Dekanatsprozesse im Bistum Osnabrück

Wie wollen wir in Zukunft Kirche sein?

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Martina Kreidler-Kos
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Foto: Bistum Osnabrück/Hermann Pentermann

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Martina Kreidler-Kos ist Leiterin des Seelsorgeamts im Bistum Osnabrück.

In den Dekanatsprozessen, die in allen Dekanaten inzwischen angelaufen und unterschiedlich weit fortgeschritten sind, wird über die Zukunft der Kirche vor Ort diskutiert. Das Schöne daran: Alle können und sollen sich beteiligen.

Was sind die Dekanatsprozesse und was sollen sie erreichen?

Auf Ebene der Dekanate werden derzeit sogenannte Dekanatsprozesse erprobt, um die Konsolidierungsziele unseres Bistums nicht „von oben herab“ in konkrete Maßnahmen zu übersetzen, sondern den Pfarreien die Möglichkeit zu geben, in breiter Konsultation auf regionaler Ebene zu den besten Lösungen zu kommen, wo die knapper werdenden Ressourcen künftig eingesetzt werden sollen. Alle machen hierbei die Erfahrung, die schon den Synodalen Weg geprägt hat: Wie mühevoll, kleinteilig und langwierig solche beteiligenden Beratungsprozesse sind, wie gewinnbringend, stärkend und lösungsorientiert sie aber sein können. 

Konkret geht es darum zu fragen, wie die Menschen vor Ort in Zukunft Kirche sein wollen. Sie sollen inhaltliche Schwerpunkte finden und formulieren, für die sie sich stark machen wollen. Dazu hat das Bistum als Hilfestellung sogenannte „Orientierungspunkte“ erarbeitet, die sowohl auf Gemeinde-, als auch auf Dekanats- und Bistumsebene als Leitplanken dienen sollen.


Wo sind sie bereits gestartet und wie ist das Interesse vor Ort?

Die Prozesse sind bereits in fast allen Dekanaten gestartet und sie sind unterschiedlich weit. Das hat mit vorhergegangenen Prozessen zu tun, so steht das Dekanat Twistringen, das noch unter anderen Bedingungen „losgelaufen“ ist kurz vor dem Abschluss. Dieser wird mit einem Kontrakt zwischen Bistum und Dekanat bekräftigt. Dort kann es also schon bald in die Umsetzung gehen. 

Ebenfalls schon weit sind die Dekanate Bremen und die Grafschaft Bentheim. Das Dekanat Osnabrück Nord ist ebenfalls schon etliche Schritte gegangen, weiterhin das Dekanat Ostfriesland. Die Dekanate Osnabrück Süd, Emsland Süd und OS Stadt befinden sich in der Startphase. Die unterschiedliche Geschwindigkeit rührt daher, dass alle Prozesse von Seiten des Seelsorgeamtes vom Bereich Gemeindeentwicklung/Organisationsberatung umsichtig begleitet werden und dass wir hier die nötigen Ressourcen gut sortieren müssen. Jeder Dekanatsprozess wird aus einem Tandem eines Referenten/einer Referentin aus dem Bereich GO und der jeweiligen Dekanatsreferentin/des Dekanatsreferenten begleitet und von einer Steuerungsgruppe geführt. Diese wird aus Haupt- und Ehrenamtlichen zusammengesetzt, die sich für diese Aufgabe begeistern lassen.

Das Interesse vor Ort ist groß, an manchen Stellen sogar überwältigend. Jeder Prozess beginnt mit umfangreichen Informationen auf einer oder mehrerer Versammlungen, zu denen alle Haupt- und Ehrenamtlichen des jeweiligen Dekanates eingeladen werden.

Wer kann eigentlich alles mitmachen?

Das Gute an den Dekanatsprozessen ist, alle können und sollen sehr gerne mitmachen. Sie leben genau davon, dass Menschen das kirchliche Leben in ihrer Region selbst in die Hand nehmen. Es gibt Vorgaben vom Bistum über Sparziele etwa bei den Gebäuden und beim Personal, aber die konkrete Ausgestaltung dieser Ziele obliegt den Überlegungen und Entscheidungen vor Ort. Diese werden in einem Anfangs- und Abschlusskontrakt gut mit der Bistumsleitung abgestimmt. Auftraggeber ist Bischof Dominicus, vertreten wird er in dieser Sache durch die Leitungen der Abteilung Seelsorge und Kirchengemeinden sowie des Bischöflichen Personalreferates.

Gibt es schon konkrete Projekte und Ergebnisse aus einigen Dekanaten?

Eine konkrete Idee ist die Errichtung sogenannter „EI-Stellen“ (Entwicklungs- und Innovationsstellen) Wenn ein Dekanat gute Ideen vorlegen kann zu einem Thema, das sich dringend entwickeln muss oder ganz neu aufgestellt werden soll, dann können solche Stellen zusätzlich beantragt werden. Wenn die Idee überzeugt! Im Bereich Entwicklungsstellen sind das zum Beispiel die Neuaufstellung der Firmvorbereitung auf Dekanatsebene und neue Ideen in der Firmpastoral. Im Bereich Innovation werden derzeit in den Dekanaten, die schon weiter sind, Ideen zum Fundraising, Engagementförderung oder Seelsorge im digitalen Raum entwickelt.

Wie wird mit den Ergebnissen am Ende verfahren?

Nach dem Abschlusskontrakt soll es in jedem Dekanat in die Umsetzungsphase gehen. Die genannten Abteilungen werden mithelfen, die Umsetzung nachzuhalten. Derzeit überlegen wir noch, in welchen Formen das geschehen könnte. Unser aller Anliegen ist es natürlich, dass die Ergebnisse nicht in den Schubladen landen, sondern die Energie, die jetzt in all den Überlegungen und im „Anpacken“ von Problemen und Entscheidungen freigesetzt wird, auch zu realen Ergebnissen führt. Die Dekanatsprozesse sind dazu da, in Veränderungen zu führen. Und zwar nicht nur deshalb, weil alles weniger wird und das Wenige klug eingesetzt werden sollte, sondern weil Kirche in ihrer Sozialgestalt ein lebendiges Gebilde ist und der Geist Gottes seine Freude an der Gegenwart hat.

Astrid Fleute

Kirche im Umbruch – Dekanatsprozesse im Bistum Osnabrück 

Die Kirche hat innerhalb der Gesellschaft nicht mehr den Stellenwert wie noch vor 50 Jahren, sie verliert an Einfluss und massiv an Mitgliedern. Menschen kommen seltener in die Gottesdienste, die finanzielle Situation ist angespannt. Das Bistum Osnabrück reagiert darauf mit einem Veränderungsprozess. Haupt- und Ehrenamtliche sowie alle, die am kirchlichen Leben interessiert sind, können ihn mitgestalten.

Einen solchen Prozess wird jedes der zehn Dekanate im Bistum in den kommenden zwei Jahren durchlaufen – begleitet von Fachleuten aus den Abteilungen Seelsorge, Kirchengemeinden und dem Bischöflichen Personalreferat. Sie beraten und entscheiden mit den Menschen vor Ort, was verändert werden soll. Zum Beispiel: Wovon trennen wir uns? Welche neuen Schwerpunkte setzen wir? 

Formal ist der Ablauf ist überall gleich. Es geht darum, Zukunftsstrategien zu erarbeiten mit Blick auf pastorale Aufgaben, Personal, Strukturen und Gebäude – vor allem aber die Frage zu klären: Wie kann der Glaube in zehn oder 15 Jahren vor Ort noch gelebt werden? Die Ergebnisse werden unterschiedlich sein, einfach, weil jedes Dekanat anders aufgestellt ist. (asa)