Anstoß 14/22
Die Wege Gottes sind verheißungsvoller
„Sie wollten ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen.“ (Johannes 8,6) Dieser Satz aus dem Evangelium am vergangenen Sonntag geht mir nach. Er verfolgt und beschäftigt mich.
Der fünfte Fastensonntag wird auch Passionssonntag genannt. Mit ihm rückt das Leiden in Sicht. Und das Leiden beginnt oft mit Menschen, die nach einem Grund suchen, um jemandem eins auszuwischen. Mitarbeiter suchen nach Gründen, um unliebsame Konkurrenz loszuwerden. Politiker suchen nach Gründen, um Gegner auszuschalten. Präsidenten suchen Gründe, um einen Krieg anzuzetteln. Kunden suchen nach einem Grund, um die Rechnung nicht zahlen zu müssen.
Daran leiden wir. Und dieses Leiden begleitet uns durch das Tor des Palmsonntages in die Karwoche. Wir wünschen anderen, dass sie stolpern und straucheln. Manchen wünschen wir sogar den Tod. Wie oft habe ich in den letzten Tagen gedacht, dass es gut wäre, wenn der russische Präsident eine Treppe herunterfällt. Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Aber bin ich damit nicht wie die Pharisäer und Schriftgelehrten in Jerusalem? Auch sie haben gute Gründe, Jesus den Tod zu wünschen.
Gott will nicht den Tod, sondern das Leben. Auch Jesus ist nicht für den Tod vorherbestimmt. Die Richtung ist klar. In Jerusalem braut sich etwas gegen Jesus zusammen. Aber er stirbt nicht, weil Gott seinen Tod will. Er stirbt, weil Menschen ihn loswerden wollen. Und Jesus nimmt den Tod auf sich, um uns aus diesem Teufelskreis zu erlösen. Damit wir erkennen, dass sich Gott vom Tod, den wir anderen bereiten, nicht aufhalten lässt. Nicht von den Bomben, die unvorstellbares Leid bringen. Nicht von den Gedanken, in denen wir zu Mördern werden. Nicht von der Ablehnung, die sein Sohn am Kreuz mit dem Leben bezahlt.
Gott kennt einen besseren Weg. Auf diesem Weg kommen wir nicht um Leid und Tod herum. Aber Leid und Tod sind weder das Ziel noch das Ende. Das Ziel ist der Ostermorgen, an dem Jesus lebt.
Noch hat der Tod Macht über uns. Und er wird sie behalten, solange wir nach Gründen gegeneinander suchen. Der Weg Gottes ist verheißungsvoller als die Wege, die wir Menschen einschlagen. Deshalb versuche ich, ihm zu folgen.
Pfarrer Marko Dutzschke, Lübbenau