Was den Weltgebetstag noch immer wichtig macht

Die Lasten mittragen

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Frauen tragen Körbe auf dem Kopf
Nachweis

Foto: Albrecht Ebertshäuser/WGT

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Viele Lasten haben die Frauen in Nigeria zu tragen – tatsächlich und im übertragenen Sinn. Davon hören die Gäste beim Weltgebetstag.

Am 6. März feiern Menschen in über 150 Ländern den Weltgebetstag der Frauen. In diesem Jahr steht Nigeria im Fokus – und Elena Telkmann kann viel darüber erzählen.

Elena Telkmann ist ein Fan des Weltgebetstags. Dass immer am ersten Freitag im März „dieselben Gebete um die ganze Welt wandern“ und dass diese ökumenische Basisbewegung seit 1927 Menschen über Grenzen, Kontinente und Konfessionen hinweg miteinander bis in die kleinste Kirchengemeinde hinein verbindet – dafür kann sich die 38-jährige Pastoralreferentin aus dem Bistum Osnabrück regelrecht begeistern. „Das ist doch wundervoll.“ Da passt es gut, dass sie als dafür zuständige Referentin (siehe auch „Zur Person“) „Lust auf den Weltgebetstag“ machen möchte.

eine Frau
Elena Telkmann

Während ihrer Praktikumszeit hatte sie den Weltgebetstag kennengelernt – hatte dabei mit den ökumenischen Teams gesprochen, die oft seit Jahren die Gottesdienste und anschließenden Treffen für die Gemeinden vor Ort vorbereiten.

Nicht nur dieses Engagement fasziniert Elena Telkmann, sondern ein Moment am Ende der Liturgie. Dann singen die Gäste „aus wirklich tiefstem Herzen“ immer das gleiche Lied: genau wie am selben Tag viele andere Frauen in Deutschland. „Das hat mich gepackt, diese große Verbundenheit, diese Solidarität mit Menschen auch in der Ferne.“

Eine Botschaft aus Nigeria

Das gilt auch für das Land, aus dem in diesem Jahr die Liturgie für den Weltgebetstag kommt: Nigeria – mit über 230 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Elena Telkmann hat viel dazu gelesen. Sie erzählt, dass Nigeria einerseits dank vieler Rohstoffe wirtschaftlich durchaus gut dastehe, aber dass andererseits Reichtum und Macht sehr ungleich verteilt sind. Sie spricht von „krassen Gegensätzen“ zwischen dem Süden und Norden, von Armut und Gewalt, von ethnischen und religiösen Spannungen, von Terror und hoher Müttersterblichkeit.

Betroffen davon sind viele Frauen in Nigeria, die viel ertragen und tragen müssen. Das Motto des Weltgebetstags 2026: „Kommt! Bringt eure Last“, angelehnt an eine Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium, verweist genau darauf. Daher werden die Gäste am 6. März berührende Geschichten von nigerianischen Frauen und ihrer oft existenzbedrohenden Situation hören: von dem Mut unter anderem der Witwen und alleinerziehenden Mütter, die Stärke in der Gemeinschaft und in ihrem christlichen Glauben finden. Wie ihnen der Glaube an Gott Hoffnung und Kraft gibt, durchzuhalten und weiterzumachen, das findet Elena Telkmann faszinierend. „Das ist eine Botschaft, die die Frauen aus Nigeria in die Welt senden und an der wir uns ein Beispiel nehmen können.“

Da habe ich unglaublich viel gelernt und höre jetzt genauer hin.

Nicht nur deshalb ist und bleibt der Weltgebetstag nach Meinung der Referentin relevant – heute mehr denn je. „Es gibt gerade Länder, die sich verschließen und abschotten. Aber der Gebetstag gibt uns die Chance, über den Tellerrand zu schauen und einen anderen Blick in die Welt zu bekommen.“ Sie denkt an frühere Abende über die Philippinen, die Cook-Inseln oder Surinam. „Da habe ich unglaublich viel gelernt und höre jetzt genauer hin.“ Telkmann ist überzeugt davon, dass der Weltgebetstag Bildung im besten Sinne ist, und er so zu einem größeren Verständnis und zu mehr globalem Denken führen kann. „Ich glaube, es macht die Menschen weltoffener, wenn sie sich mit anderen Kulturen auseinandersetzen.“

Dass der Weltgebetstag für Frauenrechte, Solidarität und Gleichberechtigung kämpft, ist der Bistumsreferentin ein weiteres großes Anliegen. Die Lebensumstände von Frauen hier und dort mögen verschieden sein, aber trotzdem „können wir uns einfühlen und mitfühlen“. Und etwas tun. Denn das Motto der Initiative „Informiert beten, betend handeln“ könnte laut Telkmann nicht besser sein. Handeln – das bedeutet dabei nicht nur, etwas zur WGT-Kollekte beizutragen, mit der verschiedene Projekte gefördert werden und so ein Teil der Lasten mitzutragen. Sondern sich ganz grundsätzlich gastfreundlich und solidarisch zu verhalten.

Petra Diek-Münchow

Elena Telkmann ist Pastoralreferentin im Bistum Osnabrück und arbeitet mit einer Teilzeitstelle als Referentin für den Weltgebetstag (WGT). In Workshops schult sie Teams für die WGT-Abende vor Ort, auch für Veranstaltungen mit Kindern, und macht Öffentlichkeitsarbeit.