Anstoß 10/2026

Wiborada

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Aus heutiger Sicht ein unmögliches Leben: zehn Jahre freiwillig eingemauert als Inklusin, dennoch in wachem Austausch mit der Welt, als Ratgeberin für Mächtige, als Zuhörerin für Menschen in Not.

Porträtbild von Angela Degenhardt
Angela Degenhardt
Gemeindereferentin in der Pastoralregion Burgenlandkreis (Naumburg-Weißenfels-Zeitz)

Als einziges Opfer eines Überfalls ungarischer Reiter auf die Stadt St. Gallen starb die heilige Wiborada am 2. Mai 926 vor 1100 Jahren als Märtyrerin. Wiborada hatte den Überfall weitsichtig vorhergesehen und Kloster und Stadt gewarnt. Dass man auf sie gehört hat, ist ein Wunder für sich: Menschen, Handschriften und der Klosterschatz waren rechtzeitig in Sicherheit.

Obwohl sie die erste heiliggesprochene Frau der Welt war, ist Wiborada neben den beiden männlichen Stadtpatronen Gallus und Othmar aus dem Blick geraten. Seit etwa 15 Jahren entdecken Menschen in St. Gallen sie intensiv neu und suchen in ihrem Leben nach Impulsen für heute.

Als Pilgerinnen auf den Spuren kühner Frauen begegneten wir vor genau einem Jahr der Geschichte eines erstaunlich selbstbestimmten Lebens als Frau ihrer Zeit. Für je einer Woche taten es ihr in den letzten Jahren Menschen nach und zogen für eine Woche in eine neu errichtete Klause an der Kirche St. Mangen. Sich auf Gott und die innere Begegnung mit ihm ausrichten und zum Zuhören da sein wie Wiborada damals. Ein ungewöhnlicher Versuch, sich der sperrigen und doch faszinierenden Heiligen anzunähern und das, was sie ausmacht, den Menschen ihrer Stadt näher zu bringen.

Wiborada fordert heraus, Gott auch heute einen Ort im eigenen Leben zu sichern und damit für Menschen, die uns begegnen.

Angela Degenhardt

Zum Weiterlesen: wiborada-ist-da.ch