Biografie über Seelsorger aus dem Emsland

Der Priester-Autor und der Räuberhauptmann

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ein Mann hält zwei Bücher
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Foto: hav

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Die "Blaue Reihe" der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte beschäftigt sich dieses Mal auch mit einem Priester und Autor, der im Emsland gewirkt hat.

Bernhard Köster (1869-1944) war Priester, Lehrer – und Schriftsteller. Paul Thoben hat über ihn eine Biografie verfasst. Zwei Gründe bewegten ihn dazu.

In Lahn auf dem Hümmling geboren, wirkte Köster in Spelle, Lengerich und Schapen im Emsland, war Missionspastor und Militärpfarrer in Lübeck und ab 1915 Pfarrer, Lateinlehrer und Kreisschulinspektor in Glandorf im Landkreis Osnabrück. Überregional bekannt wurde Köster als Autor historischer Romane und Verfasser von Ortsgeschichten. Daher hat Paul Thoben über ihn einen Aufsatz geschrieben, der in Band 32 der Reihe „Emsländische Geschichte“ erscheint.

Thoben leitet die Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte und war bis zum Ruhestand Realschullehrer und zuletzt stellvertretender Schulleiter in Aschendorf. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit der Vergangenheit der Region. So hat er über den Herz-Jesu-Priester Heinrich Middendorf (1898-1972) geforscht, den Namensgeber seiner Schule, der in der NS-Zeit Juden im Kloster versteckte und vor dem Holocaust rettete. Auch über den Priester und Heimatdichter Heinrich Lüken (1815-1882) aus Brual schrieb Thoben eine 20-seitige Biografie.

Über das Leben dreier Priester

Er nennt es einen Zufall, dass er sich dem Leben dreier Priester aus dem Emsland widmete. Ein Grund, sich mit Bernhard Köster zu befassen, war die Neuausgabe seines Romans „Jan Kardel un seine Bande“ über den Kampf eines Bauern aus Lindern im Kreis Cloppenburg gegen einen Räuberhauptmann. Das Buch, 1926 auf Plattdeutsch erschienen und bald vergriffen, wurde 2010 neu verlegt. Bernward Kröger, der im Aschendorff-Verlag in Münster das Lektorat Buchverlag (Theologie) leitet und wie Thoben aus Lindern stammt, kümmerte sich um die Neuauflage.

Ein Mann hält zwei Bücher
Paul Thoben hat einen Aufsatz über den Priester und Schriftsteller Bernhard Köster geschrieben.

Er bearbeitete den Text gründlich, um die vielen Wörter in der Fassung von 1926 mit unterschiedlicher Schreibweise zu vereinheitlichen. Er schrieb eine siebenseitige Einleitung und fügte als Anhang ein 25-seitiges Wörterverzeichnis hinzu. Kröger wollte den Roman auch Lesern zugänglich machen, die kein Plattdeutsch sprechen.

Bis 2010 existierte nur eine „flaue hochdeutsche Fassung“, wie Theo Mönch-Tegeder, von 2003 bis 2013 Geschäftsführer der Verlagsgruppe Bistumspresse, in einer Rezension schrieb. „Auch ich habe mich wie viele andere Leser geärgert“, sagt Thoben, denn in der zu wörtlich gehaltenen Übersetzung ging der Sprachwitz des Originals verloren. „Heute wissen wir, dass wir dem Autor Bernhard Köster nicht gerecht geworden sind, denn er trägt für die schlechte Übersetzung keine Verantwortung.“

Thoben widmete sich noch aus einem weiteren Grund dem Priester-Schriftsteller: Der Heimatforscher wollte wissen, wie weit die Handlung des Romans eine geschichtliche Grundlage hat. Köster schreibt dazu im Vorwort: „Miene Mauder häff et noch beläwet, dat Jan Kardel seine Bande sück daogelang in Därp ümmetaudrewen.“ („Meine Mutter hat es noch erlebt, dass die Bande von Jan Kardel sich tagelang im Dorf herumtrieb.“) Thoben stellt fest, dass Köster wahre Begebenheiten um eine kriminelle Gruppe in Lindern mit Geschichten über Vagabunden und Scherenschleifer verwoben hat.

(hav)

Band 32 der Reihe „Emsländische Geschichte“ hat 498 Seiten und kostet 25 Euro. Das Buch ist in den Buchhandlungen der Region erhältlich oder zu bestellen über kontakt@emslandgeschichte.de. Es wird mit zusätzlich vier Euro Versandkosten zugeschickt. Weitere Beiträge widmen sich unter anderem den St. Nikolaus-Umzügen in Haselünne, Pastorendynastien im Niederstift Münster und dem Kriegsende im Emsland und der Grafschaft Bentheim.