Weihnachtsserie Teil 6: Wie Musik zum Fest die Herzen berührt

Weihnachten im Gefängnis? Wenn Lieder Hoffnung schenken

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Turm eines Gefängnisses. Symbolbild.
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Unsplash/Larry Farr

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Symbolbild: Weihnachten in der Justizvollzugsanstalt.

Weihnachtslieder machen glücklich. Singen, spielen, hören – das berührt uns. Weil wir es seit unserer Kindheit mit schönen Gefühlen verbinden. Hier lesen Sie Geschichten von Menschen, für die Musik an Weihnachten besonders wichtig ist: im Pflegeheim oder in der Kirche, im Gefängnis, zu Hause oder auf See.

Weihnachten in der Justizvollzugsanstalt Meppen klingt für Arvid (55) und Michèle (39) sehr unterschiedlich. Michèle schaltet das Radio im Advent und zu Weihnachten gerne ein, freut sich besonders auf die Weihnachtslieder oder singt beim Backen welche, Arvid lässt Radio und Fernsehen in dieser Zeit häufig aus. Er zündet sich in seiner Zelle eine Kerze an und genießt die Stille. „So klingt Weihnachten für mich auch“, sagt er. 

In der Stille passiere eine innere Einkehr: „Dann denke ich darüber nach, was ich erreicht habe, hier in der Haft, wie weit ich es geschafft habe, auch draußen wieder Vertrauen aufzubauen. Und ich male mir die Zukunft aus.“ Er erzählt, dass die Kontakte zu Familie und Freunden von Jahr zu Jahr gewachsen sind.

Auch im Gefängnis wird zusammen gesungen

Hoffnungsvolle Gedanken bekommt er aber nicht nur in der Stille, sondern auch, wenn sie im Gottesdienst Weihnachtslieder singen. Besinnung fühlt er bei Stille Nacht, heilige Nacht, Fröhlichkeit bei Ihr Kinderlein, kommet.

Gottesdienste an Weihnachten, wie hier in einer JVA in Bayern, gibt es auch in Meppen. (Foto: © KNA-Bild)

„Es kam auch schon mal vor, dass Jingle Bells im Gottesdienst gespielt wurde. Dann ist Heiterkeit angesagt“, erzählt er. Die Advents- und Weihnachtsfeierlichkeiten trügen ihn durch die Zeit: „Wenn ich einen Gottesdienst besucht habe, kann ich tagelang davor zehren.“

„Dann denke ich darüber nach, was ich erreicht habe, hier in der Haft (...)."

Michèles „Weihnachtslied schlechthin“ ist „Stille Nacht, heilige Nacht“, weil es das „in vielen Sprachen gibt und weil es weltweit gesungen wird“, wie er sagt. Es verbinde Menschen in verschiedenen Kulturen.

Sein Lieblingslied zur Weihnachtszeit aber ist gar kein weihnachtliches, sondern das Nikolauslied „Lasst uns froh und munter sein“. Auch das Sankt Martinslied liebt er und hört es bis Januar. Seit Kindertagen gehören diese Lieder für ihn zur Weihnachtszeit, ebenso wie ihre Botschaft: das Teilen mit den Armen.

In diesem Jahr darf Michèle zu Weihnachten seine Familie besuchen. „Darauf freue ich mich sehr und da wird sicherlich auch gesungen“, sagt er. 
 

Barbara Dreiling