Schwerpunkt zum Motto des Katholikentags

Wir stellen Menschen vor deren Mut etwas bewirkt

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Motto Katholikentag
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Grafik: Bistum Würzburg

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Das Motto des Katholikentags in Würzburg

„Hab Mut, steh auf!“ – so lautet das Leitwort des Deutschen Katholikentags in Würzburg. Aber was heißt das eigentlich: heute Mut zu haben? Wir stellen vier Menschen vor, die es wissen.


Mut zum Protest

Karoline Preisler reckt ein Blatt Papier in die Höhe. Darauf steht „Fight Antisemitism“.  Übersetzt: Bekämpft Antisemitismus. In ihrer rechten Hand hält sie einen Blumenstrauß und die Fotos zweier Männer – israelische Geiseln der Hamas. Im August 2025, als Preisler das Video mit dieser Szene auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichte, waren die Männer noch in der Gewalt der Terrororganisation. Preisler steht am Rand einer propalästinensischen, antisemitischen Demonstration. Eine Frau ihr gegenüber senkt beide Daumen nach unten: Gewalt gegen jüdische Menschen bekämpfen? Das will sie nicht.  

„Das will ich nicht unwidersprochen lassen“ 

Die Juristin und FDP-Politikerin Preisler ist dafür bekannt, dass sie sich mit Botschaften auf DIN-A4-Blättern neben antisemitische oder demokratiefeindliche Demonstrationen stellt oder sogar mitläuft. Meist allein. Sie protestiert gegen Gewalt an Jüdinnen und Juden, gegen Frauenfeindlichkeit und gegen Rassismus. Auf ihrem Instagram-Kanal zeigt sie Bilder wie das neben einer rechtsextremen Demo. Auf ihrem Schild steht „Das ist Quatsch“ – mit einem Pfeil zu den Nazis. Ein anderes Foto zeigt sie inmitten wehender rot-weiß-schwarz-grüner Palästina-Flaggen. Sie hält ein Schild mit der Aufschrift „Bis zur letzten Geisel“.

Karoline Preisler und Josef Schuster
Karoline Preisler mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Foto: imago/epd

Mit ihrem Protest bewirkt sie, dass die Straße nicht allein den Antisemiten, Rechtsextremen oder Frauenfeinden gehört. „Die Menschen glauben, sie vertreten eine weitverbreitete Meinung. Sie glauben, dass Juden schlechte Menschen seien. Das will ich nicht unwidersprochen lassen“, sagt Preisler. Sie wird von anderen Demonstrierenden fotografiert, die Bilder kursieren in sozialen Medien. Viele bewundern sie für ihren Mut. Auf ihrem Instagram-Kanal folgen ihr über 51 000 Nutzerinnen und Nutzer. 

„Ein Schild halten geht immer“

Seit ihrer Jugendzeit in der evangelischen Jungen Gemeinde in der DDR geht Preisler zu politischen Versammlungen, um Gegenrede zu halten, wie sie es nennt: „Ich glaube, es ist sinnvoll, dahin zu gehen, wo man nicht einverstanden ist, weil Demokratie Debatte braucht.“  Bis heute prägt sie die Erfahrung, „dass friedlicher Protest zu einem Ergebnis führt“, wie 1989 zum Ende der SED-Diktatur.

Vor allem will sie nicht vorbeigehen, wenn etwas für sie nicht in Ordnung ist. Preisler sagt, es sei ein Akt der Nächstenliebe, anderen beizustehen, und auch eine demokratische Verpflichtung. „Darauf hinzuweisen, dass Menschen in großer Not sind, fällt mir leichter als den Betroffenen. Also tue ich es für sie“, sagt sie. Sie will die Meinungsfreiheit und die Sicherheit nutzen, die sie in Deutschland hat. „Die Frauen im Iran würden auch gerne die Regierenden kritisieren, aber sie werden dafür hingerichtet“, sagt sie. „Ein Schild halten geht immer.“

Demo in Berlin
Pro-Palästinensische Demo. Foto: imago/Carsten Thesing

Leicht aber fällt es ihr nicht. „Ich habe schon manchmal ein mulmiges Gefühl“, sagt sie. Sie geht oft mit blauen Flecken oder Verletzungen nach Hause. Auf der Pro-Palästina-Demo im August versuchten zwei Demonstrierende, ihr die Schilder zu entreißen, und verletzten sie an der Hand. Sie wird angeschrien, bespuckt, getreten oder geschlagen – bevor die Polizei die Gewalttätigen von ihr entfernt. Damit sie auf Gewalt nicht mit Gewalt antwortet, hält sie in der freien Hand einen Blumenstrauß. „Sonst entstehen vielleicht Bilder, die alles, was ich vorher erarbeitet habe, kaputtmachen würden“, sagt sie. 

Manchmal hört sie auf ihre Angst. Wenn sie merkt, dass die Stimmung auf einer Demo eskaliert, wenn die Polizei genug damit zu tun hat, andere vor Verletzungen zu schützen, dann zieht sie sich zurück, packt ihr Schild ein und fährt nach Hause. 

Doch schlimmer findet sie meist das schlechte Gewissen, das einen plagt, wenn man nicht widersprochen hat: „Bei solchen demokratiefeindlichen, judenfeindlichen, frauenfeindlichen Sachen will ich nicht mehr hinterher stundenlang darüber nachdenken: Hättest du mal.“ Sie hat gelernt: „Mut ist wie ein Muskel, den man trainieren kann.“ Und geht zur nächsten Demo.

// Barbara Dreiling


Mut zur Selbstständigkeit

Marko Schumacher fand, er hatte einen Traumjob. Er war Sportredakteur bei der Stuttgarter Zeitung, berichtete über den VfB Stuttgart und die Fußball-Nationalmannschaft, reiste zu Welt- und Europameisterschaften. Ein exzellenter Schreiber war er auch – und unter Kollegen aus ganz Deutschland enorm beliebt. Dann aber kündigte er seinen Vertrag. Verzichtete auf die Sicherheit der unbefristeten Festanstellung und stürzte sich in ein Abenteuer. Im Alter von 50 Jahren eröffnete er ein Café.

„Für mich fühlt sich das nicht verrückt an“ 

Was ihn dazu trieb? Zum einen merkte er, wie die Zeitungsbranche sich veränderte: Überall wurde gespart, schnelle Schlagzeilen zählten zunehmend mehr als ausgeruhte Analysen. Zum anderen hatte er immer schon gedacht: „In meinem nächsten Leben werde ich Koch und mache einen eigenen Laden auf.“ Nun hatte er Lust, diese Idee zu verwirklichen. 

Café & Bar
Das Café von Marko Schumacher. Foto: Rafael Kroetz

Viele Menschen, so erzählt Schumacher, hätten die Hände überm Kopf zusammengeschlagen und gesagt: „Wie kannst du nur? Was ist, wenn du krank wirst? Sei doch nicht so verrückt, du hast vier Kinder!“ Er entgegnete: „Für mich fühlt sich das nicht verrückt an.“ Mutig aber schon, klar. Alles war offen: Würde er mit dem Café genug Geld verdienen? Würde er ein guter Chef und Unternehmer sein? Würde die Familie leiden, wenn er all seine Energie darauf verwendet, den Laden ans Laufen zu kriegen?

„Es ist irre, wie das funktioniert“

Im August 2022 hat Schumacher das Café eröffnet und heute, fast vier Jahre später, sagt er: „Wir sind vom ersten Tag an fast schon überrannt worden von Gästen.“ Ihr Café, das Gottlieb, liegt in Cannstatt – in dem Kiez, in dem Schumacher und seine Frau seit über 20 Jahren wohnen. Sie wollten, dass es ein Treffpunkt fürs ganze Viertel wird. Schumacher sagt: „Es ist irre, wie das funktioniert.“ Das Publikum sei bunt gemischt – vom Kleinkind bis zur Großmutter, von der Frau mit Kopftuch bis zum Hipster. Und viele junge Familien. „Alles entspannte, nette, großzügige Leute. Mega toll.“ Auch aus anderen Ecken der Stadt kämen mittlerweile Menschen, die vom Gottlieb gehört haben.

Marko Schumacher
Marko Schumacher. Foto: Rafael Kroetz

Durch seinen Mut und seine Leidenschaft hat Schumacher sein Projekt zu einer Erfolgsgeschichte gemacht. Er beschäftigt mittlerweile 16 Festangestellte in Küche und Service, sein Café hat jeden Tag geöffnet und bietet auch mal Live-Musik und Podiumsdiskussionen an. „Das ganze Projekt ist viel, viel größer geworden, als ich mir das am Anfang hätte vorstellen können“, sagt Schumacher. „Es ist fast schon eine Institution geworden. Alle klopfen einem auf die Schulter. Aber der Erfolg hat auch seinen Preis.“ In den ersten zwei, drei Jahren war er ständig mit dem Gottlieb beschäftigt und hatte wenig Zeit für seine Kinder: „Da hat die Familie gelitten.“ 

Mittlerweile, sagt er, sei das besser geworden. Aber nach wie vor bestimmt Schumachers neuer Job das Leben seiner Familie stärker, als es sein alter Job getan hat. Wenn er und seine Frau durch ihr Stadtviertel laufen, treffen sie ständig Gäste, sagen hier Hallo, halten dort ein Schwätzchen. Da muss er immer mal wieder überlegen, wo er Grenzen zieht. Auch für Freunde, sagt Schumacher, bleibe wenig Zeit.

Bereut aber hat er seinen Mut zur Veränderung nie. Er mag es, Verantwortung für seine Angestellten zu tragen und seine Gäste glücklich zu machen – durch leckeres Essen, gute Getränke und ein freundliches Wort. Und er genießt es, einen Ort geschaffen zu haben, für den viele Menschen dankbar sind. Er mag ihn selbst sehr gern. Schumacher sagt: „Manchmal muss ich mich zwingen, nicht zu oft da zu sein.“

// Andreas Lesch


Mut zur Entwicklungshilfe

Eigentlich wollte sie nur ein Jahr bleiben. Nach der Schule, mit 18 Jahren, reiste Chiara Katende nach Uganda. Sie wollte soziale Projekte unterstützen, in einem Kinderheim arbeiten. „Aber schon, als ich aus dem Flieger gestiegen bin, wusste ich irgendwie: Hier bleibe ich länger.“ Was passieren würde, konnte sie nicht ahnen. Auch nicht, wie viel Mut das kosten würde.

In dem Kinderheim, in dem Katende damals arbeitete, herrschten schlimme Bedingungen, erzählt sie: „Die Erzieher hatten ihre Lieblingskinder und der Rest wurde vernachlässigt. Die haben kein Essen bekommen und wurden nicht versorgt.“ Katende wollte diesen Kindern helfen, wusste jedoch nicht, wie. Sie konnte kaum ertragen, wie es ihnen ging: „Viele waren drogenabhängig und sind in größter Armut aufgewachsen.“

„Das hat so viel Mut gekostet“

Eines Tages machte sie eine Touristenreise mit einem Reiseleiter und kam durch ein Dorf, in dem indigene Menschen lebten. „Eine diskriminierte Minderheit in Uganda“, sagt Katende. „Wie sie da gelebt haben, war richtig schrecklich. Sie lebten in Häusern in der Größe von Esstischen. Alles war voller Müll.“ Auch hier wollte sie unterstützen und wusste nicht, wie.

Chiara Katende
Chiara Katende. Foto: privat

Sie informierte sich und gründete kurzerhand „Local Kid“ – eine Nichtregierungsorganisation, aus der zwei Kinderheime und eine Schule hervorgingen. „Alle sagen mir seitdem immer wieder: Boah, wie mutig du bist, dass du im Ausland sowas auf die Beine gestellt hast“, erzählt sie. Katende aber findet: „Das, was wirklich Mut gekostet hat, kam ja erst.“ Nicht die Entscheidung, nach Uganda zu gehen oder dort zu bleiben, sei mutig gewesen. Und auch nicht, in dem fernen Land eine Organisation zu gründen, sagt Katende: „Mut habe ich gebraucht, um weiterzumachen – trotz allem, was dann passiert ist.“  

Sie lernte einen Mann kennen, verliebte sich, heiratete, wurde schwanger. Dann adoptierte sie zwei Kinder, die nach einem Todesfall ohne Familie dastanden. Ihr Ehemann sagte: „Entweder die oder ich.“ Katende entschied sich für die Kinder und reichte die Scheidung ein. Und sie zog vor Gericht und zeigte den Mann an. Denn er habe, so erzählt sie, Verträge gefälscht, sich die Organisation unter den Nagel reißen wollen, an ihr Geld gewollt. „Ab da wurden mir mit jedem Schritt, den ich tat, Steine in den Weg gelegt“, sagt sie. Denn in Uganda gehöre es sich für Frauen nicht, gegen den Mann aufzubegehren. „Er hatte darauf gesetzt, dass ich unseren Sohn nehme, das verlorene Geld als verloren ansehe und zurück nach Deutschland gehe“, sagt Katende. „Aber nicht mit mir.“ 

Immer wieder stand sie vor Gericht. „Das hat so viel Mut gekostet, trotzdem weiterzukämpfen.“ Doch sie habe für ihre Rechte als Frau in einem Land kämpfen wollen, in dem Frauen noch oft von Männern unterdrückt würden. „Eine selbstständige Frau wird vom Mann als Gefahr angesehen. Es geht um Selbstbestimmung“, sagt Katende, die heute 28 Jahre alt ist. Sie machte selbst dann weiter, als ihr Ex-Mann versuchte, sie mit Gewalt einzuschüchtern. 

Einmal landete sie im Gefängnis, weil ein falscher Fahndungsbefehl ausgestellt wurde. Die Beamten, erzählt sie, seien von ihrem Ex-Mann bestochen worden. „Und trotz allem habe ich weitergemacht, auch weitergearbeitet“, sagt Katende. „Für diese Menschen, denen ich ja versprochen hatte zu helfen.“

Dabei hatte sie Angst, wie sie heute zugibt. Schließlich war sie jung und alleinerziehend. Sie kümmerte sich um drei Kinder, zwei Kinderheime, eine Schule – in einem fremden Land. Sie nahm ihren Mut zusammen, zog die Kinder groß, renovierte die winzigen Häuser im Dorf der indigenen Bevölkerung, beschaffte Spenden für die Hilfsorganisation. Gewann den Rechtstreit. „Ich weiß nicht, wie ich das alles geschafft habe“, sagt sie heute. Irgendwie habe sie einfach weitergemacht. „Und dann kam der Burnout.“  

Darum kehrte sie für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Nahm eine Auszeit, ging in Therapie. Die Familie half ihr mit dem kleinen Sohn, die zwei älteren Kinder blieben in Uganda und gingen auf ein Internat. Als es ihr besser ging, flog sie wieder nach Uganda und machte weiter, wo sie aufgehört hatte. Doch sie achtete nun mehr auf sich. Nur so, sagt Katende, könne sie den Kindern, vor allem den jungen Mädchen in Uganda weitergeben, was auch ihr Kraft gegeben habe: den Mut zur Selbstbestimmung. „Trotz allem.“

// Lisa Discher

 

Mut zu Kindern trotz Krankheit

Andreas Große Halbuer war 40 Jahre alt, als bei ihm Parkinson diagnostiziert wurde. „Damals war ich in der Rushhour des Lebens“, sagt er. Er arbeitete als Journalist, seine Frau Steffi als Diplomatin in Brüssel. „Wir waren ständig unterwegs, immer in Eile.“ Wahrscheinlich schoben deshalb er und diverse Ärzte seine körperlichen Symptome lange Zeit auf Stress. Was falsch war, wie Große Halbuer kurz vor Weihnachten 2012 erfuhr.

Wie geht man damit um? „Ich wollte möglichst wenig Veränderung“, sagt er. „Weiterarbeiten war mir ganz wichtig. Außer dem engsten Kreis wusste niemand davon.“ Aber die Angst vor der Zukunft war da. „Als ich die Diagnose bekam, saß im Wartezimmer ein Patient sehr elend im Rollstuhl“, sagt Große Halbuer. „Ich dachte: Würde ich auch bald so dasitzen?“ Parkinson ist nicht heilbar. Und wird schlimmer. Da braucht es Mut, um nicht aufzugeben.

„Wir haben das einfach durchgezogen“ 

Am mutigsten war wahrscheinlich die Entscheidung, Kinder zu bekommen. „Kinder gehörten immer zu unserem Lebensplan“, sagt Große Halbuer. „Den Traum wollten wir nicht aufgeben.“ Ein Gentest ergab, dass seine Variante „dem Himmel sei Dank“ nicht erblich ist. Trotzdem war klar, dass die Kinder ihren Vater als krank und schwach erleben würden. Und dass sie ihn vielleicht irgendwann verlieren würden. „Unser Horizont waren 20 bis 25 Jahre“, sagt Große Halbuer. „Aber ehrlich gesagt haben wir die Zukunft nicht groß diskutiert. Wir haben das einfach durchgezogen.“

Andreas Große Halbuer
Andreas Große Halbuer. Foto: Benjamin Zibner

2015 und 2017 kamen die Töchter zur Welt und schon jetzt „können sie vieles besser als ich“, sagt ihr Vater. „Sie laufen mir davon, sie bringen mir manchmal Tabletten, oft komme ich kaum noch zu Wort, auch weil das Sprechen schwerer wird.“ Trotzdem ist er sicher: „Kinder zu bekommen, war die beste Entscheidung überhaupt. Die beiden sind fantastisch, sie geben so viel Kraft.“ Sie motivierten dazu, „jeden Tag, jede Sekunde intensiv zu nutzen und keine Zeit für Nichtigkeiten zu verschwenden“. Und was den Mut betrifft: „Meine Frau ist die Mutige. An ihr bleibt schließlich das meiste hängen.“

Große Halbuers Krankheit schreitet nicht besonders schnell voran. Doch als die Wirkung der Medikamente nachließ, fragte ein Arzt: „Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, sich operieren zu lassen?“ Er meinte die relativ neue Methode, im Gehirn Elektroden zu platzieren. „Ich hatte gewaltige Angst vor diesem Eingriff“, sagt Große Halbuer. Zumal die Risiken nicht klein sind und der Erfolg nicht sicher. Aber das sei ja gerade Mut: „etwas zu wagen, ohne zu wissen, wie es ausgeht“. So wurde in der Corona-Zeit an der Berliner Charité „das Ding in seinem Kopf“, wie er es nennt, implantiert. 

Zuvor musste er allen Mut zusammennehmen und bei seinem Arbeitgeber, dem Magazin Focus, alles erzählen. „Endlich die Wahrheit zu sagen, war eine Erlösung“, sagt Große Halbuer. „Die Kollegen hatten es ja längst bemerkt. Dass etwas nicht stimmte, war nicht zu übersehen und zu überhören.“ Trotzdem war es ein Wagnis:  Journalismus ist – gerade in der Politik – ein schnelles Geschäft, und Geschwindigkeit ist schwer mit Parkinson. 

Weil die Sache nun bekannt war, schrieb er 2023 eine große Geschichte über „Das Ding in meinem Kopf“ und wie es ist, mit Parkinson zu leben. Der Reporterpreis, die wichtigste Auszeichnung im Journalismus, machte Mut für den nächsten Schritt: ein Buch. Kürzlich ist es im Ullstein-Verlag erschienen. „Ich wollte berichten aus der Welt der chronisch Kranken“, sagt Große Halbuer. „Ich wollte beschreiben, wie es da zugeht.“ „Mich nachts hinzusetzen, alles noch einmal zu durchleben, die ganzen Gefühle hochkommen zu lassen, das erforderte viel Kraft. Und die Krankheit in ihrer Schonungslosigkeit zu schildern, ehrlich zu sein, das brauchte wohl auch ein wenig Mut.“ 

Für die Reaktionen auf das Buch ist er dankbar. „Ich war in Leipzig bei der Buchmesse“, sagt der heute 53-Jährige. „Ich habe Bücher signiert und habe mit Lesern sprechen dürfen. Es tut gut, was da an Schönem auf einen niederregnet.“ Was zeigt: Mut lohnt sich. Jeden Tag neu.

// Susanne Haverkamp

Der Katholikentag 2026 in Würzburg

Der Termin: Der 104. Deutsche Katholikentag findet vom 13. bis 17. Mai in Würzburg statt. Die Veranstalter erwarten rund 30 000 Dauerteilnehmer.

Das Leitwort: „Hab Mut, steh auf!“ – das Zitat stammt aus dem Markusevangelium. Es soll Menschen Mut machen, ihrem Glauben zu folgen und sich für eine Gesellschaft ohne Hass und Hetze einzusetzen.

Die Gäste: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben sich für Podien angekündigt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sind ebenso dabei wie Astrophysiker Harald Lesch. Die AfD ist erneut nicht zu Podien eingeladen worden. Katholiken, die die Partei wählen, sollen aber Gesprächsmöglichkeiten erhalten.

Die Themen: Diskutiert werden soll über Demokratie, Klimakrise, Krieg und Frieden. Zudem gibt es zahlreiche Kulturveranstaltungen, rund 60 Gottesdienste und 150Veranstaltungen im „Zentrum Bibel und Spiritualität“.