Bäcker Karl-Dietmar Plentz über die Weihnachtszeit

Backen im Advent: Rosinen, Zucker, Gottes Segen

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Karl-Dietmar Plentz
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Foto: Vonderlind

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Bäcker aus Überzeugung: Karl-Dietmar Plentz am Holzbackofen.

Karl-Dietmar Plentz liebt das Backen: In seinem Familienunternehmen in Brandenburg fertigt er in der Adventszeit Dominosteine, Lebkuchen und Marzipankartoffeln. Beim Anschnitt seines Christstollens verkündet der fromme Bäcker gerne die frohe Botschaft von Weihnachten – und rührt manch einen zu Tränen.

In der Weihnachtszeit denkt Karl-Dietmar Plentz oft an seine Kindheit zurück. Wenn er aus der Kälte in die warme Backstube des Vaters kam, wenn auch durch die darüberliegenden Wohnräume der Duft von Rosinen, Mandeln und Lebkuchen zog. „Das ist einfach eine besondere Jahreszeit“, sagt Plentz. Er erinnert sich, wie er und seine vier Geschwister abends dem Vater halfen: „Tagsüber wurden die Christstollen gebacken. Am Abend haben meine Geschwister und ich uns Musik angemacht und dann jede Rosine, die im Ofen verbrannt war, vom Gebäck gepult.“ Keine Bitterstoffe sollten den süß-buttrigen Geschmack überdecken. 

Meterstollen
Der Meterstollen. Foto: Madlen Hänsch

Heute ist Plentz selbst Bäcker. Er hat das Familienunternehmen vor 36 Jahren übernommen und ausgebaut. 160 Mitarbeiter beschäftigt er mittlerweile im Norden von Brandenburg, 10 Filialen hat er im Landkreis Oberhavel und in Berlin-Spandau. Der Stollen nach dem alten Familienrezept ist immer noch ein Klassiker. Ebenso die handgemachten Dominosteine mit Berliner Marzipan und Kirschwasser. 

In der Adventszeit lädt Plentz Familien zu sich in die Backstube ein, um Plätzchen zu backen oder Lebkuchenhäuser zu bauen. „Da bleibt die Küche zu Hause sauber“, sagt er. „Das fördert den Familienfrieden und die Gemeinschaft. Und das ist es doch, wonach wir uns in der dunklen Jahreszeit sehnen.“ Oft bittet er einen Künstler dazu, der für die Kinder ein Puppenspiel aufführt, oder einen Komponisten, der mit den Familien christliche Lieder singt. Plentz ist dem Familienmotto, nach dem schon sein Vater und Großvater gelebt haben, treu geblieben: Beten und Backen, angelehnt an das ora et labora der Benediktiner. „Es bedeutet, fleißig zu sein, anzupacken und etwas Schönes zu schaffen – und zugleich Gott zu vertrauen, dass es gelingt“, sagt Plentz.

Plentz liebt seinen Beruf als Bäcker. Weil er etwas mit den Händen schaffen, kreativ sein und als Unternehmer Verantwortung tragen kann. Seine Arbeit verbindet er mit seinem christlichen Glauben. „Ich will nicht nur ein Sonntagschrist sein, sondern das auch im Alltag leben“, sagt er. Dabei weiß er: „Nicht alles gelingt mir. Aber ich weiß in diesen Momenten um die Kraft des Gebets. Und das ist ein großer Schatz.“

Die Kraft des Gebets als großer Schatz

Die christliche Botschaft zu verbreiten, ist ihm wichtig. Er engagiert sich für soziale Projekte und für Initiativen gegen Rechtsextremismus und fördert deutschlandweit Kinder- und Jugendprojekte. Er gibt Geflüchteten Arbeit und reist nach Israel, um für Versöhnung einzustehen. In der Zeit vor Weihnachten nutzt er eine besondere Gelegenheit, um von seinem Glauben zu erzählen: den Anschnitt der Meter-Stollen. Mehrere hundert Menschen kommen dazu Mitte November auf das Gelände der Bäckerei. Auf der ganzen Länge seines Holzofens fertigt Plentz mehrere zwei Meter lange Christstollen an. Er zuckert sie kräftig, träufelt hochprozentigen Rum darauf und flambiert die Stücke. „Der Alkohol verfliegt, der Stollen wird ein bisschen warm und der Zucker karamellisiert knackig. Das ist ein bisschen wie bei einer Crème brûlée“, sagt Plentz. In Stücke zerteilt, verkauft er die Stollen – und spendet das Geld für einen guten Zweck. 

„Dabei kann ich den Menschen sagen, was mir Weihnachten bedeutet“, sagt Plentz. Dass es mehr ist als Genuss oder Konsum. Dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, dass Gott in der Höhe Ehre gebührt und dass wir um Frieden auf Erden bitten. „Das ist es, wonach ich mich sehne, wonach wir uns ja alle sehnen – in unseren Familien, in unserem Land, in der ganzen Welt“, sagt Plentz. Wenn er da steht, vor den meterlangen Stollen, dann merkt er, dass die Leute ihm zuhören, dass seine Worte in ihre Herzen sickern, dass einige gar zu Tränen gerührt sind. „Für mich ist das oft auch überwältigend“, sagt Plentz. 

Mit der ganzen Familie vor dem Kamin

Und wie bereitet er persönlich sich auf das Weihnachtsfest vor? „Ich besuche gerne Gottesdienste in der Adventszeit“, sagt Plentz. Die Tage vor dem Fest versucht er möglichst frei von Terminen zu halten. Wenn alles gebacken, gekocht, geputzt und erledigt ist, freut er sich auf seine fünf Kinder, die mit ihren Familien zu ihm und seiner Frau zu Besuch kommen. 

„Wir haben da ein Ritual“, sagt Plentz. „An Heiligabend holen wir alle die Matratzen aus den Betten und schlafen in der Stube vorm Kamin.“ Als seine Kinder klein waren, habe so niemand am Abend ins Bett geschickt werden müssen. „Heute schlafen nicht nur ich, meine Frau, unsere Kinder und Enkel im Wohnzimmer. Auch unsere beiden Schwiegersöhne machen mit“, sagt Plentz. Diese Zeit mit der Familie genießt er ganz besonders.

Kerstin Ostendorf