Krankenkommunionhelfer im Bistum Osnabrück

Zusammen beten, trösten und zuhören

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Krankenkommunionfeier zu Hause
Nachweis

Foto: Petra Diek-Münchow

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Krankenkommunionhelfer Willi Thesen besucht Karl-Heinz WIllen. Der 77-Jährige kann nach mehreren Operationen sein Bett kaum noch verlassen.

Willi Thesen bringt Schwerkranken die Eucharistie nach Hause. Dort die Kommunion empfangen zu können, gibt besonders älteren Menschen Kraft und verbindet sie mit ihrer Gemeinde. Doch die Nachfrage sinkt.

Freitagmorgen um 9.10 Uhr im emsländischen Groß Hesepe. Nach dem Schlusssegen in der Messe geht Willi Thesen in der St.-Nikolaus-Kirche die wenigen Stufen hoch zum Altar. Dort reicht ihm Pfarrer Jürgen Altmeppen eine schwarze Lederburse. Mehrere Hostien liegen in dem Täschchen – während der Eucharistiefeier für kranke Menschen geweiht, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können. Ihnen wird Willi Thesen nun die Kommunion direkt ins Haus bringen. Der 76-Jährige gehört zum Team der Krankenkommunionhelferinnen und -helfer in der Gemeinde.

Nur ein paar Minuten später steht er vor der Tür von Karl-Heinz Willen. Nach mehreren Operationen kann der 77-Jährige sein Bett kaum verlassen. Noch selbst zur Kirche zu gehen – daran ist nicht mehr zu denken, erzählt seine Frau. Aber die Kommunion zu empfangen, sei ihm trotzdem weiter wichtig. „Er wartet schon“, sagt sie und entzündet im Schlafzimmer eine Kerze. „Moin, gelobt sei Jesus Christus“, sagt Willi Thesen mit einem herzlichen Lächeln. „Wie geht’s dir heute, Karl-Heinz?“ Und dann plaudern die zwei Männer kurz über grassierende Erkältungen, Erfahrungen mit Krankenhäusern und das Neueste aus dem Dorf. „Was meinst du, wollen wir nun zusammen beten?“, sagt Thesen und schlägt sein Büchlein auf.

Schon lange engagiert sich Willi Thesen als Krankenkommunionhelfer in St. Nikolaus. Nach einem Ausbildungskurs war er vom Bischof für diesen ehrenamtlichen Dienst beauftragt worden. „Früher musste sich mancher erst daran gewöhnen, dass nicht der Pfarrer, sondern ein Laie mit der Hostie kam“, erinnert er sich. Heute ist das nach seiner Wahrnehmung in Groß Hesepe kein Thema mehr. Thesen bereitet sich wie damals auch heute sorgfältig auf seinen Einsatz an jedem Herz-Jesu-Freitag vor. Seine Handreichung für die Krankenkommunion sieht schon leicht abgegriffen und gut durchbetet aus. Mittendrin liegen Zettel mit Texten und Impulsen, die Thesen sich über die Jahre dazu gesucht hat.

Das macht schon was mit einem.

Das kleine Buch gibt den Ablauf für die Krankenkommunion vor. Wie bei einer Wort-Gottes-Feier in der Kirche – mit dem Kreuzzeichen zu Beginn, einem kurzen Schuldbekenntnis, Lesung, Fürbitten, Vaterunser und einem Segen am Ende. Heute gibt es eine Schriftstelle aus einem Paulusbrief, die sich Thesen schon vorher angeschaut hat. Karl-Heinz Willen faltet die Hände, hört andächtig zu und betet wie seine Frau leise mit. Und empfängt dann still die heilige Kommunion. Danach macht er nicht viele Worte darüber – sagt aber, wieviel ihm der Besuch bedeutet. „Das gibt mir Kraft.“

Hostien werden abgeholt
Willi Thesen holt bei Pfarrer Jürgen Altmeppen ein schwarzes Ledertäschen ab. Darin: Hostien, die in der Eucharistiefeier geweiht wurden. Foto: Petra Diek-Münchow

Dass gerade Willi Thesen ihm die Hostie bringt, freut ihn sichtlich. Beide kennen sich von Jugendjahren an. Thesen ist in Groß Hesepe aufgewachsen, hat nach der landwirtschaftlichen Lehre eine weitere Ausbildung gemacht und dann 40 Jahre bei der Post gearbeitet. Mit der Kirche war er von Hause aus immer „selbstverständlich“ eng verbunden, „das gehörte bei uns einfach dazu“. Sein Glaube trägt ihn durch sein Leben, in frohen wie in manchen schweren Zeiten. Was für ihn genauso dazu gehört, ist sein ehrenamtliches Engagement – seit Jahrzehnten als Lektor und Kommunionhelfer, bei den „Grünen Jungs“ auf dem Friedhof und für die kleine St.-Nikolaus-Kapelle in Klein Hesepe.

Zum Team der Krankenkommunionhelfer gehört Thesen seit etwa Mitte der 1990er Jahre. Er weiß, dass er den Kranken dabei weit mehr als die Hostie bringt. Mit ihm kommt die Gemeinde ins Haus, kommt Trost und Ermutigung, kommt ein bekanntes Gesicht mit einem Lächeln. Persönlich soll es sein, das ist dem 76-Jährigen wichtig. Und er verhehlt nicht, dass mancher Besuch ihm nahe geht. Wenn er sieht, wie jemand von Mal zu Mal schwächer und das Leben zerbrechlich wird. „Das macht schon was mit einem.“

Aber aus der Hoffnung, von der die Menschen auch sprechen, zieht er Kraft für sich. Die nimmt er bei jedem Besuch mit. Wie beim nächsten, dem Ehepaar Brinker. Die beiden sitzen in ihrem Wohnzimmer schon parat im Sessel und warten wie an jedem Herz-Jesu-Freitag. „Moin, wo geiht ju dat?“, begrüßt Thesen sie im vertrauten Plattdeutsch. Eine kurze Plauderei schließt sich an, über Bekannte aus dem Dorf, über den früher regelmäßigen Kirchgang, über die Mühen des Alters. Und dann fragt Willi Thesen: „Will wi nu tohoope beden?“ Zusammen beten – ja, das wollen die Eheleute gerne mit ihm. Falten die Hände, machen das Kreuzzeichen und sprechen leise mit: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Petra Diek-Münchow
Hintergrund

Auch Franz-Josef Tremmel aus Twistringen, südlich von Bremen, ist Krankenkommunionhelfer mit Leib und Seele. Seine Geschichte lesen Sie im aktuellen Kibo-Magazin.

Die Praxis der Krankenkommunion gibt es schon sehr lange. Bereits ab etwa 150 nach Christus brachten die Diakone nach der sonntäglichen Eucharistie die Kommunion zu den Kranken der Gemeinde. Sie sollten so in der Gemeinschaft mit Christus bleiben. Gedacht ist diese Form der Kommunionfeier für Menschen, die wegen Krankheit oder Alter nicht (mehr) an der Messe teilnehmen können. Der Empfang des Leibes Christi im Brot innerhalb eines schlichten Gottesdienstes schenkt vielen Hoffnung und Trost. 

Für die Erkrankten ist dieser Besuch oft ein wichtiges Zeichen: Die Kirche vergisst mich nicht, sondern kommt zu mir. Der persönliche Kontakt und Zeit für ein kurzes Gespräch haben oft einen hohen Stellenwert. Kurz gesagt: Wer die Krankenkommunion bringt, bringt nicht allein das gewandelte Brot, sondern persönliche Nähe, Glauben und Ermutigung. Die Kommunion kann von einem beauftragten Laien, Diakon oder Priester gebracht werden. (rse)

Wer im Bistum Osnabrück Interesse an einem Kurs für den Einsatz in der Krankenkommunion hat, kann sich per E-Mail bei Pastoralreferentin Ruth Schmitz-Eisenbach melden: r.schmitz-eisenbach@bistum-os.de