewissermaßen versucht, die Welt zu entdecken. „Und ich glaube, dass wir als Kirche die Entdeckung der Welt noch vor uns haben. Und zwar nicht, weil uns die Welt plötzlich so interessant geworden ist, sondern weil diese Grundbewegung unseres Glaubens darin besteht, dass Christus Mensch und damit auch ein Stück Leib geworden ist.“ Daraus entstehe der große Auftrag für die Kirche, immer wieder selbst Mensch und Welt zu werden.

Mit beiden Beinen auf der Erde stehen

Die Kirche stehe vor notwendigen Reformen, die von außen angestoßen werden müssten. „Dafür müssen wir von der Welt lernen, wie es auch schon das Konzil formuliert hat.“ Und für diesen Lernprozess sei es wiederum nötig, als Kirche mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Um, wie es der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer ausdrückte, „mit beiden Beinen im Himmel zu sein“. Daran will Beckwermert arbeiten.

Matthias Petersen