Ausstellung über den "Emslandplan"
Radikal verändert
Foto: Kreisarchiv Emsland
Kartoffelernte in Rhede um 1958: Viele der historischen Fotos in der Ausstellung zeigen den arbeitsreichen Alltag im Emsland.
Wer heute durch die Dörfer des Emslandes im westlichen Niedersachsen fährt, mag kaum glauben, dass die Region bis in die 1950er Jahre hinein als „Armenhaus der Republik“ gilt. Viele Menschen leben damals unter ärmlichen Verhältnissen – oft gibt es keine ausgebauten Straßen, keine Kanalisation, keine Infrastruktur, keine Industrie. Es fehlt an Wohnraum und Arbeitsplätzen. Ein ehrgeiziges Erschließungsprojekt, genannt der „Emslandplan“, verändert die Gegend zwischen 1951 und 1989 radikal.
2,2 Milliarden D-Mark
Wie tiefgreifend dieser Wandel war, erzählt jetzt eine Fotoausstellung im Ausstellungszentrum Gut Altenkamp in Aschendorf. 150 historische Aufnahmen zeichnen die Phasen des „Emslandplanes“ nach. Die Gäste sehen Bilder von höchst bescheidenen Moorkaten noch aus den 1920er Jahren, von früher schlammigen Wegen durch das Moor – und dann eben von der Kultivierung desselben. Ältere Emsländer erinnern sich an die riesigen „Ottomeyer-Pflüge“, die den Boden dafür bis zu einer Tiefe von gut zwei Metern umgegraben haben.
Andere Fotos zeigen den Bau von neuen Straßen, Siedlerstellen, Dörfern und Betrieben. Die Zahlen sind heute noch beeindruckend: 2,2 Milliarden D-Mark fließen in das Projekt – es entstehen unter anderem über 1200 neue Bauernhöfe, 800 Kilometer neue Straßen, 128 000 Hektar kultivierter Boden. Und die Aufnahmen dokumentieren zugleich, wie die Menschen den Plan als große Chance begriffen und mit viel Tatkraft selbst mitgestaltet haben. Nicht umsonst wird das Emsland daher oft als Region mit „Macher-Mentalität“ bezeichnet.
Auch die Kirchenlandschaft hat der „Emslandplan“ verändert. Das damit einhergehende Bevölkerungswachstum machte in den 1950er- und 1960er-Jahren den Neu- und Umbau vieler Gotteshäuser erforderlich. Wie zum Beispiel die 1953 eingeweihte rote Backsteinkirche Heilige Familie in Hasselbrock. 35 neue Siedler hatten ein Jahr zuvor den Neubau beschlossen, mit vielen eigenen Spenden. Auch in anderen Dörfern werden Kirchen und Pfarrheime gebaut oder erweitert, um den Bewohnern eine Glaubensheimat zu geben und Gemeinschaft zu ermöglichen.
Die Ausstellung in Aschendorf verschweigt nicht, dass die Erfolgsgeschichte des „Emslandplanes“ im Rückblick betrachtet auch ihre Schattenseiten hatte. Denn das Projekt war mit immensen Eingriffen in die Natur verbunden, die man heute kritisch beurteilt und versucht (hat), zu revidieren. Wie zum Beispiel die Begradigung der Hase und vor allem die Trockenlegung der Moore – die als wertvolle CO-2-Speicher gelten.
Wie die Besucher der Ausstellung darüber denken und was sie sich jetzt für das Emsland wünschen, das können sie in der Ausstellung bei einem Mitmach-Projekt aufschreiben. Diskussion erwünscht!
„75 Jahre Emslandplan durch die Linse“ heißt die Ausstellung, die bis 7. Juni im Ausstellungszentrum Gut Altenkamp in Aschendorf zu sehen ist.
Öffnungszeiten dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, Führungen nach Vereinbarung. Info: https://www.papenburg.de/gut-altenkamp