Online-Kampagne „Kirche kann“

Videograf setzt die Bremer Katholiken in Szene

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Filmaufnahmen im Kolumbarium Bremen
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Foto: Anja Sabel

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Andreas Half filmt in der Bremer Kolumbariumskirche St. Elisabeth.

In seinen Videos zeigt Andreas Half, was die Katholiken in Bremen alles können: sich um Obdachlose kümmern oder sich für Kinder und Kranke engagieren. Film-Clips auf moderne Art, mit frischen Ideen. Der Videograf sagt: „Ich selbst kann nicht glauben.“ Aber er schaut mit Sympathie auf die Kirche.

Die Drohne schwebt über „Bethlehem“. Wenig später ist das leise Surren auch über „Kafarnaum“ und „Emmaus“ zu hören. Die Kamera fährt dann an den Urnenkammern entlang. Andreas Half hat ein Auge für ungewöhnliche Perspektiven. „Tiefe erzeugen, das ist die eigentliche Kunst“, erklärt er. An diesem Nachmittag filmt er im Kolumbarium St. Elisabeth im Bremer Stadtteil Hastedt. Gemeindemitglied Werner Kalle hilft ihm bei der Motivauswahl, zündet die Kerzen am Altar an, stellt den Taufbrunnen an, schaltet das Licht ein. Half schaut auf seinen Ablaufplan. Für Außenaufnahmen lässt er seine Drohne zunächst über der Kirche aufsteigen, bevor er sie langsam in den Innenraum lenkt. Einige Mülltonnen draußen stören noch, die werden schnell beiseite geräumt.

Andreas Half, 63 Jahre alt, ist Kameramann und Geschäftsführer der Agentur „Visuelles Marketing“ in Bremen. Der Werbeprofi hat für Fernsehformate gearbeitet, und er produziert Video-Clips für Kunden wie Mercedes Benz und Rinti, einen Hundefutterhersteller. Seit wenigen Monaten auch für die Kirche. Mit halber Stelle, befristet – und ziemlich erfolgreich. Obwohl er seinen Auftraggeber, den Katholischen Gemeindeverband, gleich darauf hingewiesen hat: „Glauben kann ich nicht.“ Aber er schaut mit viel Sympathie auf die Kirche.

Über die Bremer Kolumbariumskirche hat er gründlich recherchiert. Es gibt drei halbhohe Einbauten aus Lehm, sogenannte Dörfer, die nach wichtigen Orten aus dem Leben Jesu benannt sind. Sie beherbergen die Urnenkammern, so dass Verstorbene in Bethlehem, Kafarnaum oder Emmaus bestattet werden können. Eine Deckplatte aus Messing mit den eingravierten Namen und Lebensdaten verschließt die Kammern (siehe auch „Zur Sache“).

Kolumbarium Bremen
In der Bremer Kolumbariumskirche gibt es drei Einbauten aus Lehm, benannt nach wichtigen Orten aus dem Leben Jesu. Sie beherbergen die Urnenkammern. Foto: Anja Sabel

In einer Drehpause, während er eine Zigarette raucht, denkt Andreas Half laut nach. „Mich beeindrucken die Ästhetik, die schönen Urnengräber.“ Deshalb werde er versuchen, diesen Ort so darzustellen, dass die Leute sagen: Tolles Ambiente, da möchte ich auch mal liegen.

Der Kontakt zwischen Halfs Marketing-Agentur und dem Katholischen Gemeindeverband kam schon vor einiger Zeit zustande, als die Bremer Katholiken unter dem Motto „Kirche kann“ eine Online-Kampagne mit kurzen Video-Clips starteten. Instagram- und Facebook-Nutzer erfahren so, wo sich Haupt- und Ehrenamtliche in der Stadt einsetzen. Zum Beispiel in der RaphaelOase, einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige im Bremer Südosten, und in der Johannis-Oase im Schnoor, wo obdachlose Menschen duschen und ihre Wäsche waschen können.

„Kirche kann“ – diese zwei Worte, sagt Andreas Half, „haben mich als rationalen Menschen begeistert, weil sie auf den Punkt bringen, was diese Kirche tatsächlich kann“. Konfessionelle Fragen spielten dabei keine Rolle. „Es geht immer nur um die Sache selbst.“ Inzwischen hat er weitere Clips produziert, etwa über eine von Schülern der St.-Johannis-Schule konzipierte Ausstellung, über katholische Grundschulen, Kitas – und eine Fastenserie mit Propst Bernhard Stecker.

Viele finden Halt im Glauben. Manchmal bin ich ein bisschen neidisch, dass ich das nicht kann.

Letztere setzte er mit frischen Ideen um. Den Satz „Ach, das machen wir einfach alles in der Kirche“ ließ er nicht gelten. „Nein, eben nicht“, sagt Half, „wir können in der Kirche enden, ansonsten gehen wir raus, improvisieren.“ Für eine Szene stellte er den Propst in einen Tunnel, für eine andere ließ er ihn an der Weser entlang laufen. Und ihm fällt auf, wenn Sätze verschwurbelt klingen. „Ich möchte, dass die Menschen neugierig werden und die Scheu vor der Kirche verlieren.“

Die Zahl der Follower, also die Menschen, die den Social-Media-Kanälen der katholischen Kirche in Bremen folgen, hat sich bereits verdoppelt. Allein auf den Clip über die Johannes-Oase gab es 1,6 bis 1,7 Millionen Zugriffe. Dass seine Arbeit so gut ankommt – darüber staunt der Videograf selbst. Denn: „Das ist ja mein Job, mein Alltag.“ Das Ganze macht ihm Spaß, die Zusammenarbeit, das Miteinander „ist mega“. Allein der Gedanke, „dass ich als Atheist versuche, Leute für die guten Dinge der Kirche zu begeistern“, lässt ihn schmunzeln.

Anfangs sei das Arbeitsfeld Kirche absolutes Neuland für ihn gewesen. Er war, wie viele, davon überzeugt, dass diese Institution nicht mehr gebraucht wird. Heute sagt er: „Dass der Missbrauchsskandal alles zerstört, was die Kirche aufgebaut hat, finde ich nicht richtig.“

Ausstellung Bremer Schule
Mit seiner Kamera dokumentiert Andreas Half katholisches Leben in Bremen. Foto: Katholischer Gemeindeverband Bremen/Christof Haverkamp

Andreas Half ist ein toleranter Mensch. „Es stört mich nicht, wenn über Gott geredet wird.“ Im Gegenteil. Was fühlen und empfinden Gläubige? Zum Beispiel bei der Eucharistischen Anbetung in St. Raphael in Bremen, die auch junge Menschen anspricht. Das interessiert ihn. „Viele finden Halt im Glauben. Manchmal bin ich ein bisschen neidisch, dass ich das nicht kann.“

Er bleibt aber professioneller Filmemacher: „Für mich ist die Kirche eine Marke, die ich versuche, nach vorn zu bringen.“ Einmal habe eine Ordensfrau für ihn beten wollen. „Das war angenehm, aber kurz vor der Übergriffigkeit.“ Genau das möchte Andreas Half nicht. „Ich möchte mit keinem meiner Filme übergriffig sein“, betont er. Eine Kirche, die für alle offen ist, die für Nächstenliebe und Miteinander steht – da setzt Half an. „Ich verreiße die Kirche nicht, mache aber auch kein Traumschiff aus ihr. Natürlich könnte ich ein paar Schickimicki- und Spaßvideos machen, dann hast du viele Klicks. Das sind aber nicht diejenigen, die sich wirklich für die Kirche interessieren.“

Andreas Half hat noch viele Ideen. Man könne einen „vernünftigen Youtube-Kanal und einen Podcast mit zeitgemäßen Themen aufbauen“: über Einsamkeit, Diversität, Vorbilder für Jugendliche. Oder mal nachhaken, wofür die Kirchensteuer verwendet wird. Ausprobieren, Chancen nutzen: Dazu möchte Andreas Half ermutigen.

Anja Sabel

Zur Sache

Ein Kolumbarium (aus dem Lateinischen für „Taubenschlag“) greift eine sehr alte Tradition auf, die dem Wunsch entspricht, innerhalb eines Gotteshauses bestattet zu werden. Einst ein Privileg für gekrönte Häupter und geistliche Würdenträger, ist diese Form der Beisetzung heute für jeden möglich, unabhängig von Konfession und Religionszugehörigkeit. St. Elisabeth in Bremen wurde 2020 zur Kolumbariumskirche. Es gibt 605 Einzelkammern und 304 Doppelkammern.