Starke Frauen Teil 4
Ein Kloster im Energiesparmodus?
Foto: Privat
Dass das Kloster Oberzell in Würzburg immer weniger Energie verbraucht, liegt auch an Schwester Beate Krug. Die Franziskanerin ist die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Gemeinschaft. Mit ihren Mitschwestern hat sie dafür gesorgt, dass im vergangenen Jahr eine Photovoltaikanlage auf das Klosterdach gebaut worden ist. Langfristig soll auch die Heizung auf klimafreundliche Energie umgestellt werden.
Schwester Beate (51) schaut auf das, was möglich ist. „Das sind Kleinigkeiten, die mir eigentlich selbstverständlich erscheinen“, sagt sie und erzählt von Bewegungsmeldern, die sie im Kloster eingebaut haben, und von den LED-Leuchten, die weniger Strom verbrauchen. Von den Kühlgeräten, die sie reduziert oder durch energiesparende Modelle ersetzt haben.
Große Ziele
Bis 2030 sollen das Kloster und das Bildungshaus klimaneutral werden. „Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber wir bleiben dran“, sagt Schwester Beate. Schon im Jahr 2013, bevor sie ins Kloster eingetreten ist, hatten die Oberzeller Franziskanerinnen beschlossen, dass sie mehr für Umwelt- und Klimaschutz tun wollen. Dann kam Schwester Beate, die von Beruf Diplom-Umweltingenieurin ist. „Es war ein Match“, sagt sie lachend. „Ich kam in die Gemeinschaft und konnte meinen Auftrag weiterführen.“ Vor ihrem Klostereintritt hatte sie 15 Jahre lang in einem Umweltberatungsbüro gearbeitet.
Sie hat sich schon lange gefragt, wie man leben kann, ohne die Umwelt zu zerstören und ohne Menschen in ärmeren Ländern auszubeuten. In ihrer Schulzeit engagierte sich Schwester Beate in einer Eine-Welt-Gruppe für den fairen Handel. Nach dem Abitur leistete sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Dort, bei der Forschungsstelle Küste in Wilhelmshaven, beeindruckte sie die Abhängigkeit von den Gezeiten. „Schiffe fahren nur, wenn Wasser da ist“, sagt sie. „Wir versuchen, die Natur zu beherrschen. Aber wäre es nicht viel schöner, im Einklang mit der Natur zu leben?“
Wenn Schwester Beate und ihre Mitschwestern bei Klimaprotesten und Müllsammelaktionen mitmachen, dann sieht sie darin einen Auftrag als Christin. „Gott hat die Welt erschaffen mit all ihren Geschöpfen und jedes Geschöpf hat einen Eigenwert“, sagt sie. „Deshalb haben wir den Auftrag, zusammen mit unseren Mitgeschöpfen gut auf unserer Erde zu leben und sie nicht auszubeuten.“
„Ich versuche, alles in Gottes Hände zu legen und gleichzeitig das Meinige dazu zu tun.“
Wie geht es Schwester Beate damit, dass Menschen wegen Hitzewellen und Dürren, Waldbränden, Flutkatastrophen und Hungersnöten ihre Heimat verlassen müssen? „Ich finde es bedrohlich“, sagt sie. „Aber andererseits versuche ich mit christlicher Hoffnung zu leben.“ Das bedeutet für sie nicht zu sagen: Gott wird schon alles richten. Stattdessen denkt sie an das, was Franziskus von Assisi am Ende seines Lebens gesagt haben soll: Kommt, Brüder, wir haben noch nicht viel getan. Für Schwester Beate steckt in diesem Satz der Auftrag, anzupacken, weiterzumachen. Sie sagt: „Ich versuche, alles in Gottes Hände zu legen und gleichzeitig das Meinige dazu zu tun.“