Ausstellung im Lingener Krankenhaus
Demut unter dem weiten Himmel
Foto: Karsten Papke
Sternennebel und weit entfernte Galaxien – das fotografiert Karsten Papke am liebsten.
Seit über zehn Jahren widmet sich Karsten Papke in seiner Freizeit der Astrofotografie. Die Ergebnisse dieses Hobbys zeigt der 59-Jährige, seit 18 Jahren Chefarzt am katholischen Bonifatius-Hospital im emsländischen Lingen, in einer Ausstellung nahe an seinem Arbeitsplatz in der Radiologie. Vor einem der Fotos bleiben viele Gäste in der Eingangshalle oft ein bisschen länger stehen. „Herz- und-Seelennebel“ hat der Mediziner die Aufnahme genannt, die vor drei Jahren in Heede entstanden ist. Sie zeigt 6500 Lichtjahre weit weg eine riesige leuchtende Wolke aus Gas und Staub – einen sogenannten Emissionsnebel. Oft sind diese Gebiete Geburtsstätten neuer Sterne. Papke gefällt dieser Gedanke – und wie andere Betrachter entdeckt er in der Formation ein Herz. „Und wo das Herz ist, da ist auch die Seele nicht weit. Daher der Name“, sagt er mit einem sachten Lächeln.
Schon seit seiner Kindheit ist Papke, der aus Bremen stammt und im westfälischen Hamm aufgewachsen ist, begeisterter Hobbyfotograf. „Meine erste Kamera habe ich mit sieben Jahren bekommen“, erzählt er. Geprägt von der naturverbundenen Mutter und dem technisch versierten Vater, hat er dabei schon als Jugendlicher weniger klassische Familienfeste fotografiert. „Das war nie meins.“ Ihn interessierten zuerst mehr Landschaften, Strukturen im Boden, Muster am Strand, die Linien der Wellen – und was sie in ihm und anderen Betrachtern auslösen. „Nicht nur, wie es ausgesehen hat, sondern was das für Gefühle und Erinnerungen auslöst.“
Mit viel Leidenschaft geht er schon in jungen Jahren diesem Hobby nach – arbeitet sich immer tiefer in Technik, Ausstattung, Spezialgebiete ein. Nimmt später bei Urlauben selbstverständlich schwere Fotokoffer mit, immer auf der Suche nach Motiven. Zum Beruf macht er das nicht – da schlägt er den Weg in die Medizin ein. Nach dem Studium in Münster arbeitet er zuerst in Duisburg und nun seit 18 Jahren in Lingen.
Zwischen Medizin und Fotografie
Aber eine Brücke zwischen Medizin und Fotografie, die gibt es schon. Denn er wählt die Radiologie als sein Fachgebiet. In beiden Bereichen geht es um Bilder, um den genauen Blick, um kleine Details, um Licht und Schatten, Strukturen und Gewebe. „Das passt dann schon zusammen.“ 2012 schafft er sich für die Astrofotografie ein Teleskop an, lernt immer mehr über lange Belichtungszeiten und dafür notwendige Techniken, liest sich in den Sternenhimmel und seine faszinierenden Besonderheiten ein – zieht die meisten der Fotos auch im eigenen Labor selbst ab.
In Lingen sind nun Bilder zu sehen, die in den vergangenen Jahren in Münster, im Emsland sowie in Kiefersfelden und Namibia entstanden sind. Unsere Milchstraße, benachbarte Galaxien und verschiedene Nebel gehören dazu. Da funkeln auf dem dunklen Nachthimmel hell aufblitzende Lichter, da strahlen Wolken in Blau, Rot und Violett auf – jenseits der ganz wissenschaftlichen Erklärungen auf den Infotafeln mag jeder und jede daran sehen, was er oder sie möchte.
Und wird dabei wie Karsten Papke vielleicht auch ein bisschen demütig angesichts dieser Dimensionen, dieser unglaublichen Weite und der Farben. Dem Mediziner, katholisch geprägt und aufgewachsen als Messdiener und Lektor, kommen dabei durchaus Gedanken und Fragen nach dem Göttlichen und Ewigen, dem „Danach“ und nach der Definition der eigenen Existenz in den Sinn. Worauf kommt es im Leben an? Nehmen wir uns selbst nicht manchmal viel zu wichtig? Worauf müssten wir eigentlich mehr achten? Beim Umgang miteinander, bei der Selbstfürsorge, beim Umgang mit der Schöpfung. Papke fühlt sich dann fast privilegiert, „dass wir in einer Zeit und an einem Ort des Weltalls leben, wo ich so etwas in Bildern festhalten und mir auch solche Fragen stellen kann.“
Die Ausstellung „Kosmos“ ist noch bis 31. Juli im Bonifatius-Hospital in Lingen zu sehen: als Teil der Reihe „Kunst im Krankenhaus“, einer Kooperation zwischen der Klinik und der Kunsthalle Lingen. Die Fotos hängen im hinteren Teil der Eingangshalle nahe der Radiologie.