Trauerandacht

Opfer einer katastrophalen Sturmflut

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Menschen stehen im Watt und betrachten ein aus Rosen gelegtes Kreuz.
Nachweis

Foto: Marco Chwalek

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Bruder Elija (vorne li.) und Prior Bruder Johannes (re.) gestalteten die Andacht. Rechts hinten ist Umweltminister Goldschmidt zu sehen.

Mitten im Watt, dort wo einst die Kirche von Rungholt stand, wurde dieser Tage der tausenden Opfer einer Sturmflut gedacht, die im Mittelalter die Menschen heimsuchte und die Siedlung untergehen ließ. Mit dabei waren Benediktiner aus Nütschau und der Umweltminister Schleswig-Holsteins, Tobias Goldschmidt.

Mit Kutschen ging es ins Watt. Foto: Marco Chwalek

Rosen liegen auf dem Boden, Grablichter flackern, Weihrauch steigt zum Himmel auf: Es ist ein wenig wie in einer Kirche – nur ohne Kirche. Die Szenerie liegt mitten im Watt. Dort war mal die Kirche von Rungholt. Von ihr ist nichts mehr zu sehen. Aber die tonnenschweren Mauern des Gotteshauses haben eine Art Fußabdruck für alle Zeiten in den Wattboden gedrückt. Mit Hilfe moderner Technik und Holzpflöcken macht Archäologe Bente Sven Majchczack von der Universität Kiel die Kirche wieder sichtbar.

Der Ort befindet sich zwischen der Hallig Südfall und Pellworm, in der Schutzzone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, ein Bereich, der sonst nicht frei betreten werden darf. Dort soll einst Rungholt gelegen haben. Aber während einer Sturmflut 1362 brachen die Deiche, Dörfer wurden zerstört und tausende Nordfriesen verloren ihr Leben. Im Mai 2023 haben Forscher der Universitäten Kiel und Mainz, sowie vom Leibniz-Zentrum für Archäologie und vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (beide Schleswig), die Kirche im Wattboden wiederentdeckt. Drei Jahre später fand nun genau an dieser Stelle eine Trauerandacht für die Sturmopfer statt.

Der Duft von Weihrauchweht über das Watt

Die letzten Meter zur Kirche wurden zu Fuß zurückgelegt. Foto: Marco Chwalek

Für die Trauerfeier waren eigens Prior Bruder Johannes Tebbe und Bruder Elija Pott aus dem Kloster Nütschau an die Nordsee gekommen. Mit Weihrauch umschritten die beiden Benediktinermönche den Umriss der Kirche. „Weihrauch ist ein Zeichen von Würde und wird immer eingesetzt, um etwas zu ehren, um etwas zu würdigen. Und somit wollen wir auch an die Verstorbenen dieser Naturkatastrophe erinnern, dass sie ihre Würde nie verloren haben, auch wenn schon lange keiner mehr an sie denkt, weil wahrscheinlich auch die Angehörigen mit ums Leben gekommen sind“, erläutert Bruder Johannes.

Während der Feier wurde gesungen und für die Opfer der Flutkatastrophe gebetet. Unter den Trauergästen war neben den Forschern auch der schleswig-holsteinische Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Ihn berührte die Trauerfreier sichtlich. „Mich bewegt das Wattenmeer immer, aber als heute die Kirche sichtbar wurde und die Wissenschaftler und die Kirchenleute gesprochen haben, da hat sich das Bild einfach sehr gut zusammengefügt. Wir sind als Menschen Teil der Natur und das ist hier heute sehr sichtbar geworden: wie wichtig es ist, dass wir gut mit der Natur umgehen müssen und dass wir auch Verantwortung füreinander tragen“, so der Umweltminister.

Gedenkveranstaltung war eine Idee der Forscher

Forscher Majchczack zeigt Fundstücke, Kollegin Hanna Hadler eine erläuternde Grafik. Foto: Marco Chwalek

Die Idee für die Andacht kam aus dem Kreise der Forscher und sei ihnen auch ein wichtiges Anliegen gewesen, sagt Wissenschaftler Bente Sven Majchczack vom Cluster of Excellence ROOTS / Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Als wir die Kirche fanden, war es so eine Idee: Irgendwann stehen wir hier und machen so eine Gedenkveranstaltung. Sonst finden wir hier irgendwelche Deichreste oder Warftreste, aber so eine Kirche hat einfach eine ganz andere Bedeutung und deswegen freue ich mich total, dass wir das heute gemacht haben“, so der Archäologe.

Marco Chwalek