Zisterzienserabtei im Westerwald

Pater Ignatius ist der neue Abt in Marienstatt

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Pater Ignatius, im Hintergrund der Dom von Limburg
Nachweis

Foto: Christa Kaddar

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Pater Ignatius Fritsch ist der neue Abt der Zisterzienserabtei Marienstatt im Westerwald.

Pater Ignatius Fritsch ist der neue Abt der Zisterzienserabtei Marienstatt im Westerwald. Er sieht sich großen Herausforderungen gegenüber, findet aber, die Menschen brauchen Kraftorte wie Klöster.

Die Abtei habe eine große Strahlkraft. „Der Ort ist schön, viele Menschen kommen, gehen spazieren und zeigen Interesse an unserem monastischen Leben, an der mittelalterlichen Abteikirche oder an unserem Biergarten“, sagt Pater Ignatius Fritsch. Seit Oktober ist er der neue, der 53. Abt des Klosters. Der Konvent der Abtei hatte den 65-Jährigen zum Nachfolger von Abt Andreas Range gewählt, der 2022 mit Erreichen des 75. Lebensjahres von seinem Amt zurückgetreten war. „Der übliche Weg wäre gewesen, gleich einen neuen Abt zu wählen“, sagt Abt Ignatius Fritsch über die lange Vakanz im Kloster. „Dass sie drei Jahre dauern würde, hatten wir nicht geplant, aber wir haben uns Zeit genommen und uns eine Denkpause gegönnt.“

Im Kloster hat er am meisten Freude an den Aufgaben, die er schon als Mönch hatte: beten und arbeiten. Er unterrichtet Musik und Religion an der Klosterschule, ist geistlicher Begleiter und Seelsorger, und als Abt nun auch in besonderem Maße für die alternden Klosterbrüder verantwortlich. „Der Jüngste ist 35, er ist sozusagen ein Einzelkind mit elf Vätern und Großvätern, denn dann kommt ein großer Sprung bis 65, der Älteste von uns ist 91. Ich hoffe, dass ich als Abt hier Stabilität geben kann.“

Altersstruktur im Kloster ist eine große Herausforderung

Auch wenn es an Nachwuchs mangelt: Er meint erkennen zu können, dass es bei jungen Menschen wieder ein stärkeres Interesse am Klosterleben gibt. „Ich habe nirgendwo in der Bibel gelesen, dass wir viele sein müssen“, betont Pater Ignatius und räumt zugleich ein, dass die Alters- und Gesundheitsstruktur, verbunden mit den nachlassenden Kräften der Mitbrüder, die größte Herausforderung darstellt. Es müsse ein Raum für ein geistliches Gemeinschaftsleben geschaffen werden, der dieser Struktur angemessen ist. Er ist überzeugt, dass dies auch mit wenigen Engagierten gelingen kann.

Er will am Grundsätzlichen festhalten und stellt sich die Frage: „Welchen Sinn hat unser Kloster?“ In seiner Antwort bezieht er sich auf Norbert Lohfink, den mittlerweile verstorbenen Bibelwissenschaftler, der früher an der Hochschule St. Georgen in Frankfurt lehrte. „Lohfink sagte, dass die Orden eine Kontrastgesellschaft sein sollten, in der es menschlicher und hoffnungsvoller zugeht, in der die Werte, die wir beschwören, auch gelebt werden. Das bezeichnete Lohfink als die eigentliche Daseinsberechtigung der Klöster“, sagt Pater Ignatius.

Das Kloster biete auch einen Kontrast zur Schnelllebigkeit. „Wir sind ein Pilgerort, ein großer Wallfahrtsort. Es ist zu spüren, dass die Menschen, die zu uns kommen, diesen Ort als Kraftort begreifen, ihn unterstützen und an unseren Gebetszeiten und Exerzitien teilnehmen.“ Aber wie sieht es in zehn Jahren im Kloster aus? „Wenn ich das wüsste!“, antwortet Pater Ignatius. „Wir müssen auch mit dem Heiligen Geist rechnen. Ich hoffe, dass noch Anstöße kommen. Ich jedenfalls will alles tun.“

Von Himmerod nach Marienstatt

Die Abtei Marienstatt im Westerwald
Die Abtei Marienstatt im Westerwald
Foto: Christa Kaddar

Doch warum wurde Pater Ignatius überhaupt Mönch? Er wurde in Gießen geboren, ist in Bad Homburg aufgewachsen und hat Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er am kunstgeschichtlichen Institut der Universität. „Als meine Mutter starb, habe ich meinen Vater eineinhalb Jahre gepflegt, bis auch er starb. Als Einzelkind habe ich das als meine Aufgabe angesehen“, sagt er. „Das war eine prägende Zeit, in der ich den Wunsch entwickelte, den priesterlichen Weg zu gehen.“

In Innsbruck trat er in den Jesuitenorden ein, absolvierte das Noviziat in Münster und wurde im Jahr 1998 in Frankfurt zum Priester geweiht. „Aber die Wege haben sich getrennt, und ich verließ den Orden. Ich gehörte keinem Orden mehr an und arbeitete als Lehrer in Hessen.“ 2011 trat er dem Zisterzienserorden bei und ging ins Zisterzienserkloster Himmerod in der Eifel.

„Ich dachte, ich könnte dort für den Rest meines Lebens bleiben, doch 2017 wurde der Himmeroder Konvent aufgelöst.“ Seitdem lebt er in der Abtei Marienstatt. „Ich habe viele Erfahrungen gemacht und hoffe, dass ich das Kloster Marienstatt in eine gute Zukunft führen kann. Das müssen dann die Mitbrüder beurteilen.“

Christa Kaddar

Die Abtei Marienstatt ist ein mehr als 800 Jahre alter Wallfahrtsort in Streithausen bei Hachenburg im Westerwaldkreis.  Abt Ignatius Fritsch und seine Mitbrüder begleiten Exerzitien für Einzelpersonen und Kleingruppen. Zudem ist die Gemeinschaft in der Seelsorge der örtlichen Pfarrgemeinde „Maria Himmelfahrt“ in Hachenburg engagiert. Das private Gymnasium Marienstatt steht in der Trägerschaft der Zisterzienserabtei Marienstatt. Zur Abtei gehört auch das Marienstatter Brauhaus.