Fünf Konzerte am 13. September

Orgelreise durch das Bistum Osnabrück

Image
Mann an der Orgel
Nachweis

Foto: privat

Caption

Herzliche Einladung zum Tag der Orgel: Regionalkantor Jörg Christian Freese stellt drei Instrumente im nördlichen Emsland vor.

Über 50 000 Orgeln gibt es bundesweit – diese Dichte an Instrumenten gilt europaweit als einzigartig. Der deutsche Orgeltag würdigt jedes Jahr im September diese große Vielfalt. Das Bistum Osnabrück macht jetzt zum ersten Mal mit einem eigenen Veranstaltungsprogramm mit. Regionale Kirchenmusiker präsentieren dabei fünf Orgeln. Drei davon stehen im nördlichen Emsland.

Eine der Kirchenmusiker ist Jörg Christian Freese aus Sögel, Regionalkantor für das Dekanat Emsland-Nord und einer der vier Orgelsachverständigen im Bistum Osnabrück. Mit ihm freuen sich auch Ralf Stiewe aus Papenburg, Martin Tigges und Christian Joppich aus Osnabrück auf den Orgeltag am 13. September. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Daniel Skibbe aus Melle stellen sie bedeutende Orgeln aus dem nördlichen Emsland, Melle und Osnabrück vor. Es gibt kleine Konzerte und Informationen über die Geschichte, Fachsimpeleien und einen Blick hinter die Kulissen. Sprich: Die Gäste dürfen auf den Orgelböden auch mal ins Innere der Instrumente schauen. Freese hofft auf viele Besucherinnen und Besucher, die an diesem Sonntagnachmittag die „Königin der Instrumente“ mit ihren unendlichen Klangfarben und großem Tonumfang vielleicht neu kennenlernen können. „Immerhin hat auch die Unesco 2017 Orgelbau und –musik als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt“, sagt Freese.

"Echt faszinierend"

Der gebürtige Aschendorfer hat durch die Nähe zur reichen Orgellandschaft Ostfrieslands schon viele historische Instrumente gesehen und bespielt. Seit 2023 sitzt er auch im Vorstand der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands. Allein in seinem Dekanat Emsland-Nord stehen drei nach seiner Einschätzung sehr bedeutende Instrumente. Wer mag, kann dort auf eine kleine Orgelreise gehen. 

Die beginnt in der Herz-Jesu-Kirche in Neubörger. „Und das ist dort schon echt faszinierend, weil es die einzige noch erhaltene Orgel von Anton Feith in unserem Bistum ist und die zudem gerade frisch restauriert worden ist.“ Freese nennt die Orgel mit einem Schmunzeln und einem Blick auf das Äußere „ein bisschen skurril“. Weil sie anders als gewohnt kein sorgsam verziertes Gehäuse hat, „sondern die Pfeifen stehen praktisch frei und man kann in das Innenleben hineinschauen“. Er erklärt diesen offenen Prospekt mit dem Entstehungsjahr 1933 – die Zeit der „neuen Sachlichkeit“, als Kunstschaffende ihre Werke eher nüchtern-reduziert und ungeschönt gestaltet haben. „Das ist wirklich ein Kleinod.“ Ganz andere Klangkonzepte stehen nach seinen Worten dahinter: „Viele romantische Musiken klingen wunderbar an der Orgel.“ Wobei eines laut Freese immer bedacht werden muss: Die meisten Orgeln sind nicht für Kunstmusik gebaut worden, sondern um eine eifrig mitsingende Gemeinde in einer vollen Kirche zu begleiten. „Die mussten laut und kräftig klingen. Manchmal haben wir heute vielleicht einen falschen Blick auf die Orgel.“

Orgel
Auch die Orgel in St. Johann in Osnabrück wird am 13. September zu hören sein. Die niederländische Firma Flentrop Orgelbouw hat das Instrument vor zwei Jahren neu aufgebaut. Es vereint historisches Materials der Vorgängerorgeln von Georg Slegel (1592) und Johann Adam Berner (1787). Foto: Frauke Mählmann

Wie in Neubörger ist auch das Instrument im benachbarten Börger eigens für die dortige St.-Jodocus gebaut worden: 1861 von Johann Bernhard Kröger. Sie gehört nach seinen Worten zu den ältesten im Bistum, die im Grundbestand noch original erhalten ist. Freese kennt auch die Geschichte hinter der Geschichte. Die Börgeraner hatten damals dem Orgelbauer schon einen Auftrag erteilt – ohne die Zustimmung des Bischofs abzuwarten. „Das gab doch einigen Ärger und Missmut. Wir haben noch den Schriftwechsel aus diesen Jahren.“ Wohl etwas zähneknirschend gab das Bistum sein Einverständnis: „Da war die Orgel auch schon fast fertig.“ Einen kräftigen Klang hat dieses Instrument ebenfalls, aber mit sehr feinen Flöten und einer höchst komplizierten Mechanik im Innern – die sich die Gäste am 13. September selbst anschauen können. „Da steckt ganz viel Tüftelei dahinter und damit kann man rasch zwischen den Klangfarben wechseln.“ 

Ganz weiche Intonation

Eine ganz andere Geschichte bringt die Jardine-Orgel mit, die seit 2023 in der St.-Jakobus-Kirche in Sögel steht. Die ist 1886 von der gleichnamigen Firma für eine Kirche im schottischen Altrincham bei Manchester gebaut worden. Nach Kenntnis von Freese wurden und werden in Großbritannien „leider viele Kirchen geschlossen und die Instrumente darin dann verkauft“. Davon hatte die Sögeler Gemeinde erfahren und die Jardine-Orgel erworben, um das frühere Instrument zu ersetzen. Auch hier gibt es mit unter anderem dreieckigen Pfeifen ungewöhnliche Bauformen zu bestaunen. Mehr noch fasziniert Freese aber der vokale Klang der Orgel mit einer ganz weichen und sanften Intonation. „Sie eignet sich wunderbar dazu, einen Chor zu begleiten.“

Petra Diek-Münchow

Das Programm: Die Kirchenmusiker bzw. Orgelsachverständigen Jörg Christian Freese, Christian Joppich, Daniel Skibbe, Ralf Stiewe und Martin Tigges spielen und erläutern am Sonntag, 13. September, fünf bedeutende Orgeln des Bistums Osnabrück. Der Eintritt ist jeweils frei.

Die Termine: 

15 Uhr in St. Johann, Osnabrück Berner-/Elentrop-Orgel von 1787/2024 

17 Uhr in St. Matthäus, Melle: Klausing-Orgel von 1717/2008-09 

14 Uhr in Herz Jesu, Neubörger: Feith-Orgel von 1933

15:30 Uhr in St. Jodocus, Börger: Kröger-Orgel von 1861

17 Uhr in St. Jakobus, Sögel: Jardine-/Krawinkel-Orgel von 1885/2023

Am 13. September findet zudem der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Geöffnet haben im  Emsland etwa das Gut Altenkamp in Aschendorf, das Schloss Clemenswerth in Sögel und die Gedenkstätte in Esterwegen. Weitere Infos: https://www.denkmalschutz.de/denkmale-erleben/tag-des-offenen-denkmals.html