Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandswahlen im November
Passt die Pfarrgemeinderatswahl noch in die Zeit?
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Stimmabgabe: Zurzeit wird der Pfarrgemeinderat per Wahl bestimmt. Alternativen wären möglich.
Ein Zeichen für die Demokratie
„Es ist doch eh nur noch eine Bestätigungswahl, da lohnt sich der ganze Aufwand doch nicht!“ So oder so ähnlich höre ich es immer wieder, kurz bevor die Wahlen zum Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand anstehen. Und ja, die Bereitschaft sich aufstellen zu lassen oder zur Wahl zu gehen, nimmt stetig ab. Nach diesen Aussagen könnten wir es doch einfach sein lassen und auf die weiteren guten projektbezogenen Formate übergehen, die Engagement und Verantwortung für die Kirche fördern.
Für mich stellt eine Wahl aber keinen Widerspruch zu diesen Formaten dar, sondern punktet mit einem entscheidenden Unterschied: Wir stellen ein demokratisches Grundprinzip sicher. Ein Wert, der im politischen und gesellschaftlichen Kontext hoch angesehen werden muss. Bitte auch oder gerade in Kirche!
Dieses Verständnis wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil verankert: das Laienapostolat zu koordinieren und zu fördern und somit Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Gläubigen in der Gemeinde zu sein. Es geht also wirklich um eine „Bestätigungswahl“. Damit werden Personen für ihre Aufgaben legitimiert, egal wie hoch die Wahlbeteiligung ist. Ich spreche engagierten Menschen mein Vertrauen aus.

Es ist also an uns, dass wir mit der Bereitschaft zur Wahl eine Stimme sind oder mit dem Gang zur Wahl den Kandidatinnen und Kandidaten eine Stimme geben. Du hast die Wahl!
// Katharina Abeln, Katholikenratsvorsitzende
Eine passende Form für die Wirklichkeit
Alternativen gehen heißt, neue Wege mutig zu eröffnen – auch bei Pfarrgemeinderatswahlen. Dabei geht es nicht um ein „Dagegen“. Wahlen haben ihren Wert. Und zugleich dürfen wir ehrlich fragen: Geht ein PGR auch anders – jenseits aufwendiger Wahlordnungen und fester Verfahren?
Die Realität in vielen Pfarreien zeigt längst: Oft werden alle, die kandidieren, auch gewählt. Niemand soll „nicht gewählt“ werden – und das ist gut so. Es zeigt, wie dankbar wir für jede und jeden sind, der sich einbringt. Warum also nicht den nächsten Schritt gehen und diese Wirklichkeit in eine passende Form bringen?
Ein möglicher Weg: Wir beginnen mit einem gemeinsamen Gottesdienst. Dort werden die Menschen, die sich im PGR engagieren möchten, sichtbar – und durch die Gemeinde bestätigt und gesendet. Ihr Auftrag entsteht aus Zuspruch, Vertrauen und Gemeinschaft, nicht primär aus einem Wahlakt.
Verbindlichkeit bleibt – aber sie wird anders gestaltet. Menschen können sich für eine selbst gewählte Zeit einbringen, für konkrete Aufgaben oder Themen. Ein Kernteam sorgt für Kontinuität, andere kommen projektbezogen dazu. Es braucht einen Auftrag – aber vielleicht nicht zwingend eine Wahlordnung. Weniger Bürokratie, mehr Vertrauen.

Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum, wie wir den Menschen nahe sein können. „Siehe, ich mache alles neu; schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ (Jesaja 43,19). Vielleicht ist jetzt die Zeit, genau das zu wagen.
// Christiane Becker, Pfarrbeauftragte