Ein Schloss ist Wallfahrtsort
Warum pilgern Tausende nach Clemenswerth?
Foto: Matthias Petersen
Jedes Jahr feiert einer der Bischöfe die Messe unter freiem Himmel vor dem Schloss Clemenswerth. Das Bild zeigt Weihbischof Johannes Wübbe und stammt aus dem Jahr 2017.
Clemens August, gebürtig aus dem Hause der bayerischen Wittelsbacher und Bruder des deutschen Kaisers Karl VII., saß als sogenannter „Herr von Fünfkirchen“ in den Bistümern Köln, Paderborn, Münster, Osnabrück und Hildesheim nicht nur auf dem Bischofsstuhl, sondern stand dort auch an der Spitze des Staates. Darüber hinaus war er auch noch Hochmeister des Deutschen Ordens.
In den Jahren 1736 bis 1747 ließ er durch seinen genialen Baumeister Johann Conrad Schlaun in einem Wald- und Heidegebiet bei Sögel das Jagdschloss Clemenswerth errichten. In einem der Pavillons richtete Schlaun die barocke Schlosskapelle mit einem angebauten Konventsgebäude für Patres aus dem Kapuzinerorden ein. Am 15. August 1749, dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, wurde die Kapelle eingeweiht und das Kloster bezogen. Es gelang Clemens August, vom Papst die Gebeine des heiligen Märtyrers Fructuosus aus Rom zu erhalten, die in einem silbernen Sarg über Münster und Meppen nach Clemenswerth überführt und im Hochaltar der Kapelle beigesetzt wurden.
Achttägiger Markt zum Fest Mariä Himmelfahrt
Der gesamt Fürstbischöfliche Hofstaat und tausende Besucher nahmen an diesem Ereignis teil, denn mit der Kapellenweihe war auch ein achttägiger Markt in Sögel verbunden, der heute als Sögeler Kirmes fortlebt. Den Beginn der Wallfahrt am Fest Mariä Himmelfahrt markierte die Verleihung eines „vollkommenen Ablasses“ durch Papst Pius am 30. Mai 1783. Zu diesem Marienfest fanden nun auch Prozessionen statt.
1803 wurde das Fürstbistum Münster auf Geheiß Napoleons aufgelöst und das Schloss Clemenswerth kam an den Herzog von Arenberg. 1812 ließ dieser den Kapuzinerkonvent auflösen. Die Wallfahrt wurde eingestellt.
Erst 1893 übertrug der Herzog von Arenberg dem Kapuzinerorden erneut das Kloster und die Kapelle in Clemenswerth. 1912 wird wieder eine Prozession zu Mariä Himmelfahrt erwähnt und es ist von tausenden Teilnehmern die Rede. Als Förderer der Wallfahrt auf dem Hümmling galt ab 1914 der neue Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning. Dieser war ein Anhänger der katholischen Zentrumspartei und Gegner der Nationalsozialisten, akzeptierte aber 1933 deren Machtübernahme und träumte von einer neuen Zusammenarbeit Hitlers mit der Kirche zum Wohle Deutschlands. Doch 1934 folgte die Ernüchterung über das neue Regime und Berning trat nun auch öffentlich gegen die NS-Ideologie ein.
Da alle Medien im NS-Staat zensiert und auch die kirchliche Presse scharf überwacht wurde, nutzt Berning die Wallfahrten in seinem Bistum, um bei den Predigten auch politische Signale zu setzen. So wurde die Teilnahme an den Wallfahrten zu einem stillen, aber unübersehbaren Protest gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus. Bis zu 30.000 Menschen kamen damals zu Mariä Himmelfahrt nach Clemenswerth, um den Worten des Bischofs zu folgen. Der Zweite Weltkrieg liefert den Machthabern dann den Vorwand, um die Wallfahrt einzustellen.
Nach Kriegsende wurden die Wallfahrten nach Clemenswerth wieder aufgenommen und bald zu einem großen kirchlichen Ereignis im Emsland. Noch in den 80er-Jahren zählte man jährlich 12 bis 15.000 Pilger, die zu Mariä Himmelfahrt den großen Schlossplatz füllten. Heute sind es rund um den 15. August noch etwa 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zur „Märhämmelfaohrt“ nach Clemenswerth kommen.
Andreas Eiynck
Mehr zur Wallfahrt gibt es hier.
Die 284. „Mariä-Himmelfahrts-Wallfahrt“ auf dem Gelände von Schloss Clemenswerth bei Sögel (Landkreis Emsland) findet am Sonntag, 17. August, statt. Der Festgottesdienst beginnt um 10 Uhr. Es zelebriert und predigt Bischof Dominicus Meier OSB. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von der Kolpingkapelle Sögel und einem Projektensemble. Im Anschluss gibt es Gelegenheit zur Begegnung mit Bischof Dominicus.