Schwerpunkt: Fünf Menschen berichten über heilsame Orte und Momente
Wenn Kirche guttut
Foto: istockphoto/MicroStockHub
Kerzen, die Hoffnung schenken
Wer die Franziska-Werkstatt in der Frankfurter Innenstadt betritt, der sieht Kerzen. Lange, dünne, in allen Farben. Gegossene Stumpenkerzen mit Mustern, keine wie die andere. Duftende Bienenwachskerzen. Und mittendrin in diesem bunten Bild steht Julian und hängt frisch produzierte Stücke an einen Verkaufsständer.
Sein Blick ist konzentriert – und zufrieden. Der 40-Jährige fühlt sich wohl hier, stolz trägt er die schwarze Arbeitsschürze mit dem Logo der Franziska-Werkstatt und unterhält sich dabei angeregt mit Werkstatt-Leiter Juan Beteta.
„Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen“, soll Eleanor Roosevelt einmal gesagt haben. Der Ansatz der Werkstatt ist: Es ist besser, gemeinsam Kerzen herzustellen, als Chancen nicht zu ergreifen. Denn genau das bietet die Werkstatt, die zur Franziskustreff-Stiftung des Kapuzinerklosters Liebfrauen gehört: Möglichkeiten für Menschen, die wieder ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. Helles Licht und Zutrauen in Situationen, die erst mal dunkel erscheinen.
Das Kerzenziehen und -gießen hat Julian anfangs in einem Workshop gelernt. In anderthalb Stunden schafft er acht bis zehn gezogene und noch mehr gegossene Kerzen. „Ich mag diese Arbeit sehr“, sagt Julian, „man sieht immer gleich das Ergebnis. Herr Beteta traut uns etwas zu, wir können eigenverantwortlich arbeiten und unsere Ideen einbringen. Hier sind Menschen von allen Ecken der Welt, das gefällt mir.“
„Meine Rettung war eine Mitarbeiterin des Franziskustreffs, die mich auf einer Bank fand. “
Julian kam als junger Mann aus einem osteuropäischen Land nach Frankfurt. Verschiedene Umstände führten dazu, dass er ein paar Jahre auf der Straße leben musste. Damals ging es ihm sehr schlecht. „Ich war krank und meine Rettung war eine Mitarbeiterin des Franziskustreffs, die mich auf einer Bank fand“, berichtet Julian. 2022 konnte er über das sogenannte Housing-Projekt für obdachlose Menschen mit Hilfe des Franziskustreffs eine Wohnung beziehen. Julian ergriff die Chance, fand bald Arbeit und baute sich ein neues Leben auf. „Ich habe bei Amazon und am Frankfurter Flughafen gearbeitet, oft im Nachtdienst. Das war aber auf Dauer nicht das Richtige für mich“, sagt er.
Da erlebte er 2024 seinen zweiten Glücksfall: Die Franziska-Werkstatt eröffnete. Die Idee hinter dem Projekt: Menschen, die obdachlos oder wohnungslos waren, fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Viele von ihnen haben es schwer, einen Job zu finden, weil sie keine aktuellen Arbeitszeugnisse haben. In der Kerzenwerkstatt können sie nicht nur ein solches erhalten, sondern im Rahmen des Mini-Jobs auch in Alltag und Struktur zurückfinden. Das Projekt wird durch Spenden und den Verkauf der Kerzen finanziert.
Julian arbeitet 23 Monate für zweieinhalb Stunden pro Woche in der Werkstatt. „Am Anfang habe ich mir Sorgen gemacht, ob es schwierig ist, Kerzen herzustellen“, sagt er. „Aber es ist ganz leicht und wir können dabei sogar sehr kreativ sein.“ Die Menschen, denen es so geht wie ihm früher, hat er in seinem neuen Leben nicht vergessen: „Ich habe einen Freund, der noch auf der Straße lebt und dem ich gern helfen möchte, auch hierher zu kommen. Die Leute sind einfach nett hier und man fühlt sich erfüllt, wenn man diese Arbeit macht.“
// Elisabeth Friedgen
Gespräche, die das Herz leicht machen
Markus Jansen* (41) zeigt voll Stolz die Uhr an seinem Handgelenk. „Die hat mir Herr Kribber geschenkt“, sagt er, „damit ich pünktlich zu meinen Diensten komme.“
Zu seinen Diensten gehört: Mahlzeiten austeilen, Toiletten putzen, Flure wischen. Jansen ist Häftling und sogenannter Hausarbeiter in der Justizvollzugsanstalt Lingen im Landkreis Emsland; Frank Kribber ist Gefängnisseelsorger. „Das ist schon ein riesengroßes Privileg“, sagt Jansen. „Dass man wegen dieser Dienste einfach, wenn man möchte, aus dem Haftraum rausgehen kann.“
Jansen erinnert sich noch gut an seinen ersten Tag in Haft: „Man kannte das zwar aus dem Fernsehen, aber da mittendrin zu sein und den Freiheitsentzug selber zu spüren, das war erdrückend.“ Wegen Drogenhandels im Internet sitzt er eine Strafe von knapp fünf Jahren ab. Er habe Schulden gehabt, eine „Affinität zu diesem digitalen Zeug“ und sah darin das schnelle Geld. „Irgendwann waren meine Schulden weg, aber die Hemmschwelle ist so extrem gesunken, dass ich einfach weitergemacht habe.“
„Es tut mir wirklich leid, was ich getan habe“
Um sein Gewissen zu beruhigen, redet er sich hin und wieder ein, dass seine Kunden das Zeug auch woanders gekauft hätten, dass er nicht an ihrem Drogenkonsum schuld sei. „Aber man kann sich auch alles schönreden“, sagt er. „Ich bin mittlerweile so reflektiert, dass es mir wirklich leidtut, was ich getan habe.“ Dabei denkt er an die Menschen, die die Drogen bei ihm gekauft haben, aber auch an sich selbst. Denn während der Haft ist seine langjährige Beziehung zerbrochen. Und sein älterer Bruder ist gestorben. „Ich habe mir selber die Möglichkeit genommen, noch Zeit mit ihm zu verbringen“, sagt Jansen.
Der Verlust habe in ihm Zweifel ausgelöst – Zweifel an Gott. Warum musste ausgerechnet sein Bruder sterben? Zu den Gottesdiensten ging er in dieser Zeit nicht mehr, obwohl ihm die Kirche im Gefängnis eine große Stütze geworden war. „Ich habe mit Gott momentan gebrochen“, habe er zu Kribber gesagt. Nur an der wöchentlichen Kirchengruppe, in der sie spielen oder mal einen Film schauen, nahm Jansen weiter teil.
Zwischen Tür und Angel sei er mit Kribber ins Gespräch gekommen – auch über den Tod des Bruders. „Ich habe damit gerechnet, dass er sowas sagt wie: Gottes Wege sind unergründlich“, sagt Jansen. „Hat er aber zum Glück nicht.“ Stattdessen habe er mit Verständnis und pfiffigen Sprüchen reagiert. Einer sei ihm besonders im Ohr geblieben: „Gott ist kein Wunschautomat – Gebet rein, Lösung unten raus.“
Diese kleinen Momente bedeuten Jansen viel. „Hier kann man nicht einfach zu einem Häftling gehen und sich dort das Herz ausschütten. Die Seelsorger sind die einzigen, bei denen man sich etwas von der Seele reden kann“, sagt er. Sie seien ein Ventil, das die Stimmung im Gefängnis verbessert. Dass Kribber in jedem Häftling den Menschen und nicht nur die Straftat sehe, findet Jansen beachtlich: „Das wäre für mich eine große Herausforderung. Sexualstraftäter, Pädophile und Mörder gleichzubehandeln.“
Noch dazu könnten die Seelsorger materiell helfen. „Im Gefängnis gibt es Leute, die sind finanziell schwächer gestellt“, sagt Jansen. Die hätten keine Familienmitglieder oder Freunde, die sie unterstützen. „Wenn man wirklich total abgebrannt ist oder niemanden hat, dann kann man sich an die Pastoren wenden.“ Dann bekommt man Tabak, Kaffee oder auch mal ein Kleidungsstück. Für Jansen organisierte Kribber eine Grabkerze, die er nach dem Tod seines Bruders zum Grab bringen durfte. „Er ist für das Menschliche da“, sagt Jansen. (*Name geändert)
// Jasmin Lobert
Zuwendung, die einen guten Abschied schenkt
Als klar war, dass es für sie keine Heilung gibt, wollte Sylvia Taubert im Caritas-Hospiz in Berlin-Pankow sterben.
Sie war erst 69 Jahre alt und schwer krank. Trotz all des Schmerzes und der Trauer ist Anke Ullrich (51) froh, dass ihre Mutter ihre letzten Lebenswochen in der kirchlichen Einrichtung verbringen wollte. Es wurde für die Mutter und sie als Angehörige eine gute Zeit.
Ullrich hatte den Eindruck, dass ihre Mutter im Hospiz auflebte. Plötzlich ging es nicht mehr darum, gegen Krankheiten zu kämpfen. „Von Stund an hat meine Mutter nicht mehr leiden müssen“, sagt Ullrich. Die Chemotherapie wurde abgesetzt, stattdessen erhielt die Mutter Morphiumpflaster gegen die Schmerzen.
Sylvia Taubert war nun nicht mehr Patientin, sondern Gast – so werden die Bewohnerinnen und Bewohner in Hospizen genannt. Wie ein Gast fühlte sich auch ihre Tochter. „Da werden nicht nur die Schwerkranken betreut, sondern auch die Angehörigen“, sagt sie. Sie war oft und lange zu Besuch, konnte genauso wie ihre Mutter ein Mittagessen bekommen und wurde von den Pflegerinnen und Pflegern gefragt, was sie braucht.
Nun kamen mehr Verwandte und Freunde zu Taubert, als es vorher möglich war. Auch der Familienhund durfte wieder zu Besuch kommen. Im Krankenhaus bei einer immungeschwächten Patientin undenkbar. Es waren zwei Wochen voller Leben.
Ullrich erinnert sich, wie eine Pflegerin ihre Mutter fragte: „Mensch, Frau Taubert, wollen Sie nicht mal ein Bier trinken mit Ihrem Mann?“ Ihre Mutter fragte schüchtern, ob sie das denn darf. „Na klar, dürfen Sie!“, war die Antwort. Sie erzählt auch, wie sie die Mutter in ihrem Pflegebett an einem Wintertag in den Garten des Hospizes geschoben haben, dick zugedeckt hinaus in die Kälte und in die Sonne. Die Mutter habe geweint vor Freude, erzählt Ullrich. „Es war so schön, die frische Luft zu genießen und den Himmel zu sehen“ nach den vielen Wochen in Krankenhauszimmern.
Als im Hospiz ein katholischer Gottesdienst gefeiert werden sollte, haben Ullrich und ihr Vater ihre Gitarre und Mundharmonika mitgebracht und die Feier mitgestaltet. Ullrichs Mutter hat im Pflegebett daran teilgenommen. „Es war ein ganz schöner Gottesdienst mit Krankensalbung. Und ich hatte das Gefühl, dass meine Mutter das nochmal ganz intensiv miterlebt hat“, erzählt Ullrich. Dann verschlechterte sich ihr Zustand. Die Pflegekräfte kamen nun regelmäßig, um der Sterbenden den Mund zu befeuchten und sie zu lagern, als sie sich selbst nicht mehr bewegen konnte. Ullrich war dankbar. Sie spürte, dass das Personal Zeit hat, um den Menschen Aufmerksamkeit zu schenken.
„Jetzt ist sie schon langsam zwischen den Welten“
Sie hatte den Eindruck, dass der Tod für die Mitarbeiter im Caritas-Hospiz nichts Schlimmes war, sondern ein Teil des Lebens. „Da war niemand panisch“, sagt sie. Am Tag, als ihre Mutter starb und schon nicht mehr ansprechbar war, sagte eine Pflegerin zu Ullrich: „Jetzt ist sie schon langsam zwischen den Welten.“ Das sei so passend gewesen. „Die Pflegekräfte haben die Atmo-sphäre wahrgenommen“, sagt Ullrich.
Sie ist froh darüber, wie ihre Mutter ihre letzten Lebenswochen genießen und wie sie sich voneinander verabschieden konnten. „Wenn es denn sein muss, dann ist das Hospiz der geborgenste Ort, um zu sterben und jemanden im Sterben zu begleiten“, sagt Ullrich. „Für mich war es ein großes Geschenk.“
// Barbara Dreiling
Eine Zusage, die Gemeinschaft schafft
Christine Bedrik* (65) hatte mit der Kirche eigentlich schon längst abgeschlossen. Vor etwa zwölf Jahren ist sie ausgetreten. Sie sei zu oft von der Kirche verletzt und enttäuscht worden, sagt sie. Doch bei einer Fortbildung in einem katholischen Bildungshaus erlebte sie einen besonderen Gottesdienst. Da war auf einmal dieses Gefühl, dass sie so lange vermisst hatte: dazuzugehören.
Schon bei der Hochzeit mit ihrem ersten Mann habe sie sich für die katholische Kirche geschämt, sagt Bedrik. Geschämt dafür, dass ihrer konfessionsverschiedenen Ehe so viele Steine in den Weg gelegt wurden. Sie spricht von „merkwürdigen Anträgen“, die das Paar ausfüllen und davon, dass der Bischof der Heirat zustimmen musste. „Da war ich schon drauf und dran zu gehen.“
Sie hat sich gewünscht, dass ein Seelsorger auf sie zukommt
Doch der ausschlaggebende Punkt war ein anderer: Als Bedriks Ehe nach 20 Jahren zerbrach, bekam sie von ihrer Kirchengemeinde keinen Rückhalt, sondern wurde ausgegrenzt. Sie habe das Gefühl gehabt, die Blicke auf sich zu spüren, wenn sie während der Kommunionausteilung in der Bank sitzen blieb, sagt sie. „Ich hätte mir gewünscht, dass ein Seelsorger auf mich zukommt, mir ein Gespräch anbietet, mir zuhört, mich ernst nimmt und mir in dieser schweren Zeit beisteht. Seelsorge eben.“ Schließlich wussten alle Bescheid. „Da habe ich mich sehr alleine gelassen gefühlt“, sagt sie. „Ich wurde einfach verurteilt von Menschen, die gar nicht wissen, was in meinem Leben wirklich los ist.“ Das alles habe zum Bruch geführt, sagt sie. „Da war dann eben das Gefühl: Ist das noch meine Kirche?“
Als sie sich Jahre später für eine Fortbildung zur Trauerbegleiterin an einer katholischen Bildungseinrichtung interessierte, hatte sie große Bedenken. Sie rief einen der Referenten an und sagte, dass sie geschieden sei, in zweiter Ehe lebe, ausgetreten sei und fürchte, dafür während der Fortbildung diskriminiert zu werden. Der Referent beruhigte sie: Zwar sei der Veranstaltungsort katholisch geprägt, aber die Gottesdienste seien freiwillig. Niemand werde über ihre Lebenssituation urteilen.
Die Antwort des Priesters hat sie überrascht
Vor einem der Gottesdienste ging Bedrik zum Priester und schilderte ihre Situation. Sie wollte wissen, ob sie die Kommunion empfangen dürfe. „Dürfen“, sagt sie, „allein dieses Wort finde ich schwierig. Warum muss mir jemand etwas erlauben, was eigentlich selbstverständlich ist, wenn man die christliche Botschaft ernst nimmt?“ Bedrik erinnert sich noch genau dieAntwort des Priesters: „Bei mir ist jeder herzlich willkommen, der an der Kommunion teilnehmen möchte.“
Diese Antwort habe sie überrascht, sagt sie. Der Gottesdienst umso mehr. Nach der Kommunion brach sie in Tränen aus. Ihre Lebensgeschichte, die Enttäuschungen durch die Kirche, der Verlust einer geistlichen Heimat, die sie sich doch eigentlich so sehr wünschte – das alles kam in ihr hoch. Sie gehörte wieder dazu. Sie war wieder Teil einer christlichen Gemeinschaft. „Ich werde diesen Moment in meinem Herzen bewahren.“
Dieser Moment war so überwältigend, dass sie überlegte, wieder in die Kirche einzutreten. Was sie letztlich wieder davon abgehalten hat, sind die Bedenken, die auch in diesem Text durchscheinen: Orte und Name sollen anonymisiert werden, um niemanden in Schwierigkeiten zu bringen. „Wenn ein Priester seine einladende Haltung nicht offen leben kann, dann will ich mit der Kirche nichts zu tun haben.“ (*Name geändert)
// Jasmin Lobert
Ein Segen, der für Freude sorgt
Sebastian (43) und Frank (46) Feldmann sind einfach nur glücklich. „Ich habe es mir immer erhofft, einmal vor dem Altar zu stehen“, sagt Sebastian. „Davon träumt doch jeder“, sagt Frank. Allerdings sind die beiden schwul. Und katholisch.
Sie sitzen beim Video-Gespräch in ihrer Wohnung in Hebelermeer im Emsland, direkt an der holländischen Grenze. Sebastian ist hier aufgewachsen, das Paar hat eine Wohnung in seinem Elternhaus. „Unsere Eltern wollen nur, dass wir glücklich sind“, sagt Sebastian. Und Frank, ebenfalls Emsländer, sagt: „Meine Jungs – das sagt mein Vater immer zu uns.“
Seit vier Jahren sind die beiden zusammen, im August 2023 haben sie geheiratet – „auf Sylt, im Urlaub, nur für uns“, sagt Frank. „Es war ein toller Tag.“ Und doch fehlte den beiden etwas: Gottes Segen.
Voller Elan in die Hochzeitsvorbereitung
„Ich bin ganz katholisch aufgewachsen“, sagt Sebastian. „Meine Oma war Küsterin, ein paar Jahre hat meine Familie sogar mit dem damaligen Pfarrer zusammengewohnt. Ich kenne in der Kirche jede Ecke.“ Der Kontakt zur Gemeinde ist nie abgerissen und auch Frank fühlte sich gleich aufgenommen. „Aber dass wir mal zusammen in der Kirche stehen, konnten wir uns nicht vorstellen.“Ihr Pfarrer schon. „Irgendwann hat er uns angesprochen und gesagt: Wir dürfen doch jetzt. Wollt ihr nicht eure Ehe segnen lassen?“, erzählt Sebastian. Und wie sie wollten! Mit Elan stürzten sie sich in die Vorbereitungen der Feier. „Frank hatte kaum Arbeit damit“, sagt Sebastian und meint damit nicht seinen Mann, sondern Frank Kribber, der die Feier geleitet hat: Priester, Gefängnisseelsorger „und ein Großcousin von mir“, sagt Frank Feldmann.
Eigentlich, sagen die beiden, „sollte es ganz klein sein. Aber dann wollten so viele mitfeiern“: Familie, Freunde, Nachbarn, das halbe Dorf. „Die haben sich so sehr für uns gefreut“, sagt Sebastian. „Alle haben gesagt: Wie schön, dass wir das erleben dürfen!“ Frank ergänzt: „Auch die alten Leute haben uns in den Arm genommen und gratuliert.“
Und wie war die Feier? Beide strahlen: „Wunderschön!“ Frank sagt: „Dass wir Gottes Segen bekommen haben, das bedeutet mir sehr viel, da zehre ich von.“ Sebastian ergänzt: „Zusammen mit Frank in die Kirche hineinzugehen, das war unglaublich für mich. In dieser Kirche bin ich zur Erstkommunion gegangen und gefirmt worden, hier haben meine Eltern und Großeltern und Verwandte geheiratet. Und auf einmal stand ich hier mit meinem Mann.“ Das sei noch einmal eine andere Nummer gewesen als die standesamtliche Heirat auf Sylt: „Die Segensfeier war ein sehr bewegender, sehr emotionaler Moment. Gott im Nacken zu haben in allen Höhen und Tiefen, das hat mir unglaublich viel Kraft gegeben, das bestärkt mich jeden Tag.“
Dass sie das erste gleichgeschlechtliche Paar sind, dem in ihrer Dorfkirche der Segen Gottes zugesprochen wurde, finden sie nicht so wichtig. „Wir haben das nicht für andere gemacht oder für die Feier, sondern für uns aus unserem Glauben heraus“, sagt Frank. Davon erzählt haben sie trotzdem gern. Sebastian sagt: „Nicht nur, um unser Glück zu teilen, sondern auch um andere zu ermutigen, um Gottes Beistand und Segen für ihre gleichgeschlechtliche Ehe zu bitten. Das tut so gut.“
// Susanne Haverkamp