Vier Männer werden geweiht
Neue Diakone für das Bistum Mainz
Foto: istockphoto/Getty images
Vom OP in die Seelsorge
Karl Gruber ist Arzt im Ruhestand, verheiratet und Vater von fünf Kindern. Der ehemalige Chirurg entschied sich vor sechs Jahren für das Fernstudium Theologie. In einer Familie aufgewachsen, die die katholische Frömmigkeit pflegt, war er schon als Kind und Jugendlicher in der Kirchengemeinde aktiv. „Auch am Leben meiner jetzigen Gemeinde St. Jakobus in Ockstadt beteilige ich mich seit vielen Jahren“, sagt er. Er gestaltete etwa Andachten und Wort-Gottes-Feiern mit, übernahm kleine Aufgaben. Am Ende seines Berufslebens reifte bei ihm die Idee, dies „auf einer tiefer fundierten Basis“ weiterzuführen. „Ein Priester gab mir den Hinweis auf das Theologie-Fernstudium. Das Konzept hat mich sehr angesprochen.“ Im Lauf des Studiums habe sich der Wunschverfestigt, die Weihe zum Ständigen Diakon anzustreben. Sehr interessant fand Gruber ein Praktikum in der Altenheim- und Klinikseelsorge. Das absolvierte er unter anderem im Friedberger Bürgerhospital, wo er selbst als Arzt tätig war. Die Gemeindeseelsorge, besonders für alte und kranke Menschen, soll einer seiner Schwerpunkte werden. Zudem interessiert ihn die Ökumene und die queersensible Pastoral, letztere aus persönlichen Gründen, da eines seiner Kinder dieses Thema betrifft. In Ockstadt und im Pastoralraum Wetterau-Mitte „will ich überall da einspringen, wo ich als Diakon andere vertreten kann“.
Karl Gruber (71), Ständiger Diakon
In Kanada den Ruf gehört

Es geschah in Übersee, dass sich Alexander Deick von Gott gerufen fühlte. „Nach dem Abitur machte ich ein Auslandsjahr in Kanada. Ich habe dort gearbeitet und bin durchs Land gereist“, sagt er. „Ich dachte über mein Leben nach, fragte mich, wo ich überhaupt hinwill.“ Er betete. Dabei fiel ihm auf, was ihm so weit weg von zu Hause am meisten fehlte: „Ich vermisste es, meinen Glauben mit anderen zu leben.“ Sein erster Termin in Deutschland sei dann ein Gespräch im Mainzer Priesterseminar gewesen. „Das war 2018“, erinnert er sich. „Hätte es damals schon das Christliche Orientierungsjahr im Priesterseminar gegeben, hätte ich wohl dort ein Jahr verbracht.“ Die Richtung aber war für ihn klar. Er entschied sich für den Weg in die Priesterausbildung.
Aufgewachsen in Nackenheim stand am Beginn seines kirchlichen Engagements die Kirchenmusik. In seiner Heimatgemeinde St. Gereon sang er im Kinder- und Erwachsenenchor, auch die Orgel spielte er. „Den Zugang zur Kirche und zum Glauben habe ich über die Liturgie gefunden“, sagt Deick. Kirche habe er als Raum erfahren, um sich einzubringen. „Das möchte ich als Priester vertiefen und die Freude am Glauben an andere weitergeben.“ Sein Wunsch: mit Jugendlichen in der Schule arbeiten. Glaubenskommunikation und Evangelisierung sind für ihn zentrale Anliegen.
Alexander Deick (26), Diakon und Priesteramtskandidat
Von Shanghai ins Bistum

Die vergangenen drei Jahre verbrachte Mario zur Löwen zehn Flugstunden vom Bistum Mainz entfernt: in China. Seit 2023 lehrt er dort an der Deutschen Schule in Shanghai Ethik und Geschichte. Sein Wunsch, Ständiger Diakon zu werden, stammt aus seiner Jugend. „Damals wollte ich Priester werden. Aber erst einmal Lehrer.“ Er wurde Gymnasiallehrer mit den Fächern Katholische Religion, Ethik und Geschichte. 15 Jahre lang war er an der Augustinerschule in Friedberg tätig. Den christlichen Glauben hatten ihm seine Großeltern nahegebracht. Auch seine Schwester ist kirchlich aktiv und arbeitet als Gemeindereferentin. Mario zur Löwen engagiert sich schon seit seinem neunten Lebensjahr in seiner Heimatgemeinde in Nieder-Florstadt: in der Kinderschola, als Messdiener, später im Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat. 2013 absolvierte er die Ausbildung zum Wort-Gottes-Feier-Leiter.
„Das tägliche Gebet gibt mir Kraft“, sagt er über seinen Glauben im Alltag. Auch in Shanghai ist in der deutschen Gemeinde aktiv. Dort erlebt er ein gutes ökumenisches Miteinander. Nach seiner Weihe siedelt er wieder nach Deutschland über und wird als Ständiger Diakon, zölibatär lebend, im Bistum Mainz tätig sein. „Da ich als Lehrer viel mit jungen Menschen zu tun habe, werde ich mich als Diakon vor allem in der Altenseelsorge engagieren.“ Seelsorge-Gespräche und diakonisches Handeln, „das liegt mir am Herzen“.
Mario zur Löwen (46), Ständiger Diakon
Bei Franziskanern gelebt

Joseph Möller will Priester werden. Seine Berufungsgeschichte bezeichnet er als einen längeren Prozess. „Ich hatte viele gute Erfahrungen, die mich zu dieser Entscheidung geführt haben.“ Nach dem Abitur studierte er Medizin und schloss sein Studium ab. „Das hat mir Freude gemacht“, sagt er. Doch ihm kamen Zweifel: Sollte es nicht etwas mehr sein? Joseph Möller ist in einer katholischen Familie aufgewachsen, in der der Glaube dazugehört. In der Kirchengemeinde St. Peter in Bürstadt spielte er als Jugendlicher in einer Kirchenband mit. Aber ihn interessierten auch gesellschaftspolitische Themen.
Zu seinem Entschluss, Priester werden zu wollen, sagt er: „Im Gebet ist etwas aufgebrochen. Bei mir sind Fragen aufgekommen, die mich nicht mehr losgelassen haben.“ Ein Jahr lang lebte er bei den Franziskanern in Fulda und studierte in Fulda Theologie. Vor fünf Jahren wurde er im Priesterseminar in Mainz vorstellig. Der Wunsch, Priester zu werden, wurde für ihn zu einer Grundgewissheit. Vor allem den Glauben rational zu durchdringen, Glaube und Vernunft zusammenzubringen, ist ihm ein Anliegen. „Ich möchte bei anderen das Interesse wecken, hinter die Dinge zu schauen.“ Als Diakon will er den Menschen dienen, „die in der Gesellschaft verloren gehen könnten, wie etwa kranke und obdachlose Menschen“.
Joseph Möller (31), Diakon und Priesteramtskandidat
Zur Sache
Erstmals findet im Bistum die Weihe der Ständigen und Unständigen Diakone in einem Gottesdienst statt. Unständige Diakone möchten Priester werden, der Diakonat ist eine Station auf ihrem Weg ins Priesteramt. „Es ist das gleiche Sakrament, das gespendet wird. Früher war eine Trennung auf zwei Gottesdienste wegen der Kandidatenzahlen nötig und sinnvoll, nun kann das gut zusammengefasst werden“, sagt Regens Michael Leja. Ein gemeinsamer Termin bringe deutlicher die gemeinsame Weihe-Stufe zum Ausdruck. „Lediglich die Lebensform ist eine andere. Auch in anderen Diözesen gibt es mittlerweile gemeinsame Diakonenweihen.“
Diakonenweihe am Samstag, 18. April, durch Bischof Peter Kohlgraf im Mainzer Dom um 9.30 Uhr