Sommerserie: Zeit meines Lebens Teil 5
Fair erfolgreich sein
Foto: Petra Diek-Münchow
Florian Egbers, Geschäftsführer des SV Meppen, freut sich auf den Start in der dritten Liga.
Das sehen Besucher des Stadions schon, bevor sie durch die großen Pforten auf die Tribünen gehen. Direkt vor der Geschäftsstelle steht unübersehbar eine Holzbank mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus!“. Auf der rechten Seite fehlt ein Teil der Sitzfläche – als Symbol dafür, dass hier kein Ort für Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Ausgrenzung ist. Wer sich so äußert, fällt beim SV Meppen runter. „Extremismus hat bei uns nichts zu suchen“, sagt Florian Egbers klipp und klar. „Da sind wir ganz empfindlich.“
Es "kribbelt" gerade
Der 33-Jährige schaut von seinem Büro aus direkt auf die Bank. Seit 2019 gehört er zum Verein – erst im Bereich Betrieb und Marketing, dann vor drei Jahren als Geschäftsleiter und seit dem vergangenen Jahr als Geschäftsführer. Bei ihm laufen viele Fäden zusammen, gerade jetzt: Nach drei Jahren in der Regionalliga Nord war Meppen im Frühjahr in die dritte Liga aufgestiegen. Der erste Spieltag Anfang August gegen Duisburg steht bevor. Kein Wunder, dass es bei allen im Verein „kribbelt“. Denn Egbers und das ganze Team haben in diesem Sommer richtig viel zu tun, um die Anforderungen im Profifußball gut erfüllen zu können. Die Liste ist lang, nicht nur für den Trainerstab und die sportliche Leitung, sondern auch für die Geschäftsstelle. Es geht um mehr Personal und professionelles Marketing, gute Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Sponsorensuche und Sicherheitskonzepte. Aber Egbers klagt nicht über diesen für ihn sicher besonderen Sommer. Wenn er davon erzählt, zieht sich oft ein breites Lächeln über sein Gesicht. Man spürt: Er hat „Bock“ darauf und fährt jeden Morgen von seinem Heimatort Spelle gern nach Meppen. „Es fühlt sich gar nicht immer nach Arbeit an“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
In Spelle ist Egbers aufgewachsen, lebt jetzt mit Frau und zwei Kindern im Ortsteil Venhaus. Lange hat er dort für den SC Spelle-Venhaus im Tor gestanden, „Fußball war seit den Mini-Kickern Teil meines Lebens.“ Beruflich hat er sich erst für eine Ausbildung als Bankkaufmann entschieden und ist jetzt froh, Beruf und Hobby beim SV Meppen gut miteinander verbinden zu können. Auf seine Wurzeln im südlichen Emsland legt er weiter Wert – auch was seine Haltung zu bestimmten Themen angeht. „Meine Familie ist total katholisch geprägt. Das gehört zu unserem Alltag dazu“, sagt er und erzählt unter anderem von einer Tante, die dem Orden der Thuiner Franziskanerinnen angehört, und dem Schwiegervater, der sich in der Kirchengemeinde engagiert.
"Da gibt es eine klare Grenze"
Vor diesem Hintergrund ordnet er viele Positionen, für die SV Meppen auch in der Öffentlichkeit steht, durchaus auch christlichen Werten zu. „Das ist gar nicht so verschieden“, sagt er. Und meint damit zum Beispiel ein gutes, wertschätzendes, offenes Miteinander: im Team und in der Kabine, auf dem Platz und auf der Tribüne. Mit Respekt und Akzeptanz: ganz unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Der Verein steht laut Egbers für Vielfalt und will Diskriminierung keinen Platz geben. „Wenn so was bei uns passiert, gibt es eine klare Grenze.“ Die kann dann bei heftigen Vorfällen auch mal bis zum Stadionverbot oder Ausschluss gehen. Nach Worten von Egbers muss ein Sportverein als Ort von Integration und Identifikation auch da Verantwortung übernehmen.
Meppen will laut Egbers dabei nicht nur seine Reichweite über soziale Medien nutzen, um auf solche Themen aufmerksam zu machen. Immer wieder macht der SV auch bei entsprechenden Aktionen mit. Wie bei Initiativen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des DFB gegen Rassismus, wie beim Einsatz für Organspenden oder für die Organisation Helping Hands. Wie bei den „Stolpersteinen“, die in Kooperation mit der Meppener Marienhausschule im Eingangsbereich der Hänsch-Arena an jüdische Spieler erinnern, die einst für den Verein aktiv waren. Diese Erinnerungsarbeit ist Egbers und dem Team wichtig.
Genau wie die verbindende Funktion, die Fußball seiner Ansicht nach hat. Ob nun in der Kreisklasse oder der ersten Liga, ob bei den ersten Herren oder der Damenmannschaft, ob bei den Mini-Kickern oder den Alten Herren. „Fußball bringt Leute zusammen“, sagt er und findet das richtig gut. „Aber wir wollen fair erfolgreich sein.“