Schwerpunkt: Franz von Assisi
Nach 800 Jahren erstaunlich aktuell
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Der Heilige Franziskus: Ausschnitt aus einem Fresko von Cimabue, Assisi
Franziskus und die Armut
Poverello, der kleine Arme. Mit diesem Wort bezeichneten schon Zeitgenossen Franz von Assisi. Die Armut des Sohnes reicher Leute muss sein Kennzeichen gewesen sein: die raue Kutte, der einfache Strick, die bloßen Füße. Von der Hand in den Mund lebten er und seine Bettelmönche, was später zu heftigsten theologischen Kontroversen zwischen der Armutsbewegung und den römischen Eminenzen führte: Hatte Jesus Besitz? Gehörten ihm sein Gewand und seine Sandalen? Ist Besitzlosigkeit gar Ketzerei?
Franziskus wären solche Grundsatzdebatten fremd gewesen. Für ihn war Armut eine Form der Freiheit: Wer nichts hat, hat nichts zu verlieren und kann ganz für andere da sein. Und das gilt nicht nur für materielle, sondern auch für geistige Armut: Demut statt Stolz, Gehorsam statt Eigensinn. „Wer der Größte unter euch sein will, sei der Diener aller“ – Franziskus nahm solche Sätze wörtlich.
„Unsere Ordensgründerin Franziska Schervier hatte viele Parallelen zu Franziskus“, sagt Schwester M. Dolores Haas. „Sie war auch Kind wohlhabender Leute, wurde enterbt und hat alles verloren. Aber wie Franziskus hat auch sie in Armen und Leidenden Jesus gefunden. Das war es ihr wert.“ Schwester Dolores (75) ist Generalsekretärin der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus. „Für uns ist es wichtig, für die Armen da zu sein, aber auch selbst arm zu sein“, sagt sie. Für die Armen da sein, das geschieht im Aachener Mutterhaus beispielsweise durch die Obdachlosenarbeit; 80 bis 100 Gäste werden hier täglich versorgt. „Aber es geht nicht nur um Materielles“, sagt Schwester Dolores. „Armut zeigt sich heute mehr denn je in Vereinsamung, der wir durch Angebote und ein offenes Ohr versuchen entgegenzuwirken.“
Und wie sind die Schwestern selbst arm? „Zum einen haben wir kein persönliches Eigentum“, sagt sie. „Wir verfügen nicht über eigenes Geld und müssen sparsam mit Wünschen wie Kino oder Urlaub umgehen.“ Auch der Platz für die Einzelnen ist bescheiden. „Gäste wundern sich oft, wie groß unser Mutterhaus ist und wie beengt jede von uns lebt.“ Auch der Orden selbst hat – bis auf das Mutterhaus – kein Eigentum. „Das hat unsere Gründerin so vorgegeben.“
Andererseits, sagt Schwester Dolores, sei es schon Franz von Assisi nicht nur um Materielles gegangen: „Armut ist eine Lebenshaltung.“ Dazu gehört, dorthin zu gehen, wo der Orden einen hinschickt. „Ich bin in 52 Ordensjahren an so vielen Orten neu angefangen. Meine Geschwister sagen: ‚Das könnte ich nicht!‘ Aber mich macht es glücklich.“
Armut erleben die Schwestern auch, weil sie weniger werden und älter, weil sie krank oder auf Hilfe angewiesen sind. „Diese eigene Armut anzunehmen, ist nicht einfach“, sagt Schwester Dolores. Und erzählt von ihrem Altenheim in Frankfurt, wo Schwestern, die sonst nicht mehr viel tun können, es sich zur Aufgabe gemacht haben, für andere zu beten. „In der Nähe ist der Frankfurter Dom, in dem täglich Gebetsanliegen angepinnt werden. Jemand holt sie ab und unsere Schwestern nehmen sie in ihr Gebet auf. Sie sagen: Das ist jetzt unser Dienst.“
Die Schwester ist überzeugt, dass diese franziskanische Haltung auch Menschen guttut, die keine Ordensleute sind. „Wir haben oft Gäste bei uns“, sagt sie, „manchmal für Wochen oder Monate. Viele sagen am Ende: Das war eine reiche Zeit. Hier habe ich gelernt, dass ich auch mit weniger glücklich sein kann.“ Eine Verklärung der Armut sei das nicht, „das wäre ganz und gar falsch“, sagt sie. Auch Franziskus habe das Elend seiner Zeit beklagt. „Arm im Sinne des Franz von Assisi ist man freiwillig.“ Schwester Dolores sagt: „Mich persönlich macht dieses Leben reich!“
Franziskus und die Schöpfung
Wer an den heiligen Franziskus denkt, denkt automatisch an die Schöpfung: den Sonnengesang, den Wolf, die Vogelpredigt. „1979 erklärte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron derer, die sich für ökologische Fragen einsetzen, also des Natur- und Umweltschutzes“, sagt Andrea Riedl. „Das hätte ihm sicher gefallen.“ Denn bei seinen wenigen eigenen Schriften nähmen „die Natur, die Schöpfung, alle Kreaturen einen auffallend breiten Raum ein“. Riedl lehrt Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Universität Regensburg. Sie sieht seine Naturverbundenheit, sagt aber auch: „Franziskus war kein Ökologe in unserem Sinn. Die Natur hatte für ihn keinen Selbstzweck. Sie ist vor allem ein Verweis auf Gott, den Schöpfer.“
Im Grunde, sagt Riedl, „ging Franziskus nicht über die damals gültige Seinslehre hinaus“. Danach steht ganz oben der Mensch als einziges vernunftbegabtes Wesen. Darunter kommt die sensitive Welt: die Tiere mit Gefühlen und auch einer Seele. Darunter steht die übrige belebte Natur, also die Pflanzen, und am Ende die unbelebte Natur. „Auch wenn manche Texte oder Legenden so klingen: Franziskus hat keine Tierrechte gefordert und auch nicht, sie auf Augenhöhe zu behandeln“, sagt Riedl. „Und wenn er sich – übertragen in die heutige Welt – dagegen wehren würde, Wälder zu roden, ginge es ihm darum, dass auch Bäume ein Werk Gottes sind, das man nicht einfach zerstören darf.“ Vielleicht sei das eine bleibende Lehre: „Wer sich gegen die Schöpfung richtet, richtet sich gegen den Schöpfer.“
Franziskus, sagt Riedl, war Städter: „Er lebte in der Zeit der ersten Industrialisierung. Die Menschen lebten nicht mehr alle von der Landwirtschaft, sondern Wirtschaft und Handel wuchsen.“ Franziskus selbst kam aus einer Händlerfamilie. „Seine Beziehung zur Natur war nicht mehr so direkt wie in bäuerlichen Gesellschaften.“
Franziskus spricht, sagt die Historikerin, praktisch nie von Nutztieren. Kühe, Schweine, Hühner – alles kein Thema. „Stattdessen gibt es Geschichten über Wölfe, Vögel, Hasen und Regenwürmer.“ Riedl warnt davor, diese Geschichten allzu wörtlich zu nehmen. „Sie sind wie die Gleichnisse der Bibel. Wenn Jesus über den Sämann oder den Weinberg spricht, geht es eigentlich um das Reich Gottes. Und ebenso müssen wir die Franziskusgeschichten allegorisch verstehen.“
Zum Beispiel, wenn erzählt wird, dass er den Vögeln predigte. „Die Vögel sind ein Sinnbild dafür, wie Menschen sein sollten: geduldig zuhören, die Predigt ohne Vorbehalte in sich aufnehmen.“ Sie seien „ein Spiegelbild der Seele“, und die Menschen damals hätten das auch so verstanden.
Ist es also falsch, wenn man Franziskus zum Kronzeugen für christlichen Natur- und Tierschutz macht, gar für Vegetarismus und Veganismus? Doch, das dürfe man schon machen, sagt Riedl: „Man nennt das Rezeption: die alten Texte immer wieder neu zu lesen, zu interpretieren und in jeweilige Situationen zu übertragen.“ Gerade das mache große, starke Glaubenstexte aus: dass sie zeitlos sind und zu Menschen aller Generationen sprechen.
Dass der Heilige heute so populär ist, dazu hat auch Papst Franziskus beigetragen. Gerade in seiner Umweltenzyklika Laudato si’ zitiert er seinen Namensgeber immer wieder, auch viele spätere Legenden über ihn. „So war dieser Papst“, sagt Riedl. „Er hat gerne in Bildern gepredigt, die sich viel besser einprägen als kluge theologische Thesen.“ Und so ist Franz von Assisi heute ein wichtiges Symbol: für die Liebe zur Schöpfung und zu jeder Kreatur, die Gott aus Liebe geschaffen hat.
Franziskus und der Islam
Im Mittelalter prallten Christentum und Islam brutal aufeinander. Zur Zeit des Franziskus lief gerade der fünfte Kreuzzug. Strategisches Ziel war, über die Einnahme Ägyptens nach Jerusalem vorzurücken. Die Belagerung Damiettes am Nildelta war für beide Seiten extrem verlustreich. Franziskus hoffte, durch persönlichen Einsatz das Gemetzel stoppen zu können, und reiste 1219 nach Ägypten. Als sein Friedensappell bei den christlichen Kreuzfahrern nur auf Spott stieß, beschloss er, mit Sultan Muhammad al-Kāmil zu sprechen. Er ließ sich gefangen nehmen und verbrachte mehrere Tage in dessen Lager. „Was bei der Begegnung genau passiert ist, dazu gibt es keine Quellen“, sagt der Kapuziner Niklaus Kuster. Dass die beiden miteinander sprachen, steht aber außer Frage. So ließ ein Berater des Sultans auf seinen Grabstein schreiben, er sei bei den Gesprächen „mit einem christlichen Mönch“ zugegen gewesen.
Sicher sei auch, sagt Kuster, „dass Franziskus mit einem wertschätzenden Bild des Islam nach Hause zurückgekehrt ist“. Ablesen lasse sich das an vielen späteren Aussagen. Beeindruckt habe ihn zum Beispiel, dass die Muslime fünfmal am Tag beten. „In seinen Briefen an die Lenker der Völker und alle Menschen regte er an, nach ihrem Vorbild täglich in den Alltagsgeschäften innezuhalten und Gott zu loben“, sagt Kuster. Die Franziskaner selbst führten daraufhin das Angelusläuten ein: erst abends, später auch morgens und mittags. „Und 1571 wurde es zum Volksgebet der ganzen Kirche.“
Inspirieren ließ sich Franziskus auch von den 99 Gottesnamen des Islam. „Er dichtete eigene Gebete, die Gott in vielen Namen preisen“, sagt Kuster. „Dabei ging er über islamische und katholische Litaneien hinaus, indem er Gott auch mit 23 weiblichen Namen preist.“ Zudem scheint Franziskus die Wendung „inschallah“ gefallen zu haben: Nach seiner Rückkehr benutzt er „Wenn es Gott gefällt“ auffallend oft in Reden und Schriften.
Wie sehr Franziskus den Glauben der Muslime achtete, zeigt sich in seinem Missionsstatut. So sollen die Brüder, die hinaus in die Welt gehen, „weder zanken noch streiten, sondern um Gottes willen jeder menschlichen Kreatur dienstbar sein“ – ein Widerspruch zum Vierten Laterankonzil von 1215, das jede Unterordnung von Christen unter Juden oder Muslime verbot. Konfrontation und heilige Kriege lehnte Franziskus ab. „Er setzte auf friedfertige Begegnung und Dialog“, sagt Kuster. „Er sah die Muslime nicht als Feinde, sondern als Mitmenschen und Mitgeschöpfe, in denen Gottes Geist wirkt.“
Diese Haltung hatte Folgen. „Die Mission der Franziskaner hat früh Impulse gesetzt für den interreligiösen Dialog“, sagt Kuster. Da war es nur folgerichtig, dass Assisi zur Hauptstadt der Weltreligionen wurde. „Als Papst Johannes Paul II. 1986 erstmals dorthin einlud, um für den Frieden in der Welt zu beten, berief er sich ausdrücklich auf Franziskus.“ Beim Treffen 25 Jahre später bekannte Papst Benedikt XVI. ebenso franziskanisch, dass keine Religion und keine Kirche die Wahrheit besitzt: Alle seien pilgernd unterwegs auf dem Weg zu tieferer Wahrheit und umfassenderem Frieden.
Wiederum fünf Jahre später, im September 2016, setzten die Religionen auf Einladung der Franziskaner und der Kommunität Sant’Egidio ein gemeinsames Zeichen gegen pseudoreligiösen Terrorismus. „Indem sich Papst Franziskus diesmal nicht gastgebend, sondern als Teilnehmer unter die Vertreter der Religionen einreihte“, sagt Kuster, „unterstrich er die Geschwisterlichkeit, die alle Menschen und Religionen verbindet.“ Ganz im Sinne seines Vorgängers, des heiligen Franziskus.
Franziskus und das Leid
Das Leben des Franz von Assisi war von Leid geprägt. Es begann, als der junge Mann im Städtekrieg zwischen Assisi und Perugia in Gefangenschaft geriet und sich Krankheiten zuzog, die zeitlebens wiederkehrten – möglicherweise chronische Malaria oder Lungentuberkulose. Regelmäßige Fieberschübe und Atemnot machten viele Pläne zunichte. 1219 erkrankte Franz zudem an einem Trachom, einer entzündlichen Augenerkrankung. Permanentes Tränen, die zunehmende Schädigung der Hornhaut und Lichtempfindlichkeit setzten ihm zu. Ab diesem Zeitpunkt trug er eine besondere Kapuze, die ihn schützen sollte.
Auch das Leben eines Büßers mit strengen Fastenperioden und durchbeteten Nächten schwächte die Gesundheit. Sein Biograf, Thomas von Celano, erwähnt Magen-, Leber- und Milzerkrankungen und Wassersucht. Zudem erblindete Franziskus gegen Ende seines Lebens, konnte kaum noch essen und erbrach Blut.
„Und genau in dieser schlimmsten Phase seines Lebens, als die Mäuse an ihm nagten, dichtete er den Sonnengesang“, sagt der Franziskaner und Klinikseelsorger Christoph Kreitmeir. Bewusst habe Franziskus in sein Lob Leid und Tod eingebettet: „Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die Krankheit ertragen und Drangsal (…) Gelobt seist du durch unsere Schwester, den leiblichen Tod.“
Das Besondere sei, sagt Kreitmeir, „dass Franziskus Leid und Tod hineinholt in die Geschwisterschar von Sonne, Feuer, Erde, Wind“. Gott sei für das eine wie das andere zu loben: „Leid ist nicht nur eine unabänderliche Tatsache, sondern es steckt Sinn darin: Franziskus lernt im Leid die Liebe.“ Er sei „der liebende Mensch, der sein Leid im Blick auf den gekreuzigten Jesus und dessen Liebe zu uns Menschen ertrug und so selbst zum Bild der Liebe für seine Mitmenschen wurde“.
Sichtbar wird das in den Stigmata, den Wundmalen an Händen, Füßen und Seite, die um das Fest Kreuzerhöhung am 14. September 1224 erschienen. „Das brachte Franziskus die Bezeichnung ‚alter christus‘, zweiter Christus, ein“, sagt Kreitmeir. „Er selbst hätte sich aber nie so genannt, er war ein zutiefst demütiger Mensch.“
Der Franziskaner hat ein Buch geschrieben, in dem er auch schildert, wie er in seinem Alltag als Klinikseelsorger das Sterben erlebt – und dass es Menschen gibt, denen das „mit einer Franziskuseinstellung“ gelingt. Die den Tod „als Helfer und als liebenswürdigen Bruder“ erleben. „Oft sind das Menschen, die wie Franziskus viel gelitten haben“, sagt Kreitmeir. „Sie haben gelernt, auf den Tod hinzureifen.“ Natürlich spiele auch der Glaube eine Rolle: „Wie Franziskus sind sie sicher, dass sie nicht ins Nichts fallen, dass sie in die Liebe hineingehen.“
Wer so stirbt, hilft auch denen, die er zurücklässt. Denn anders als Franziskus ist nicht jeder umgeben von tiefgläubigen Brüdern und Schwestern. „Angehörige sind im Wesen und im Glauben höchst unterschiedlich“, sagt Kreitmeir. „Aber wenn sie erleben, dass der Sterbende den Tod als Bruder annimmt, kann ihnen das helfen, den eigenen Weg getröstet weiterzugehen.“ Von Franziskus, der Leid und Tod als Gabe Gottes pries, könne man lernen, „auch das Dunkle zu umarmen“. Dafür müsse man „kein Heiliger sein“. Aber es helfe, getragen zu werden „durch Glaube, Vertrauen, Liebe, Hoffnung und Zuversicht über den Tod hinaus“.
Franziskus und die Pilger heute
Rund fünf Millionen Besucher kommen jedes Jahr nach Assisi. Manche als Touristen für wenige Stunden, andere als Pilger für ein paar Tage. So wie Leserinnen und Leser dieses Magazins, die Anfang September in der Stadt und der Umgebung unterwegs waren. Was haben sie von der Reise mitgenommen?
„Franz ist als Vorname in unserer Familie schon immer gegenwärtig“, sagt einer. Trotzdem sei Franziskus ihm fern geblieben. „Hier in Assisi ist er nähergekommen.“ Das sehen auch andere so. „Hier kann man ihn mit allen Sinnen begreifen“, sagt eine. Wenn man sein Grab besucht, in der Einsiedelei Carceri mit eingezogenem Kopf durch das felsige Gemäuer läuft, wenn man in La Verna die kalten Steine der Höhle anfasst, in die Franziskus sich zum Gebet zurückzog. „Diese Orte zu erleben, hat mich berührt“, sagt jemand. Und: „Ich hatte vorher einiges über Franziskus gelesen, aber durch die Atmosphäre hier in der Stadt habe ich mehr davon verstanden.“
Manche Vorstellung wurde zurechtgerückt. „Ich hatte ein zu romantisches Bild von Franziskus“, sagt eine. „Ich sehe jetzt mehr seine Radikalität.“ Das Wort fällt oft: Radikalität. Manchmal bewundernd, „weil Franziskus sich von Zwängen nicht ausbremsen ließ“. Manchmal skeptisch wegen der „fast fanatischen Grausamkeit gegen sich selbst“. Immer aber in dem Wissen, „dass die Radikalität bei sich selbst gepaart war mit Barmherzigkeit und Menschlichkeit anderen gegenüber“.
Manche motiviert die Konsequenz des Franziskus, „noch mehr für das einzutreten, was ich für richtig halte – auch gegen Widerstände“. Mehrere nehmen den Impuls mit, sich wie Franziskus „mehr Zeit für Ruhe zu nehmen, für das Gebet, für Rückzug“. Auch, um friedfertiger und liebevoller zu leben. „Nur wer mit sich selbst im Frieden ist, kann das an andere weitergeben“, sagt eine.
Mehrere betonen die Liebe zur Schöpfung. „Wenn wir den Sonnengesang beten, ist das Anlass, darüber nachzudenken, wie ich mit der Natur und den Tieren umgehe“, sagt eine. Andere sehen das ähnlich. Von „Dankbarkeit für die Schöpfung“ ist die Rede, vom „Leben im Einklang mit der Natur“, vom Blick auf „die Tiere als Mitgeschöpfe“ und davon, „auch im Kleinen das Göttliche zu sehen“.
Herausfordernd ist die Armut des Franziskus, „schließlich haben wir in einem schönen Hotel gewohnt und gut zu essen bekommen“, sagt jemand. Die Reise sei ein Stachel, „ein bisschen bescheidener zu leben“ und darüber nachzudenken, „ob ich wirklich genug abgebe für die Armen“.
Dass die Bewegung des Franziskus bis heute lebt, finden viele bemerkenswert. „Schon zu seinen Lebzeiten hatte er tausend Mitbrüder, dazu die Schwestern, die Klara gefolgt sind“, sagt jemand. „Wenn man das sieht, sollten wir aufhören, mutlos zu sein, und den Satz ‚Ich kann gar nichts bewirken‘ aus dem Vokabular streichen.“ Zumal, wenn man Gleichgesinnte hat. „Ich finde es beispielhaft, wie Franziskus und Klara sich gegenseitig gestützt haben“, sagt jemand. Ein anderer weist darauf hin, dass Franziskus ein großer Prediger war, ohne studiert zu haben oder Priester zu sein: „Das müsste ein Vorbild für heute sein, dass auch Laien predigen dürfen.“
Und dann ist da das Sterben des Heiligen, sein Hinübergang in die andere Welt. „Ich bin in einem Alter, in dem der Tod nicht so fern ist“, sagt eine Frau. „Mich beeindruckt die Art, wie er mit Krankheit und Tod umgegangen ist.“ Ein anderer, der schon seine Frau in den Tod begleiten musste, sagt: „Ich bete um die Gelassenheit des Franziskus und um die Fähigkeit, loszulassen, wenn es so weit ist.“