Ganz analog und für alle Sinne

Im Kloster Ter Apel sollen Besucher Geschichte fühlen können

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Ein Blick in den grünen Innenhof des Klosters
Nachweis

Foto: Petra Diek-Münchow

Ein Kreuzgang wie im Mittelalter, ein Kräutergarten für alle Sinne und ein Krankensaal mit echten Betten: Das Museum Kloster Ter Apel gleich hinter der niederländischen Grenze bei Haren will seine Besucher die Jahrhunderte spüren lassen.

Gerade erst hat das Museum Kloster Ter Apel an diesem Morgen seine Türen aufgemacht und so flanieren noch wenige Besucher durch die Räume. Zeit und Muße also, sich alles in Ruhe anzuschauen und eigene Entdeckungen zu machen. Zum Beispiel das kleine Kissen hinten auf einer Holzbank. „Ga even zitten en hoor de stilte“ hat jemand mit geschickten Fingern auf den hellen Stoff gestickt. Was aus dem Niederländischen übersetzt bedeutet: „Setz dich hin und lausche der Stille“. Gesagt, getan. Und tatsächlich dringt in den nächsten Minuten kaum ein Laut hinein.

Der Kreuzgang im Kloster Ter Apel
Der Kreuzgang des historischen Klosters Ter Apel lädt Besucherinnen und Besucher zum Staunen und Verweilen ein. Foto: Petra Diek-Münchow

Das Motto auf dem Kissen entspricht der Philosophie, die das vierköpfige Team in dem Museum für Kloster-, Kirchengeschichte und religiöse Kunst verfolgt – und das direkt hinter der deutsch-niederländischen Grenze bei Haren. Dort schlendern Besucherinnen und Besucher durch ein ehemaliges Kreuzherrenkloster aus dem 15. Jahrhundert. Es ist das einzige von früher einmal 34, das erhalten blieb. Gäste sollen die „Geschichte fühlen“, so Direktorin Marjan Brouwer. Dafür eignet sich die Dauerausstellung, die vom Kreuzgang im Erdgeschoss bis in das Gewölbe auf den Dachboden führt.

Ein Ort mit Geschichte

Natürlich erfahren die Besucher dabei auch historische Fakten. Zum Beispiel, dass das Haus 1465 als Kloster des „Ordens vom Heiligen Kreuz“ gebaut worden ist. Aber das lesen sie nicht auf überfrachteten Texttafeln oder auf blinkenden Computerterminals. „Wir machen das ganz analog und für alle Sinne“, erklärt Brouwer. Im Kreuzgang dürfen sie sich zum Beispiel ein Mönchsgewand überziehen und damit über den Fliesenboden laufen. Können damit in den Kräutergarten gehen, an der Minze riechen und ein Blättchen von der prächtig wuchernden Kapuzinerkresse abzupfen. Können in der Sakristei die reich verzierten Priestergewänder sehen, im Priorat ein Spiel ausprobieren, im Krankensaal über die kleinen Betten staunen, im Obergeschoss mit Feder und Tinte schreiben oder mit Holzklötzen selbst ein Kloster bauen.

„Wir machen das ganz analog und für alle Sinne.“

Sehen, hören, fühlen, riechen und auch schmecken – im ehemaligen Speisesaal der Mönche gibt es kostenlos Kaffee und Limonade –, das passt nach Auffassung von Marjan Brouwer besser zum Kloster Ter Apel als Touchscreens und komplizierte Technik. „Überall draußen ist es oft hektisch, schnell und laut“, sagt sie. „Das ist für manche viel zu viel. Ich glaube, wir brauchen daher solche Orte wie hier bei uns für Herz und Seele.“ Wo man sein Handy am besten ausgeschaltet in der Tasche lässt und auf die Stille lauscht.

Das geht draußen bei einem geruhsamen Spaziergang rundherum, immerhin liegt das Kloster mitten in einem 200 Hektar großen Waldgebiet und ist auch über Wander- oder Radwege gut erreichbar. Oder drinnen zum Beispiel in der durch eine Empore (Lettner) geteilten Kapelle. In der einen Hälfte wird an den Wochenenden noch Gottesdienst gefeiert, in der anderen kann man eine Kerze entzünden, leise Musik hören und ein stilles Gebet sprechen. Oder eins der besonderen Angebote wahrnehmen: Konzerte, Lesungen, meditatives Tanzen oder Yoga unter dem hohen Gewölbe. Man bekommt Lust, sich gleich anzumelden.

Petra Diek-Münchow

Das Museum Kloster Ter Apel steht nahe hinter der deutsch-niederländischen Grenze bei Haren im mittleren Emsland. Der Eintritt kostet zwischen sechs und elf Euro. An der Kasse gibt es eine Info-Broschüre mit Lageplan auf Deutsch. Hier finden Sie weitere Infos.

Bis zum 26. Oktober ist dort noch die Ausstellung „Uit het paradijs“ (Aus dem Paradies) zu sehen. Die historischen und modernen Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Videos und Fotografien befassen sich mit einer existenziellen Frage: Was passiert, wenn du dein persönliches Paradies verlassen musst? Neben den Kunstwerken gibt es QR-Codes auch mit deutschen Texten.