Erfurter Bistumswallfahrt 2025
Gottes Einladung in eine liebende Beziehung
Fotos: Markus Bien
Die Nähe Gottes spüren, Gemeinschaft erleben – das ist das Ziel vieler Gläubiger, die sich zum Pilgern aufmachen. Albert Scheible und seine Freunde leben dies vor. Als Gruppe von 14 Frauen und Männern nehmen sie an der Erfurter Bistumswallfahrt teil. Das Besondere: Scheible kommt aus Dietingen in Baden-Württemberg, seine Begleiter aus Österreich, den Niederlanden, vom Niederrhein, aus Stuttgart oder vom Bodensee. „Wir haben uns auf dem Jakobsweg kennengelernt“, erzählt Scheible, „seit zehn Jahren pilgern wir zusammen. Jedes Jahr treffen wir uns.“ Weil eine Frau aus der Gruppe aus Heiligenstadt stammt, lud sie kurzerhand alle zur Wallfahrt nach Erfurt ein. „Sie singt im Projektchor oben auf den Dom-stufen mit“, berichtet Albert Scheible nicht ohne Stolz.
Dann erklingt die „Gloriosa“ aus dem Dom St. Marien. Der beeindruckende Klang der Glocke lässt die Menschen verstummen. „Gott lädt uns in eine herzliche, liebende Beziehung ein“, sagt Bischof Ulrich Neymeyr in seiner Predigt. „Es liegt an uns, dieses Angebot anzunehmen.“ Hoffnung vorleben und verbreiten, sei eine lebenslange Aufgabe, erklärt er. Nun wird der Oberhirte des Bistums Erfurt sehr konkret: „Christen machen nicht mit bei Hassreden, besonders nicht bei antijüdischen“, betont Neymeyr. „Wer Juden angreift, greift unsere älteren Geschwister an“, mahnt er. Die mehreren tausend Gottesdienstteilnehmer applaudieren. Der Bischof sagt noch mehr: „Wir schützen den ungeborenen Menschen als Gottes Geschöpf. Aber Lebensschutz gilt auch am Ende des Lebens. Gott entscheidet, wann das Herz aufhört zu schlagen.“ Trotz so vieler Weltkrisen gelte: „Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.“
Hoffnungsvolle Denkanstöße aus anderen Zeiten
Nach dem Gottesdienst laden Veranstaltungen zum Zuhören, Schauen, Mitmachen ein. In der St. Severi-Kirche neben dem Dom zeigt eine kleine Ausstellung unter dem Titel „Christliche Botschaften“ Plakate, die seit den 1960er Jahren unter schwierigen Bedingungen in der damaligen DDR entstanden sind. Aus gläubiger Sicht sollten damals öffentlich sichtbare Denkanstöße für Kirche und Gesellschaft entstehen. Entworfen als Gemeinschaftswerk Erfurter Theologen und Laien und dank einer Druckvorlage des Grafikers Jochen Schink vervielfältigte der Erfurter Werbemaler Werner Karolewski mit Hilfe seiner ganzen Familie die Plakate mühevoll in Handarbeit in der eigenen Wohnung. Dessen Söhne Klaus und Markus bewahrten die noch existierenden Exemplare rund 60 Jahre auf. Nun sind sie – viele noch immer erstaunlich aktuell – erstmals öffentlich zu sehen und zwar bis zum 26. Oktober in der St. Severi-Kirche.