Leben voller Gottvertrauen

Wenn Ordenskonvente schließen müssen

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ältere Ordensfrauen
Nachweis

Foto: Sebastian Hamel

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Sie hinterlassen Spuren, aber auch eine große Lücke: Schwester Burghild, Schwester Berngardis und Schwester Harlinde aus Haselünne (v.l.).

Die Schwestern werden älter, der Nachwuchs bleibt aus: Immer öfter müssen Orden kleinere Konvente aufgeben. Wie jetzt auch in Osnabrück-Haste und in Haselünne. Solch ein Abschied ist oft von Wehmut, Trauer und Dankbarkeit begleitet – und von der Zuversicht, dass es trotzdem gut weitergeht.
 
Osnabrück-Haste

Wie lässt sich Gottvertrauen anschaulich erklären? „Wenn Schwester Ignatia als einzige begleitende Lehrkraft mit etwa 20 Achtklässlerinnen und Achtklässlern samt deren Gepäck mit Zug, Fähre, Zug, U-Bahn, Zug zwei Landesgrenzen passiert und nach England fährt und dabei innerhalb von London während der Rushhour U-Bahn inklusive Umsteigen fährt und darauf vertraut, dass weder Menschen noch Gepäckstücke oder die gute Laune verloren gehen – und es funktioniert!“ 

Schmunzelnd blättern die Lehrkräfte Simone Kassenbrock, Stefanie Riehemann und Klaus Butke durch das kleine blaue Heft mit einer bunten Sammlung von Erinnerungen an die Ursulinenschwestern in Osnabrück-Haste. Anlässlich der Auflösung des Klosters St. Angela haben sie Beiträge gesammelt – einer davon ist die Erinnerung an den Schüleraustausch nach London 1988 voller Gottvertrauen und Optimismus. „Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man mit diesem Vertrauen auf Gott leben und überleben kann, auch mit Blick auf den nun anstehenden Auszug“, sagt Simone Kassenbrock, die wie ihre beiden Kollegen selbst Schülerin und nun Lehrerin an der Angelaschule ist.

Für viele war unser Kloster eine Oase im Stadtteil.

Die Vielzahl der Geschichten zeigt, wie viele Menschen sich mit Schule und Kloster verbunden fühlen. 123 Jahre lebten die Ursulinen in Haste, seit 1854 in Osnabrück. Sie haben mit Ursulaschule und Angelaschule die höhere katholische Mädchenbildung entscheidend geprägt, zeitweise lebten zwischen 80 und 100 Schwestern im Kloster an der Bramstraße.

Dort haben sie Spuren hinterlassen, wie das kleine Heft deutlich zeigt: Da sind Erinnerungen an die „Blütenpracht im Klostergarten“, aus dem nicht wenige Menschen Ableger erhalten haben, die heute als Andenken im eigenen Garten blühen. Da ist die Gastfreundschaft der Schwestern, die offen waren für Besuch und Familien- und Schülergenerationen begleitet haben, da sind „viel Einsatz, Freude und auch Strenge“, mit der sie im Sinne der Ordensgründerin Angela Merici die Ausbildung von Frauen über Jahrzehnte vorangetrieben haben – und da sind „tiefe Freundschaften“, die entstanden und gewachsen sind.

Ordensfrauen Osnabrück
Schwester Ignatia, Schwester Uta und Schwester Ulrike (v.l.), Ursulinen in Osnabrück-Haste. Foto: Thomas Osterfeld

„Warm, familiär, wertschätzend“, so beschreiben auch die drei Lehrkräfte diese besondere Atmosphäre, die sich bis heute auf die Schule überträgt. Selbst Menschen, die von außen kommen, sagen: „Es gibt ihn hier, diesen Geist von Angela.“ Wie er wirkt? Er mache die Schule zu einem Ort, „an dem man gut sein kann und an dem alle willkommen sind“, erklärt Stefanie Riehemann. Mit einem jährlichen Angelatag und einer Schulfahrt an den Gardasee auf den Spuren der Ordensgründerin versuchen sie ganz praktisch diesen Geist wachzuhalten, der sich aber vor allem im täglichen Miteinander in vielen kleinen Dingen zeigt.

Aber auch über die Schule hinaus gibt es Spuren der Schwestern: „Für viele war unser Kloster eine Oase im Stadtteil“, sagt Oberin Schwester Uta. Mit ihren beiden Mitschwestern Ulrike und Ignatia packt sie nun schweren Herzens die Umzugskartons. Sie sagt: „Wir verlassen hier einen Lebensraum, das ist natürlich traurig.“ Sie wollten aber vor allem dankbar zurückblicken und das Kloster aufrecht und froh verlassen – optimistisch und mit Gottvertrauen.

Haselünne

Auch in Haselünne endet eine lange Geschichte: Nach über 160 Jahren verlassen die Mauritzer Franziskanerinnen dort das St.-Vinzenz-Hospital und die katholische Gemeinde. Mit dem Umzug der Schwestern Burghild (84), Harlinde (87) und Berngardis (88) nach Nordwalde im Kreis Steinfurt gibt der Orden seinen letzten Krankenhauskonvent auf. Aus Altersgründen, wie Provinzialoberin Schwester M. Diethilde Bövingloh erklärt.

In der Klinik und in der emsländischen Stadt begleiten Trauer und Wehmut diesen Schritt. Die drei Schwestern hatten Aufgaben in der Pflege, in der Küche und seelsorgliche Dienste übernommen, die Krankenhauskapelle und die dortige Bücherei betreut. „Ihr Abschied reißt ein großes Loch. Wir lassen sie sehr ungern ziehen“, sagt Verwaltungsdirektor Walter Borker. Das ganze Team des Hospitals weiß zudem um die Rolle der Ordensfrauen als moralische Stütze und spirituelle Begleitung – für die Patienten und das Personal. Borker und seine Kollegen in der Krankenhausspitze sahen sie gerade bei der Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen „als Ruhepol“. Diese Begleitung und Unterstützung hat „unser Haus zu einem besonderen Ort gemacht“.

Wir lassen sie sehr ungern ziehen.

Ganz ähnlich äußert sich Pfarrer Ulrich Högemann für die St.-Vincenz-Gemeinde. Er dankt für die im Laufe der Jahre 70 Schwestern, die „auf so vielfältige Weise ihre Charismen und ihre Berufung unter uns gelebt haben – viele mit einer großen Strahlkraft in das öffentliche Leben unserer Stadt und in unsere Pfarrei hinein“. Nach seinen Worten waren die Schwestern immer zur Stelle: bei den Alten und Kranken, bei den Sterbenden und ihren Familien, bei den an Leib und Seele Verwundeten. „Sie haben unserem Glauben – auch unserer Kirche – ein glaubwürdiges und strahlendes Gesicht gegeben.“

Und doch entsteht laut Högemann nun eine Lücke. „Die Kirche von morgen wird klarer erkennen, wie kostbar der Schatz der Berufungen zum Ordensleben ist und war.“ Ein Trost ist dem Pfarrer und der Krankenhausleitung, dass nicht alles wegbrechen wird. Vier indische Schwestern werden weiterhin im Krankenhaus leben und einen Teil der Aufgaben fortführen. Borker: „Der franziskanische Geist, der hier im Hause über so viele Jahre gewachsen ist, wird weiterleben“. (mit KuL)

Astrid Fleute/Petra Diek-Münchow